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Gott begegnet Menschen häufig durch Menschen - Geistlicher Impuls für den 18. Dezember 2020

"Bereitet dem Herrn den Weg, denn siehe der Herr kommt gewaltig." (Jesaja 40,3.10)

Wegbereiter des Glaubens sollten die Menschen sein, die sich im Auftrag von Pastor Harms vor mehr als 170 Jahren auf den Weg einer Ausbildung und schließlich auch auf den Weg in ferne Länder gemacht haben. Viel wussten sie nicht von ihrer neuen Heimat. Nur der Auftrag war klar: Seid Wegbereiter. Ebnet den Weg des Verstehens, der Erfahrung und des Glaubens.

Sehr wörtlich meint das übrigens Jesaja. Er spielt darauf an, dass den großen Heeren immer ein Bautrupp vorauseilte, um dem marschierenden und fahrenden Heer ein schnelles möglichst einfaches Vorankommen zu gewährleisten. Heute würden wir wohl von den Pionieren sprechen, die Brücken bauen, Löcher auffüllen und Lande- bzw. Lagerplätze vorbereiten.

Die Missionare und später auch Missionarinnen planten ja keinen Überfall. Sie hatten den Auftrag, die gute Nachricht weiter zu sagen. Dabei orientierten sie sich an Gott. Der sandte seine Engel zu den Hirten, Weissager zu dem König, Sterndeuter zu den Weisen und Kinder zu ihren Eltern, damit sie hörten, was da geschehen ist: Christus ist geboren. Der Heiland ist geboren. Gott wird Mensch, Gott kommt zu uns.

Am Besten haben die Menschen Jesus verstanden, wenn er das Leben mit ihnen geteilt hat. Sich zu der kranken Tochter setzte, dem Blinden zuhörte, sich um die Mahlzeit gekümmert hat für viele, und bei den Verurteilten am Kreuz ausgehalten und mit ihnen gelitten hat.

Darum hat Harms den Missionaren, Handwerkern und Bauern den Auftrag gegeben: Gründet Dörfer, lebt mit den Menschen, teilt das Leben.

Inzwischen hat sich viel entwickelt. Aus den Partnerkirchen kommen Menschen zu uns und berichten, wie sie selbst inzwischen Wege Gottes zu den Menschen ebnen. Wir können lernen. Und erfahren: Gott begegnet Menschen häufig durch Menschen. Er begegnet ihnen als Heiler, Brunnenbauer, denen die Brot bringen,, das richtige Wort als Trost oder zur Vergebung zusprechen können. Gott fragt nicht nach unserer Hautfarbe, Herkunft oder Familie. Er hat nur den oder die Nächste im Blick und nimmt in Dienst, wen er braucht. Buchhalterinnen, Sozialarbeiter, Soziologinnen, Pastoren, Arbeiterinnen, Erzieher …. Alle die wir kennen und uns vorstellen können.

So geschieht Weihnachten jeden Tag auch heute. Gott wird Mensch. Werden wir seine Missionare und Missionarinnen. Menschen, die in seiner Mission unterwegs sind.

Ich wünsche Ihnen eine gesegnete Adventszeit und ein fröhliches Weihnachtsfest.
Vor allem Gottes Schutz und Schirm.

Michael Thiel

Evang. Gesangbuch 10

Mit Ernst, o Menschenkinder,
das Herz in euch bestellt,
bald wird das Heil der Sünder,
der wunderstarke Held,
den Gott aus Gnad allein
der Welt zum Licht und Leben
versprochen hat zu geben,
bei allen kehren ein.

Bereitet doch fein tüchtig
den Weg dem großen Gast;
macht seine Steige richtig,
lasst alles, was er hasst;
macht alle Bahnen recht,
die Tal lasst sein erhöhet,
macht niedrig, was hoch stehet,
was krumm ist, gleich und schlicht.

Ach mache du mich Armen
zu dieser heilgen Zeit
aus Güte und Erbarmen,
Herr Jesu, selbst bereit.
Zieh in mein Herz hinein
vom Stall und von der Krippen,
so werden Herz und Lippen
dir allzeit dankbar sein.

(Ein Impuls von Michael Thiel, Direktor des ELM)

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Auf das, was da noch kommt ... - Geistlicher Impuls für den 17. Dezember 2020

Aller guten Dinge sind drei. Als ich nach meinem ersten Versuch eines geistlichen Impulses gefragt wurde: "Warum hast du damit 40 Jahre gewartet?" hat mir dies die Motivation gegeben noch einen weiteren Impuls zu geben und heute an meinem letzten Arbeitstag im ELM soll dies der dritte und letzte sein.

Die heutige Tageslosung: Es gibt eine Hoffnung für deine Zukunft, spricht der HERR.  (Jeremia 31,17) begegnete mir das erste Mal bei der Vorbereitung meiner Abschiedsworte auf der letzten Mitarbeitendenversammlung  im September, die ich noch einmal als Vorsitzender der MAV leiten durfte. Auch im weiteren Blick auf die Tageslosungen zu meinem formalen Dienstende am 31.12.20.

Der HERR hört mein Flehen; mein Gebet nimmt der HERR an. (Psalm 6,10) und

Bittet, so werdet ihr empfangen, auf dass eure Freude vollkommen sei. (Johannes 16,24)  konnte ich schon damals feststellen, dass ich beruhigt in die Zukunft schauen und in den Ruhestand gehen kann.

Natürlich hatte ich mir meinen Abschied etwas anders vorgestellt. Eigentlich wollte  ich über die Flure der Geschäftsstelle  gehen oder mich in einer gemeinsamen Teepause verabschieden. Dazu hatte ich schon passend das Lied von LOTTE und Max Giesinger: Auf das, was  da noch kommt ...  ausgesucht, das ich dann gerne abgespielt hätte. Aber so wird es ein leiser Abschied und ich werde viele Kolleg*innen nicht mehr sehen. Auch werden mir die fehlen, die ich aus früheren gemeinsamen Jahren im ELM gerne dabei gehabt hätte.

Umso mehr freue ich mich über diese Gelegenheit, mich noch einmal von Euch allen mit den sehr passenden Worten der Tageslosungen für meinen Ruhestand zu verabschieden.

Alles Gute, bleibt behütet und gesund und allen eine besinnliche und gesegnete Advents- und Weihnachtszeit.

(Ein Abschieds-Impuls von Werner Flechsig, der heute den letzten Tag Leiter der technischen Dienste im ELM ist)

 P.S.: Vielleicht sieht mein Ruhestand ja so aus: 

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Der Engel Heinrich - Geistlicher Impuls für den 16. Dezember 2020

(Ein Impuls von Konni Pufal, ELM-Teamassistentin Globale Gemeinde)

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Das ‚Eigentliche‘ an Weihnachten - Geistlicher Impuls für den 15. Dezember 2020

Wie wir Weihnachten feiern können und sollen, ist selten so heiß diskutiert worden wie in diesen Tagen. Die einen sagen: Es geht einfach dieses Jahr nicht ‚wie üblich‘ … Und die anderen: Es geht trotz aller COVID-bedingten Einschränkungen gerade dieses Jahr ‚so gut‘, denn wir können uns doch gerade auf ‚das Eigentliche‘ am Christfest besinnen… Aber was ist das denn nun, dieses ‚Eigentliche‘ an Weihnachten?

Einige hörte ich abends in den Nachrichten sagen: „Da sollen und dürfen wir uns in Ruhe derer annehmen, die wir sonst oft vernachlässigen…“. Das finde ich genial.  Aber warum nehmen wir uns das gerade an Weihnachten so zu Herzen?

Ich denke, das liegt daran, dass es am Christfest genau um diese Grundlage (sozusagen den „Grund der Möglichkeit“) der Nächstenliebe geht. Um mehr also als um ein paar Stunden netter Gefühle. Es geht im Tiefsten um unsere Vorstellungen von Gott und davon, wie Gott zu den Menschen und Geschöpfen steht. Weihnachten beschert uns eine Revolution unserer Gottesvorstellungen. Es sagt, dass Gott selbst seine Position im Machtgefüge des Lebens entscheidend verändert hat. Mancher hat das auch schon „Gott ist ver-rückt…!“ genannt.  

Kaum jemand hat diese „Verrückung Gottes“ (vielleicht sollten wir tatsächlich „Verrücktheit“ sagen) schöner zum Ausdruck gebracht als der dänische Existentialist und Philosoph Sören Kierkegaard, wenn er 1843 einmal wie folgt in eine Parabel fasste, warum sich das Leben mit Weihnachten entscheidend geändert hat. Er erzählte es in etwa so:

Stellen wir uns vor, ein junger König, der mächtigste und angesehenste, den man sich denken kann, reist mit seinem Troß durch sein Land. Und als er abends Rast macht in einer ärmeren ländlichen Gegend, lernt er im Gasthof eine junge Frau kennen, die dort bedient und freundlich und gutherzig wie keine andere ist. – Auch wenn er am nächsten Tag weiterreist und in sein Schloss zurückkehrt, kann er doch diese junge Frau nicht mehr vergessen. Er spürt die Liebe zu ihr so sehr, dass er ihr das am liebsten gleich sagen würde. Aber dann findet keine Ruhe darüber, wie er dies anstellen soll. Er will sie ja für sich gewinnen. Und nicht überreden. Wenn er nun spontan seine ganze königliche Vollmacht einsetzte und sie einfach zu sich holen ließe (was ja Mächtige immer wieder taten und noch tun…) würde genau das, was er im Tiefsten will, nämlich eine Liebe auf der Grundlage einer freien und gegenseitigen Entscheidung, zerbrechen. Die Frau wäre evtl. hoch geehrt und würde allein aus Aufstiegswille heraus schon ins Schloss ziehen… Ihn aber damit auch lieben?? Nein, wohl eher (wie den Vogel im gold‘nen Käfig) würde er sie innerlich von sich entfremden trotz aller Nähe, wenn er so gewaltig Macht gebrauchte. – Nein, er wollte, dass ihre Liebe so frei zustande käme, dass die junge Frau sogar über ihrer Zuneigung zu ihm vergessen könnte, dass er so mächtig ist… Er wollte eine geliebte Frau, und das konnte nur eine ihm gleichgestellte sein… Denn nur solche Liebe kann das Ungleiche gleich machen….  Also kam er zu dem Schluss, dass er sie nicht einfach hochheben konnte in Stand und Würde sozusagen mit Gewalt, sondern nur einen Weg habe: Sich zu erniedrigen zu ihr. So ging er, gekleidet als ein Bettler, zu ihr ins Dorf. Aber sein Aufzug konnte nicht nur eine Verkleidung sein. Nein, er wurde tatsächlich einer aus diesem Dorf und veränderte seine Identität grundlegend. Er gab seinen Thron auf, um ihr dann in der Annäherung im Dorfleben seine Liebe zu offenbaren und ihre Liebe zu gewinnen.

Weil Gott so „ver-rückt“ ist vor lauter Liebe zu seinen Geschöpfen, d.h. in dem Machtgefüge des Lebens vom Thron hinab in den irdenen Boden gestiegen, haben wir an Weihnachten 2020 erneut die Chance zu verstehen: Gottes Macht und Güte sind nicht so aufdringlich und überwältigend, dass sie uns wie widerborstige unreife Kinder ins Lamentieren und undankbare Hadern bringen wollen. Vielmehr nähert sich Gott dem menschlichen Gewissen sanft an. Gott setzt darauf, dass der Mensch seine Augen und sein Herz öffnet für die Güte und das Wunder des Lebens. Und zwar nicht nur dort, wo es naturwüchsig stark, ja prototypisch ist, sondern gerade dort, wo es verdeckt ist von Hindernissen, Leiden, vielleicht auch Krankheiten oder Altersschwäche.

Haben Sie einen guten und frohen Tag im Advent – mit fester Ausrichtung auf das Christfest.

(Ein Impuls von Wilhelm Richebächer, Direktor der Fachhochschule für Interkulturelle Theologie (FIT) in Hermannsburg)

 

 

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Schritte eines gerechten Miteinanders - Geistlicher Impuls für den 14. Dezember 2020

„Wenn deine Gerichte über die Erde gehen, so lernen die Bewohner des Erdkreises Gerechtigkeit.“ (Jesaja 26,9)

Es ist eine Sisyphusarbeit: Kaum habe ich gedacht, gerecht gehandelt zu haben, gibt es von einer Kollegin den Einwand, „nicht gerecht behandelt zu sein.“ Was im kleinen Kreis geschieht, wird in unserer Gesellschaft deutlich: Es gibt keine gerechte Verteilung von Arbeit, Geld und Wohlstand. Irgendjemand wird sich immer ungerecht behandelt wissen. Dagegen wird aufgestanden, protestiert und oft laut gebrüllt. In diesen Wochen symbolisch aufgezeigt durch die Querdenker, die leider wenig mit Denken zu haben.

Und über unsere Gesellschaft hinaus können wir in die Welt schauen: Würde es gerecht zugehen, dann bräuchten wir in diesen Tagen keine der unzähligen Spendenaufrufe für den Globalen Süden. Denn mit diesen Ländern teilen die Industrienationen selbstverständlich in fairer und gerechter Weise, zumal ihr Wohlstand auch durch die Ausbeutung des Globalen Südens zustande gekommen ist.

Ich kann argumentieren und rechtfertigen so viel ich will: es gibt keine Gerechtigkeit. Weder im persönlichen und beruflichen Bereich, nicht in der Gesellschaft und schon gar nicht in der Welt.

Und doch bin ich nicht davon befreit, immer wieder Schritte eines gerechten Miteinanders zu gehen. Weil es mir gut tut, weil es meinen Gegenüber damit besser geht.

Wie Gerechtigkeit geht, will uns Gott in seinem Gericht lehren. Wird es dann nicht zu spät sein? Mitnichten. Denn das von Jesaja angekündigte Gericht ist im Kommen seines Sohnes Jesus Christus angebrochen. Gerechtigkeit lernen heißt für mich daher zunächst, in die Schule Jesu zu gehen. Seine Gerechtigkeit sieht den einzelnen Menschen mit seinen Bedürfnissen und Sehnsüchten. Und diese Gerechtigkeit fordert jene heraus, die sich selbst zum Maßstab aller Dinge gemacht haben und das Schreien der Bedürftigen und Unterdrückten nicht mehr an ihre Ohren lassen.

Diese Gerechtigkeit fordert mich heraus zu lernen. Immer wieder.

Diesem Prozess will ich mich stellen. Er wird mich am Ende führen zu einem bewussteren und gerechteren Handeln und Verhalten für die Menschen um mich herum, für die Gesellschaft und für die Welt.

Doch der Prozess beginnt für mich mit einer sehr einfachen Übung, die doch so schwer zu bewerkstelligen scheint: Ich gehe für zehn Minuten in die Stille. In ihr danke ich Gott für alles, was er mir Gutes tut. Danke für sein gerechtes Handeln an mir. Zehn Minuten. Jeden Tag. Hört sich so einfach an. Ist es aber nicht. Probieren Sie es aus.

Aus dieser Stille erwächst ein neues Bewusstsein für mehr Gerechtigkeit. Denn ein dankbarer Mensch ist bereit für Veränderung.

(Ein Impuls von Thomas Wojciechowski, Leiter Globale Gemeinde. ELM)

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Der andere Advent - Geistlicher Impuls für den 11. Dezember 2020

„Der andere Advent“ den meisten sicherlich bekannt als etwas anderer Adventskalender, bekommt in diesem Jahr eine völlig neue Bedeutung: die Adventszeit in diesem Jahr ist einfach anders.
Vor etlichen Jahren beschrieb in diesem „Anderen Advent“-Adventskalender ein Autor/In, dass er/sie die Krippenfiguren zu Beginn der Adventszeit im Haus verteilt hat und sie dann im Laufe der Adventszeit durch mehrmaliges Umsetzen sozusagen auf die Reise geschickt hat, bis sie sich letztendlich in der Krippe unterm Weihnachtsbaum einfanden.
Diese Idee hat mich da schon angesprochen, wurde aber von meinen damals pubertierenden Kindern mit einem „oooh Mama“ abgetan, so dass ich die Umsetzung in die Praxis erstmal ließ.

In diesem Herbst musste ich jedoch Möbel umräumen und hielt dabei auch schon vor Wochen die Pappkiste mit den Krippenfiguren in der Hand. Dabei fiel mir dieser Beitrag aus dem „Anderen Advent“ wieder ein.
Dieses Mal nun begleiten mich meine Krippenfiguren durch diesen ungewöhnlichen Advent in Corona-Zeiten. Sie stehen mal zwischen Blumentöpfen, mal im Bücherregel, mal bei den Gewürzen, oder beim Weihnachtstee,… Aber immer wieder sind meine Gedanken bei Maria und Josef, die sich auf den beschwerlichen Weg nach Bethlehem machen mussten. Es gab den Erlass vom Kaiser – sie mussten sich zählen lassen. Und das obwohl Maria hochschwanger war. Auf der Suche nach einer Herberge blieb ihnen so manche Tür verschlossen.

Diese Situation wird schnell zum Greifen nah, wenn man in Corona-Zeiten eine Autopanne hat und versucht in einem Hotel unter zu kommen. Der Pannendienst versuchte mir eine Übernachtungsmöglichkeit zu organisieren, was aber abgelehnt wurde: Notfälle seien nicht erlaubt. Zum Glück war ich dienstlich unterwegs, sodass ich dann doch ein Zimmer bekam. Hätte ich im Auto nächtigen müssen, wenn ich wegen privater familiärer Belange unterwegs gewesen wäre? Wer weiß.

Auch andere nicht aufschiebbare Dinge sind in Corona-Zeiten umzusetzen, trotz so manch verschlossener Tür. So versuche ich den Einzug in ein Seniorenheim und das Auflösen einer Wohnung Corona-konform zu organisieren. Die Kündigungsfrist läuft halt auch im Lockdown light. Es ist ein nahezu unmöglicher Spagat alle Regelungen einzuhalten und dennoch voran zu kommen. Das Heim, das verständlicherweise stark reglementierte Zutrittsregeln hat, caritative Einrichtungen, die nur eingeschränkt, oder gar nicht tätig sind. Hilfe durch Freunde scheitert schnell an der Regelung, dass sich nur Personen aus 2 Haushalten treffen dürfen.

Aber wie damals als sich dann doch noch ein Stall mit einer Krippe fand, wird sich auch für die derzeitigen Herausforderungen eine Möglichkeit, ein Weg, eine Lösung finden.

Mit Vers 7 aus dem 2. Brief des Paulus an Timotheus: „denn Gott hat uns nicht gegeben einen Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit“ hoffe ich, dass wir alle mit unseren Angehörigen und denen, die uns nahestehen, gut durch diese andere Adventszeit kommen.

(Ein Impuls von Ricarda Kraume. Frau Kraume ist beratend in der Partnerschaftsarbeit der Kirchengemeinde Immensen tätig und Mitglied des Missionsausschusses des ELM)

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Hoffen auf den, der kommt - Geistlicher Impuls für den 10. Dezember 2020

Hoffnung
Dunkel ertragen
Verlassenheit
annehmen.
Gebrochenheit
aushalten.
Schweigen durchstehen.
Hoffen auf
das Ende der Nacht,
die Hand, die mich hält,
das Wort, das mich heilt.
Mich ausstrecken nach
dem,
der da komen wird.

Gisela Baltes

Was bedeutet eigentlich Advent? Wikipedia sagt, der Begriff bedeute "im Römischen Reich (...) Besuch eines Amtsträgers, insbesondere die Ankunft von Königen oder Kaisern". (https://de.wikipedia.org/wiki/Advent#Begriff)

Ich als Christin glaube, dass vor 2000 Jahren der Sohn Gottes höchstpersönlich auf die Erde kam. Was für ein überaus hoheitlicher Amtsträger, der da zu Besuch kam! Er wird im Lied "Macht hoch die Tür" beschrieben als der Herr der Herrlichlkeit, der König aller Königreiche und Heiland aller Welt, der Heil und Leben mitbringt. Das Wort Advent ist also durchaus passend, um die Ankunft von Jesus auf der Erde zu benennen. Es würde wahrscheinlich nicht unbedingt verwendet werden, wenn jemand auf meine Ankunft wartet.

Von Heil und Leben jedoch kann aktuell auf der Welt sowie an manchen Stellen meines eigenen Lebens nicht wirklich die Rede sein. Es ist bekannt, dass die Auswirkungen der Coronapandemie vor allem die treffen, die ohnehin aus verschiedenen Gründen nicht die gleichen Chancen haben wie andere. Die Not ist groß, das bekomme ich täglich z.B. über die Partner des ELM mit. Ich kenne eine Person, die große Sorge hat, in ihr Heimatland zurückzukehren, weil die Situation dort aufgrund der Pandemie noch einmal schwieriger geworden ist. Sorge, Angst, Verzweiflung, Krieg, Krankheit, ... wo ist da das Heil, das der hoheitliche Amtsträger mit Namen Jesus vor 2000 jahren eingeläutet hat? An vielen Stellen noch nicht zu sehen. Hilflosigkeit macht sich bei mir oft breit.

Das Gedicht von Gisela Baltes, auf das ich letztens gestoßen bin, erschien mir wie eine Antwort auf meine Gedanken. (http://impulstexte.de/glaubwuerdig/advent/hoffnung) Advent ist für mich die Hoffnung, dass Gott sein Versprechen einlöst und sein Heil und sein Leben in Fülle eines Tages für jeden Menschen auf der Welt Realität wird. Hoffen auf den, der da kommen wird.

(Ein Impuls von Annika Drieschner, ELM-Referentin Jugendarbeit & Globales Lernen)

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Waren Sie schon einmal in der Wüste? - Geistlicher Impuls für den 9. Dezember 2020

„Der HERR, dein Gott, führt dich in ein gutes Land, ein Land, darin Bäche und Quellen sind und Wasser in der Tiefe.“ (5. Mose 8,7)

Ich weiß nicht, ob Sie schon mal in der Wüste waren. Wie es ist, nach Stunden durch karges Land, in sengender Hitze auf eine Oase zu stoßen. Wie intensiv allein schon der Anblick von sattem Grün ist! Wie verheißungsvoll süß die Datteln an den Palmen wirken! Wie laut tönt das sanfte Murmeln eines Bächleins in den Ohren! Wie Freudengesang. Wie frisch ist die Luft! Senkt sich die Sonne herab, jubilieren die Vögel in den Bäumen und stimmen ein in den Gesang von Leben und Lebenslust!

Von mindestens dieser Intensität spricht hier G'tt und verheißt seinem geliebten Volk ein gutes Leben, ein „buen vivir“. Und wir müssen uns eine viel extremere Durstzeit vorstellen, geprägt von Auszehrung, Hoffnungslosigkeit, Entbehrung, Frust, Wut und Depression.
Die meisten von uns werden diese existentielle Not eher nicht kennen. Die meisten von uns kennen nicht Hunger oder was es heißt, einen sicheren Platz zum Schlaf zu suchen.
Unsere Eltern oder Großeltern und viele der Geflüchteten in unserem Land kennen diese Erfahrung.
Wir anderen, wir haben jeden Tag zu essen, wir haben sauberes Trinkwasser zu trinken, wir haben Kleidung, wir haben ein warmes Zimmer und wir haben eine sichere Schlafstatt.
Doch auch wir kennen Wüsten. Innere Wüsten. Die Kargheit ist Leere. Ein Leben ohne Beziehungen. Nichts und Niemand spricht zu uns. Nichts und Niemand berührt uns.
Das Leid der Anderen, was kümmert uns das?
Die Menschen, die im Meer versaufen, das kann uns nicht betreffen. Weit weg.
Der Obdachlose in der Fußgängerzone, der ist doch selbst Schuld. Wir haben doch ein Sozialsicherungssystem.
Wir haben damit nichts zu tun. Wir legen uns einen Panzer um. Wollen nichts fühlen. Wollen vielleicht die Ohnmacht nicht fühlen. Wollen die Frage nach Gerechtigkeit nicht stellen.
Denn sonst müssten wir schreien. Laut schreien. Mit aller Kraft!
Wo ist sie die Gerechtigkeit? Wo ist das Land für alle? Wo ist das gute Land, ein Land, darin Bäche und Quellen sind und Wasser in der Tiefe?

G'tt, der du auf uns zukommst wie ein liebender Vater und eine fürsorgliche Mutter, führe uns zu diesem guten Land!
Zeige uns den Weg, dass wir ein gutes Land für alle finden und gemeinsam aus den Quellen von dem Wasser des Lebens trinken.
Wenn wir auf dich vertrauen, können wir mutig und beherzt diesem Weg folgen.
Wir werden teilen, was wir haben, und es wird für alle reichen.

(Ein Impuls von Gabriele De Bona, ELM-Referentin Gender International, Ökumenische Zusammenarbeit Äthiopien)

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Science Fiction? - Geistlicher Impuls für den 8. Dezember 2020

„Der Tag des HERRN kommt und ist nahe.“ (Joel 2,1)

„Wir warten auf einen neuem Himmel und eine neue Erde nach seiner Verheißung, in denen Gerechtigkeit wohnt.“

Der Ruf des Propheten erschreckt die Menschen -
war mit dem Tag des HERRN doch Gericht
und Vergeltung angekündigt
und Verantwortung für eigenes Verhalten zu übernehmen.
 
Eine nicht sehr bequeme Aussicht im
doch so lieblichen Advent.
Es wird ungemütlich, wenn
abgerechnet wird.
 
So ist es halt. Auf Gesetz
folgt Gehorsam,
und wenn nicht:
Strafe.
 
Das fordert die Gerechtigkeit.
Am Tag des HERRN.
 
Aber.
 
Die Gerechtigkeit - reloadet?
Welch´ ein neuer Klang.
Science Fiction?
Weder – noch.
 
Eine ganz neue Vorstellung
von Gerechtigkeit.
Die neu macht. Richtig macht.
Himmel und Erde.
 
HERR, lass´ mich das erleben. Amen.

(Ein Impuls von Detlef Kohrs, Geschäftsführer des ELM)

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Die Macht der Sprache - Geistlicher Impuls für den 7. Dezember 2020

Neulich habe ich ein ELMinar zum Thema „Maskulinitäten“ besucht. Das von Gabriele de Bona geleitete Online-Seminar beschäftigte sich mit der Frage, wie Bilder von Männlichkeit unser Leben prägen. Als Referent war Stephan Philipp eingeladen. Stephan Philipp ist Studienleiter für den Evangelischen Religionsunterricht in Berlin. Er begann sein Referat mit einer für mich sehr eindrücklichen Schilderung einer konkreten persönlich Situation, die mich nachhaltig beschäftigt und die ich hier mit euch teilen möchte. 

„Da ist ein Junge, gerade 15 Jahre alt geworden, im Januar 1945 in Breslau. Der Geschützdonner der nahen Roten Armee und die Sprengungen der Wehrmacht, die mitten in der Stadt einen gigantschen Flugplatz anlegen, übertönen alles. Dieser Junge trifft zum letzten Mal seinen Vater, in der Wehrmachtsuniform eines Unteroffiziers, sie verabschieden sich, ehe der Junge mit Mutter und Tante zum Bahnhof gehen wird, um in einem der letzten Reichsbahnzüge die Stadt zu verlassen. Der Vater umarmt seinen Sohn und spricht zu ihm Worte, die ein Leben lang in ihm nachhallen werden:
"Sei tapfer und bete."
Und:
Dieser Junge wurde später mein Vater. Seinen Vater – meinen Großvater – lernte ich nie kennen. Heute frage ich mich: Was für ein Männerbild prägte die Welt, in der ich aufwuchs, und damit auch mich.“

Was für eine Bürde, dachte ich. Natürlich zunächst für den Vater aber mit dem tradierten Bild von Männlichkeit auch für die heutigen Männer (und übrigens auch für Frauen). Das hat viel damit zu tun, was gedacht wurde und wird und welche Haltung Mann meinte an den Tag legen zu müssen. Aber dieses Denken findet seinen Ausdruck eben auch in Sprache, und Sprache ist wirkmächtig. Stephan Philipp zeigt das, indem er die Geschichte seines Vaters am Ende seines Vortrags reformuliert:

„Ohne das Gift der Worte, die eigentlich lieb und stärkend gemeint waren, ohne diese toxische Männlichkeit hätte mein Vater sicher anders und freier leben können. Stellen Sie sich vor, der Junge hätte im Januar 1945 in Breslau diese Worte gehört:
• Vertraue auf Gott. Du bist sein geliebtes Kind - egal ob du dich stark fühlst oder als schwach erlebst. Und:
• Bewahre Deine Menschlichkeit. Hilf deiner Mutter und lass dir helfen.“

(Ein Impuls von Anette Makus, Leiterin Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising im ELM)

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Gott, wo bist Du? - Geistlicher Impuls für den 4. Dezember 2020

„Selig sind, die Frieden stiften. Denn sie werden Gottes Kinder genannt.“ (Matthäus 5,9)

Ich suche in der Welt nach Frieden. Meine Augen suchen, angestrengt, um die fehlenden Stücke des Friedens zu finden. Ich bemühe mich, sie zu finden. Wo ist er, der Frieden?

Ich sehe, wie sich Nationen gegen Nationen erheben. Ich sehe Regierungen, die Milliarden in die Entwicklung raffinierterer Tötungsmaschinen investieren. Ich sehe bombardierte Dörfer und Städte in Schutt und Asche liegen. Ich sehe endlose Massen von Menschen auf den Straßen -  alt, jung, Männer, Frauen und Kinder. Manche gehen, manche stolpern - viele ohne Schuhe an den Füßen.

Alle erzählen die gleiche Geschichte: Wir rennen, um einen friedlichen Ort zum Leben zu finden, um uns niederzulassen und sicher zu sein.

Ich sehe und bin verzweifelt über das, was ich sehe. Ich denke, vielleicht muss ich woanders suchen - in den Häusern von Familien. Sicherlich werde ich dort Frieden, Wärme und Trost finden. Mein Blick fällt auf ein Zuhause: einen vom Alkohol berauschten Vater. Seine Augen glühen vor Wut und Gewalt. Er hat die Kontrolle über sich selbst verloren - etwas anderes hat die Kontrolle übernommen.

Ich finde ein Kind, das sich in einer Ecke des Raumes versteckt. Seine Hände halten seine Ohren zu, in der Hoffnung, dass er nichts hört! Dass er das Schweigen hört und nicht den Missbrauch und die Schreie seiner Mutter um Gnade.

Ich suche weiter und finde eine Kirche - meine verwirrten Gedanken beginnen sich zu beruhigen: Sicherlich werde ich hier diesen Frieden finden. Den Gott des Friedens. Wenn schon nirgendwo sonst - dann hier. Und ich schaue genauer hin. Und ich sehe die Pastorin dort sitzen. Ganz leise. Wenn ich genau hinschaue, ist eine Leere in ihren Augen. Ein Schatten der Traurigkeit liegt auf ihrem Gesicht.

Es ist zu viel. Ich bin leer. Ich höre Gott nicht mehr. Die Leidenschaft, die Energie, die Hoffnung ist weg. Ich bin leer, allein und verzweifelt in einer zerbrochenen Welt. Ich setze mich in die Kirche. Schweigend, um nicht zu stören.

Ich sitze und frage mich: Gott, wo bist du? Wo ist dein Friede in dieser zerbröckelten Welt? Ich höre und höre eine Stimme in meinem Geist: Gesegnet sind die Friedensstifter. Meine Seele bleibt für einen Moment stehen und ich höre wieder zu. Ich bleibe stehen und höre etwas, als ob ich zum ersten Mal etwas höre: Gesegnet sind die Orte, an denen Frieden herrscht.

Gesegnet sind die Friedensstifter. Die Friedensstifter, die Frieden schaffen, die Frieden bringen, die für den Frieden arbeiten.

Meine Gedanken gehen zurück zu der langen Reihe von Flüchtlingen, und ich sehe die Frau, die an der Straße angehalten hat und neben einem alten Mann kniete. Ich sehe ihre mitfühlenden Augen. Und ich sehe die Kraft, die sich zwischen ihnen sammelt, wenn sie in der Solidarität des Augenblicks Frieden finden.

Ich reise zurück in das Haus der Gewalt und des Missbrauchs, und ich sehe eine geschlagene Frau, die ihr Kind mit neuer Entschlossenheit aufhebt, als sie aus der Tür geht. Ihre Schritte werden sie zu einem Freund, einem Nachbarn bringen, und dort wird sie in Sicherheit sein.

Und mein Blick fällt wieder auf die Pastorin und ihre leeren Augen. Gesegnet sind die Friedensstifter. Die Worte ziehen mich und ich gehe auf sie zu. Ich setze mich neben sie und nehme ihre Hand. Wir sitzen dort für eine Weile in Stille, bevor ich wieder aufstehe und in mein Leben zurückkehre. Als ich mich umdrehe, um zu gehen, greift sie für einen Moment nach oben, berührt meinen Arm und flüstert: „Ich danke Ihnen.“

Und ein Schimmer von Frieden liegt in ihren Augen. Selig sind die Friedensstifter, denn sie werden Kinder Gottes genannt werden. Sie sind die Kinder Gottes, die Frieden an scheinbar unbedeutende Orte und in scheinbar unbedeutende Momente der Zeit bringen.

Amen

(Ein Impuls von Elke Carrihill, Betreuerin der Freiwilligenarbeit des ELM in Südafrika, Pastorin)

 

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Do they know it’s Christmas time at all? - Geistlicher Impuls für den 3. Dezember 2020

Do they know it’s Christmas time at all?

Dieses Lied von der Band Aid ist seit den 1980er Jahre immer wieder neu gesungen, zum Teil leicht umgetextet und in andere Bezüge gestellt worden. Es waren Hungersnöte, es waren Epidemien wie Ebola, … auf Menschen, die darunter litten, wurde immer wieder hingewiesen und so auch für sie gesammelt.

In diesen Tagen begegnet mir das Lied immer wieder im Radio. Do they know it’s Christmas time at all? Wissen die Menschen, dass jetzt Weihnachtszeit ist? Wird der Geist von Weihnachten noch deutlich? Eine Frage, die auch uns in diesem Jahr sehr beschäftigt. Was ist Weihnachten? In diesem Jahr, in dem wir nicht wie gewohnt Weihnachten feiern. Die Kirchengemeinden arbeiten mit Hochdruck an zu Corona passenden Gottesdienstangeboten. Aber trotzdem werden viele nicht teilnehmen können. In diesem Jahr, in dem viele Geschäfte unter den Corona-Beschränkungen leiden, stellt sich auch beim Konsum die Frage: Was ist Weihnachten? Jede*r versucht noch zu retten, was zu retten ist – im Hinblick auf den Umsatz. Was ist Weihnachten?

Do they know it’s Christmas time at all? Wissen sie, wissen wir überhaupt noch, was Weihnachten ist? Retten, was zu retten ist, darum geht es! Ja! Aber nicht in Bezug auf Umsatz! Es liegt am Einsatz! Gott setzt ein, was er hat, das Beste und Liebste: seinen Sohn – um zu retten, was zu retten ist! Jeder einzelne Mensch, der ihn, Gott, aus den Augen und aus dem Sinn verloren hat, jeder einzelne Mensch, der sich fragt, wie er oder sie mit sich und seinem / ihrem Leben zurechtkommen soll, jede/r einzelne … ist Ziel des Einsatzes Gottes. Jeden und jede hat Gott im Sinn. Zu jedem und jeder kommt Gott in diesem kleinen Säugling. In dieser letzten Hütte. In dieser riechenden Futterkrippe. In dieser Kälte der Nacht. Als Kind einfacher Eltern. Geburtstagsgäste sind ungewaschene Hirten von den Feldern.

Das hätte im Kosovo sein können, auch in Syrien, in Bergkarabach, in der Obdachlosenunterkunft, unter der Brücke, in einem Township in Südafrika, … der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt! Hier können wir uns alles Denkbare vorstellen und wir werden Gottes Wunsch zu den Menschen zu kommen, nicht fehlinterpretieren. Denn Gott meint tatsächlich alle! Auch die, die Sie und ich nicht meinen würden! Aber wissen all diese Menschen das? Dass Gott genau sie im Blick hat? Wissen wir, dass Gott genau uns im Blick hat; auch da wo wir uns wünschen, er würde lieber nicht hinschauen? Er schaut hin - mit Liebe! Do they / we know it’s Christmas time at all? Wissen sie / wir, dass Weihnachten ist? Es ist nicht in erster Linie die Zeit des Umsatzes, sondern die des Einsatzes! Des Einsatzes Gottes für jeden Menschen!

Und es ist die Zeit unseres Einsatzes für unsere Mitmenschen! Das genannte Lied zielt darauf, zu spenden für „die armen Menschen“ und es sind in den vergangenen Jahren vor allem Menschen außerhalb unseres direkten Umfeldes gewesen. In diesem Jahr stimmt das so nicht mehr! Es sind unsere Schwestern und Brüder in anderen Ländern, die wir z.B. durch Corona-Lebensmittelpakete unterstützen können und sollen. Ja! Aber es sind auch unsere Schwestern und Brüder in der Nachbarschaft, im Seniorenheim, die Einsamen, die Kranken, … da sind die besten und größten Spenden oft vor allem die der Aufmerksamkeit, des Hinschauens, Helfens, Hinhörens, Wahrnehmens.

Einfach tun, was Gott getan hat an Weihnachten: er hat sich uns Menschen zugewandt, er schenkt uns seine Aufmerksamkeit, er schaut hin, hilft, hört zu, nimmt uns wahr wie wir sind – er kommt und steht uns zur Seite.

Ich kann zu meinen Mitmenschen gehen, zu ihnen kommen, ihnen zur Seite stehen, Zeit und Aufmerksamkeit schenken! Und Weihnachten wird kommen. They will know it‘s Christmas time for sure!

(Ein Impuls von Michael Schultheiß, ELM-Referent Globale Kulturelle Vielfalt; Ökumenische Zusammenarbeit mit Südafrika, Botsuana und Eswatini (Swasiland))

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Diesmal ohne Gesang - Geistlicher Impuls für den 2. Dezember 2020

„Seid still und erkennt, dass ich Gott bin.“ (Psalm 46,10)

In diesen Tagen lag der Gemeindebrief in meinem Briefkasten. Darin Hinweise auf die bevorstehenden Weihnachtsgottesdienste. Sie werden ohne Gesang stattfinden. Ich singe gerne. Und meistens falsch. Aber das hält mich nicht ab. Weder Zuhause noch auf den Fluren der Geschäftsstelle des ELM – nicht selten zum Leidwesen meiner Kollegen und Kolleginnen.

Wie war das zur Zeit der Geburt Jesu? Maria war hochschwanger und musste sich wegen der Volkszählung auf den Weg nach Bethlehem machen. Die Herbergen waren überfüllt. In einem Stall fanden Joseph und sie eine Bleibe. Von einer Hebamme ist keine Rede. Und Joseph war gewiss als Mann mit dieser Situation überfordert. Wusste er, was bei einer Geburt zu tun war? Wohl kaum. All das hat nichts mit Romantik zu tun.

Und das neugeborene Kind hat kein neu eingerichtetes Zimmer. Noch nicht einmal ein Bett. Der Legende nach nur einen Futtertrog. Mitnichten frei von Keimen. Wie auch? Denn Och und Esel haben ihre Notdurft bestimmt nicht zurück gehalten. Hochinfektionsrisiko für Mutter und Kind.

Und dann kommen auch noch die Hirten hinzu. Fremde Menschen, die sich der jungen Familie aufdrängen. Was wollen die hier? Ein Engel hätte sie geschickt und ein Stern geleitet. Ist das nicht wieder so ein Enkeltrick, nur um zu schauen, ob bei der jungen Familie etwas zu holen ist? Kaum vorstellbar, dass dies eine heilige und freudvolle Situation gewesen ist.

Nein, an „Oh du fröhliche“ ist hier nicht zu denken. Geschweige denn an Gesang.

Nun schreiben wir das Jahr 2020, an dem zu Weihnachten in den Gottesdiensten nicht gesungen werden soll. Und das ist gut so. Denn vielleicht kommen wir dem so näher, was im Stall zu Bethlehem geschehen ist: Gott wurde Mensch. Das ist so irrational, so unvorstellbar. Das ist eine unfassbare Liebe Gottes zu uns Menschen, dass es uns gerne die Sprache verschlagen kann – und auch den Gesang. Es ist eine von Gott geschenkte Möglichkeit, in diesen Zeiten noch stiller zu werden und zu erkennen, dass Gott bei uns ist. Trotzdem.

(Ein Impuls von Thomas Wojciechowski, Leiter Globale Gemeinde)

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Christus, dein Licht - Geistlicher Impuls für den 1. Dezember 2020

Letzten Sonntag, dem ersten Advent, habe ich wie so oft MDR Kultur gehört. Für Kultur- und Geschichtsinteressierte gibt es dort immer ein Sonntagsrätsel. Dieses Mal ging es unter anderem um die Tradition des Schwibbogens im Erzgebirge:

https://www.mdr.de/kultur/radio/sonntagsraten-1488_zc-24794164_zs-d7072988.html

Die Sehnsucht der Bergleute nach Licht, die wir in dieser Jahreszeit nachempfinden können, weil auch wir manchmal im Dunkeln zur Arbeit gehen und erst im Dunkeln wieder zurückkommen, war bei den Bergleuten besonders ausgeprägt, denn sie verbrachten ja, anders als wir, auch den gesamten Tag „Unter Tage“.

Besonders anrührend fand ich, dass jedes Licht ursprünglich eine aus dem Berg zurückgebrachte Grubenlaterne darstellte. Ein vollständiger Lichtbogen am Haus bedeutete, dass alle Arbeiter dieses Hauses wohlbehalten aus der Grube zurückgekommen sind. (Quelle Wikipedia, Stichwort Advent)

Das Leben war fragil, sehr viel fragiler als noch vor kurzer Zeit. Heute können wir vielleicht eher nachempfinden wie die Menschen um ihre Angehörigen bangten … Und vielleicht können wir auch den Trost des Lichtes in diesem Jahr anders empfinden als noch letztes Weihnachten.  

Bereits im März 2020, in der Zeit des ersten Lockdowns, gab es im Erzgebirge über Facebook Aufrufe, die Lichterbögen in die Fenster zu stellen. "Es ist Zeit, Zuversicht an den Nachbarn, in die Region, Deutschland und die Welt zu senden", hieß es darin.

Wenn ihr keinen Schwibbogen habt, könnt ihr euch vielleicht zur Stärkung der eigenen Zuversicht, das Taizé-Lied „Christus, dein Licht“ anhören:
https://youtu.be/AqoYsauFa2I

Ich habe eine französische Fassung ausgewählt. Der deutsche Text ist:

Christus, dein Licht verklärt unsre Schatten,
lasse nicht zu, dass das Dunkel zu uns spricht.
Christus dein Licht erstrahlt auf der Erde,
und du sagst uns: Auch ihr seid das Licht.

(Ein Impuls von Anette Makus, Leiterin Öffentlichkeitsarbeit & Fundraising des ELM)

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