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Über das Wünschen - Geistlicher Impuls für den 12. April 2021

"Herr, nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast;
denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen,
den du bereitet hast vor allen Völkern,
ein Licht, zu erleuchten die Heiden und zum Preis deines Volkes Israel."
(Lukas 2,29-32)

Simeon lebt sein Leben lang in Erwartung. Er wartet auf etwas Großes und ist davon überzeugt, dass er noch zu Lebzeiten Gottes Heiland sehen wird. Während er wartet, befindet er sich in Gesellschaft des heiligen Geistes. Und ganz am Ende seines Lebens erfüllt sich seine Erwartung tatsächlich: „meine Augen haben Deinen Heiland gesehen“ sagt Simeon zu Gott. Seine Sehnsucht ist erfüllt.

Simeon wartet hoffnungsvoll, sehnsuchtsvoll darauf, dass das Leben irgendwann ganz wird, einen Sinn und ein Ziel hat. Und er erfährt, dass er in seinem Leben nicht allein ist, er wird begleitet. Es gibt einen, der bei ihm ist und ihm Kraft gibt. Zu jeder Zeit und in jeder Verfassung.

Simeon gibt die Hoffnung nie auf. Er hat das Wünschen nicht verlernt. Er ist nicht verbittert, nicht resigniert und er versucht auch nicht aus eigener (Willens)Kraft das Leben heil zu machen.

Simeon ist ein Träumer, einer der an seine Wünsche glaubt und seiner Sehnsucht Raum gibt. Ein bisschen wie der Eiserne Heinrich im Märchen „Der Froschkönig“. Heinrich, der Diener des Prinzen, hält an seinem Glauben eisern fest, dass der Frosch zurück verwandelt wird in seinen Herrn. Er lebte, wie alle Märchenfiguren "in den alten Zeiten, wo das Wünschen noch geholfen hat“.

Ich bete,
dass wir auch heute das Wünschen nicht verlernen,
unseren Sehnsüchten nach Sinn und Liebe Raum geben
und so mutig und frei sind, alles zu erwarten.
Auch das Gute.

(Ein Impuls von Anette Makus, Leiterin der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit & Fundraising im ELM)

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Ich hab‘ geweint vor Glück - Geistlicher Impuls für den 9. April 2021

Sind Sie schon einmal so richtig überrascht worden, dass Sie dachten, es haut Sie vor lauter Glück und Freude gleich aus den Socken? Genau das ist mir passiert. Als ich am 21. März etwas gestresst auf unserer Baustelle gewerkelt habe, klingelte es an der Haustür. Als meine Tochter öffnete und mich rief, trat um die Ecke eine junge Frau, die mir in meinem Leben sehr, sehr wichtig geworden ist und die ich schon ein paar Jahre (sie lebt in Indien) nicht mehr gesehen habe. Ich konnte mein Glück nicht fassen, habe angefangen zu weinen und dachte, dass es mich gleich aus den Socken haut. Ich wurde schon einige Male in meinem Leben überrascht, doch dies ist mit Abstand die bewegendste Überraschung gewesen. Fehlte nur noch, dass gleich das Fernsehen um die Ecke kommt :o)

Wenn ich jetzt so über Überraschungen nachdenke, fällt mir meine  Lieblingsgeschichte aus der Bibel ein. Es ist die Geschichte von Josef und seinen Brüdern (1. Mose 37-49). Meine Oma hat mir diese Geschichte früher, immer wenn ich zu ihr ins Bett gekrochen bin, erzählt. Weil Josef von seinem Vater Jakob bevorzugt wird, hecken seine Brüder einen gemeinen Plan aus, um sich an Josef zu rächen. Sie werfen ihn in einen trockenen Brunnen, erzählen ihrem Vater, dass Josef nicht mehr da ist, weil ein wildes Tier ihn zerrissen hat und verkaufen ihn später an Händler, die nach Ägypten reisen. Für Josefs Vater Jakob war es eine böse Überraschung als seine Söhne ihm erzählten, dass Josef von einem wilden Tier zerrissen wurde. Jakob musste viele Jahre warten, bis auch er eine schöne Überraschung erleben durfte. Denn nachdem die Brüder Josef wieder getroffen haben und ihren Vater nach Ägypten holen, darf er seinen geliebten Sohn wieder in die Arme schließen.

So ist das im Leben, es gibt schöne und weniger schöne Überraschungen, die wir erleben. Manche bleiben in sehr guter Erinnerung und manche vergisst man besser.

Meine Überraschung bleibt mir definitiv in sehr guter Erinnerung und die Freude und das Glücksgefühl halten immer noch an. Das wünsche ich Ihnen auch, dass Sie, falls sie so ein Erlebnis noch nicht hatten, auch einmal so sehr überrascht werden, dass es Sie aus den Socken haut und Sie voller Freude das folgende Gedicht mitbeten können:

HERR, 
ich werfe meine Freude wie Vögel an den Himmel.
Die Nacht ist verflattert, und ich freue mich am Licht.
So ein Tag, Herr, so ein Tag.

Deine Sonne hat den Tau weggebrannt
vom Gras und von unseren Herzen.
Was da aus uns kommt, was da um uns ist
an diesem Morgen, das ist Dank.

Herr, ich bin fröhlich heute am Morgen.
Die Vögel und Engel singen, und ich jubiliere auch.
Das All und unsere Herzen sind offen für deine Gnade.
Ich fühle meinen Körper und danke.
Die Sonne brennt meine Haut, ich danke.
Das Meer rollt gegen den Strand, ich danke.
Die Gischt klatscht gegen unser Haus, ich danke.

Herr, ich freue mich an der Schöpfung
und dass du dahinter bist und daneben
und davor und darüber und in uns.

Ich freue mich, Herr,
ich freue mich und freue mich.
Die Psalmen singen von deiner Liebe,
die Propheten verkündigen sie.
Und wir erfahren sie:
Weihnachten, Ostern, Pfingsten und Himmelfahrt
ist jeder Tag in deiner Gnade.

Herr, ich werfe meine Freude wie Vögel an den Himmel.
Ein neuer Tag, der glitzert und knistert,
knallt und jubiliert von deiner Liebe.
Jeden Tag machst du. Halleluja, Herr!

Amen.
(Aus Westafrika)

(Ein Impuls von Kornelia Pufal, ELM-Teamassistentin der Abteilung Globale Gemeinde)

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Karsamstagsglaube - Geistlicher Impuls für den 8. April 2021

Die Krisen der Zeit, natürlich auch die Corona-Pandemie, stellen meinen Glauben immer wieder auf die Probe. Trotzdem glauben, wie geht das? Am vergangenen Osterwochenende, dem zweiten unter Pandemie-Bedingungen, wieder im kleinen Kreis, ohne große Familienfeier, schien mir die Trostlosigkeit des Karfreitags sehr viel näher als der Auferstehungsjubel des Ostersonntags. Letzteres vermochte ich kaum in Verbindung zu bringen mit dem aktuellen Dauer-Krisenmodus.

In einer online-Andacht zu Ostern bin ich auf die schöne Idee des „Karsamstagsglaube“ gestoßen: Am frühen Morgen, als es noch finster war, entdeckt Maria das leere Grab und kommt mit dieser Nachricht zu Petrus und Johannes. Die beiden laufen auch dorthin und verstehen nicht was passiert ist, aber über Johannes steht geschrieben „er ging hinein und sah und glaubte“. Noch bevor sie sich mit den anderen Jüngern austauschen und nach Erklärungen suchen, bevor sie dem Auferstandenen begegnen und den Geist Gottes empfangen, hat Johannes – allem Anschein zum Trotz – einen Glauben daran, dass das leere Grab einen Sinn ergibt und eine gute Nachricht sein könnte.

Auch bei Fulbert Steffensky bin ich über diesen Glaubensbegriff gestolpert. Er schreibt: „Es kann sein, dass der Glaube gelegentlich nur noch aus Handlungen besteht: In die Kirche gehen, aufstehen, knien, sich bekreuzigen, einen Psalmvers in der Nacht aufsagen […] Karsamstagsglaube, der Glaube schweigt, der Unglaube schweigt oder wird noch nicht gewagt. Gewagter Unglaube, gewagter Glaube“ (aus: Gewagter Glaube).

Vielleicht ist dieser Glaube zwischen Karfreitags-Zerstörung und Ostersonntags-Jubel in manchen Situationen sehr viel pragmatischer und lebensnaher. Rituale, Handlungen, Erfahrungen geben halt, auch wenn mir die Inhalte mitunter fern und unverständlich erscheinen.​

(Ein Impuls von Tobias Schäfer-Sell, ELM-Referent Advocacy International, Ökumenische Zusammenarbeit Malawi)

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Das Leben liegt vor uns - Geistlicher Impuls für den 7. April 2021

„Er hat die Sünde vieler getragen, und für die Übeltäter trat er ein.“ (Jesaja 53,12)

Die Losung für heute weist darauf hin, dass Jesus Christus am Karfreitag all das mit ans Kreuz genommen hat, für all das gestorben ist, was uns das Leben schwer macht, was uns niederdrückt, was uns über uns selbst verzweifeln lässt. Oder über das wir leichtfertig hinweg gehen, das wir überspielen, kleinreden, … weil wir es nicht schaffen, uns wirklich damit auseinanderzusetzen.

Mit Karfreitag hat wieder ein Mensch, hat ein Gott, ja, hat ein göttlicher Mensch und menschlicher Gott an mir und meinen dunklen Seiten gelitten, schwer gelitten und das sogar bis zum eigenen Tod, weil er für mich eingetreten ist. Wenn ich es schaffe, mir das vor Augen zu führen, dann weiß ich nicht, wie ich das ertragen soll. Er ist für mich eingetreten, daran zugrunde gegangen und das durch meine Schuld. Wenn ich mir das wirklich vor Augen führe, also nicht die Augen verschließe vor dem, was ich verursacht habe – und immer noch verursache – dann frage ich mich, warum er mich nicht lieber „zur Hölle geschickt“ hat, verflucht, oder sich wenigstens demonstrativ von mir abgewandt hat.

Meine, unsere schon fast reflexartige Reaktion Menschen gegenüber, die uns das Leben schwer machen – und da reichen wesentlich geringere Anlässe – wäre oft ein Schimpfen, Verfluchen, Abwenden.

Wenn ich mir Gottes, Jesu Reaktion vor Augen führe, dann ist es immer und immer wieder ein Hinwenden zu mir, zu uns, die Zuwendung zu uns, die – ja, es ist schwer zu fassen – segnende Zuwendung zu uns.

Beschämend für uns, diese Reaktion. Aber selbst das lässt er nicht zu, diese Scham. Er heilt, was krank und kaputt gegangen ist in uns. Er richtet uns auf, unsere niedergedrückte Seele. Er lässt uns wieder nach vorne schauen, in das Morgen, er gibt uns neue Perspektive, einen Neuanfang. Er sagt zu uns: „Steh auf, geh …“ in die Zukunft, … Er gibt uns seinen Segen dazu! Trotz allem – oder auch gerade deshalb!

Dann lese ich den Lehrtext zu unserer Losung: Jesus spricht: Segnet, die euch verfluchen; bittet für die, die euch beleidigen.(Lukas 6,28) Meine (nicht nur meine?) fast reflexartige Reaktion: „Das kann ich nicht! Bei dem was er / sie mir angetan hat … Nie!“ Ich erschrecke. Mir bleiben diese Gedanken und Worte nicht nur im Halse, sondern in meiner Seele stecken! Ich kann mich, wir können uns wieder aufrichten, weil Er uns segnet, wir können in ein neues Morgen gehen, weil Er sagt: Steh auf und geh …! Aber anderen will ich es nicht zugestehen, auch ein solches Morgen zu erleben? Wir tun uns schwer, anderen den Segen Gottes weiterzugeben, der uns oft genug im und am Leben erhält und Perspektive gibt? Wirklich? Ja, wirklich! – Ich erkenne: hier habe ich noch viel zu lernen, hier haben wir vermutlich alle noch viel zu lernen.
Aber solange ich lerne, lebe ich noch. Solange wir lernen, liegt noch etwas vor uns. Und darauf darf ich mich, dürfen wir uns freuen, jeden Tag!

Denn: Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden! Das Leben siegt!

AMEN

(Ein Impuls von Michael Schultheiß, ELM-Referent Globale Kulturelle Vielfalt Ökumenische Zusammenarbeit mit Südafrika, Botsuana und Eswatini (Swasiland))

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Kind der Sterne - Geistlicher Impuls für den 6. April 2021

Kurz vor Ostern lasen wir in einer Mail: "Ich wünschte, ich müsste diese Mail nie schreiben. Aber wir müssen uns von unserem Winzling wieder verabschieden". Ganz plötzlich kommt der Tod ins Leben und beendet die Freude und das Warten. 
Beim Versuch, selbst damit umzugehen, dass es ein "Sternenkind" mehr gibt, findet sich erstaunliches Schweigen. Eltern betrifft das vielleicht offenbar noch, aber doch auch die Großeltern, Onkel und Tanten.  "Sternenopa" und "Sternenoma" klingt ungewohnt und irgendwie fällt es schwer, damit umzugehen.

Und dann ist Ostern - und auch die heutige Losung und Lehrtext fallen da hinein: "Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes, der uns tröstet in aller unserer Bedrängnis."

Gott tröstet und tut dies auch durch Menschen. Sind Sie bereit dazu? Die Corona-Pandemie macht es Trauernden noch schwerer als es sonst schon ist. Gehen Sie auf Menschen zu und bieten ihnen den Trost Gottes an. Wissen Sie um Menschen, die Abschied nehmen mussten, von einem kleinen oder ungeborenen Kind - oder auch Verwandten oder guten Bekannten? Bieten Sie ein offenes Ohr und Zeit an, mit Trauer umzugehen und Trost zu finden.

Gerade in diesen Tagen werden es Ihnen viele danken - wenn Ostern nicht nur Freude, sondern auch Erinnerung an Abschied bedeutet. Hier muss sich die Botschaft der Auferstehung bewähren.
(Ein heute namenloser Impuls, der Name ist der Redaktion bekannt, fehlt hier aber zum Schutz der Betroffenen)

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„In deine Hände befehle ich meinen Geist.“ (Lukas 23,46) - Geistlicher Impuls für den 1. und 2. April 2021

Es ist die Nacht des Betens. Der Stille. Der Einsamkeit. Im Garten Gethsemane wird Jesus bewusst, dass er den nun bevorstehenden Weg alleine gehen muss. So wie ich als Mensch alleine den Kampf der Geburt durchstehen muss, so auch das Sterben. Alleine, aber nicht einsam, wenn im besten Fall Menschen beim Sterben an meiner Seite sind und mir erlauben gehen zu dürfen.

Wird es in einer solchen Situation Trost geben? Für den, der geht und für die, die bleiben müssen? Vermag es der Glaube mich und den Sterbenden in diesem Moment zu tragen?

Ich musste Abschied nehmen von meinem Ehemann. Nach Jahren des Kampfes zwischen Hoffen und Verzweiflung gab es keinen Weg mehr zurück in das Leben. Die letzten Tage waren gezeichnet vom Aushalten an seinem Sterbebett. Der Kopf ist leer. Und doch voller Gedanken. Quälende Gedanken. Die Erlösung möge bald kommen. Für ihn und für mich, der ich das Leiden eines geliebten Menschen kaum länger aushalten kann.

Jesu Wort „In deine Hände, Gott, befehle ich meinen Geist“ gehen durch meinen Kopf. Soll ich dieses Wort laut aussprechen, so dass mein Mann es hören kann und das Loslassen erleichtert wird? Als Seelsorger mag ich anderen dies empfehlen, doch wenn ich selbst in der Situation bin, dann fühlt sich die Kehle an wie zugeschnürt. Was sich so einfach von der Kanzel verkündigt, wird in der eigenen Erfahrung plötzlich zur Mutprobe, denn diese Worte sind eine Einwilligung, dass es nun kein Zurück mehr gibt.

„In deine Hände befehle ich deinen Geist.“ Erleichterung schafft sich Raum. Ich wiederhole die Worte, gemischt mit der Erlaubnis, gehen zu dürfen. Es waren letzte Stunden der Übereinstimmung. Du darfst gehen und bist dabei nicht alleine. Wenn ich deine Hand hier loslassen muss, dann wird sie Gott in seine Hände übernehmen.

Ich weiß nicht, ob das immer funktioniert und für jeden Menschen. Aber sie ist meine Erfahrung im Umgang mit dem Sterben eines geliebten Menschen. Diese Erfahrung hat mich tief geprägt und meinen Glauben an Gott in eine neue Tiefe geführt.

Gethsemane und Karfreitag sind nicht das Ende. Selbst wenn ich noch nicht den Geschmack der Auferstehung gekostet habe, so weiß ich durch diese urmenschliche Erfahrung, die Gott selbst durchschritten hat, was Trost ist. Allein bereits diese Erfahrung ließ mich aufstehen, wenn auch nicht sofort, und weitergehen.

(Ein Impuls von Thomas Wojciechowski, Leiter der Abteiklung Globale Gemeinde im ELM)

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