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Wem gilt Gottes Trost? - Geistlicher Impuls für den 30. April 2021

An vielen Stellen in der Heiligen Schrift ist die Rede davon, dass Gott all denen Trost spendet, die an Jesus Christus glauben. In diesem Jahr, in dem viele von uns ein anderes Maß an Isolation erfahren haben als je zuvor und sich vielleicht verlassen fühlen, könnte nichts wichtiger sein als die Hoffnung, die Gottes ständige Gegenwart bringt.

Heute aber wollen wir in dieser Andacht bedenken, dass Gottes Liebe nicht auf uns, sondern auf andere Menschen gerichtet ist. Zum Beispiel sprechen mehrere biblische Stellen, von der Treue Gottes zum jüdischen Volk. Vielleicht können wir heute einen Gang zurückschalten und nicht vorschnell das Wort des Trostes auf uns selbst beziehen, sondern bedenken, dass sich nicht die ganze Welt um uns dreht. Wir sind aufgefordert darüber nachzudenken, ob wir das Privileg aufgeben, alle Verheißungen der Schrift für uns zu beanspruchen. Das könnte uns in der Tat ziemlich unangenehm sein, vor allem, wenn wir zum Beispiel daran denken, wie wir Christen das auserwählte Volk durch die Jahrhunderte hindurch behandelt haben.

Sowohl zur Zeit Jesajas als auch zur Zeit des Paulus wurden die Juden von den mächtigen Reichen, die sie umgaben, an den Rand gedrängt. Auch heute könnten wir daran denken, wie Gott versprochen hat, besonders bei denen zu sein, die in großer Not sind, bei denen, die von den Orten der Macht, den Quellen des Reichtums und dem Zugang zu persönlicher Freiheit ausgeschlossen waren.

Wie wäre es, wenn wir gerade heute nicht daran denken würden, wie Gottes Treue ein Trost für uns ist, sondern für unsere Nächsten, die Außenseiter sind? An diejenigen, deren Glaube und Kultur sich deutlich von unserer eigenen unterscheiden mag? Haben wir irgendeinen Beweis dafür, dass sie jemals von Gott, ihrem Schöpfer, verlassen wurden, und wenn nicht, welches Recht haben wir, sie als von Gott verlassen zu behandeln?

Betrachten wir also unsere Nachbarn heute, besonders die Ausgegrenzten, als Objekte der verheißenen Gegenwart Gottes. Und lasst uns danach trachten, ihnen nahe zu sein und durch sie eine neue Seite der tröstenden Liebe Gottes zu erfahren.
(Ein Impuls von Pastor Bradn Buerkle, Leiter eines Fortbildungsprojektes für Gemeindeleitende der russischen Föderation und Mitarbeiter des ELM)

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Ringen mit Gott - Geistlicher Impuls für den 29. April 2021

„Mose wollte den Herrn, seinen Gott, besänftigen und sprach: Ach, Herr, kehre dich ab von deinem glühenden Zorn und lass dich des Unheils gereuen, das du über dein Volk bringen willst.“ (2. Mose 32,11.12)

Der Mensch gerät ins Wanken: gerade noch ist sein ganzes Leben auf Gott ausgerichtet. Alles läuft glatt. Gott ist auf meiner Seite. Doch dann gibt es den Augenblick, an dem Gott scheinbar nicht da ist – jedenfalls nicht so, wie ich es mir vorstelle. Und schon neige ich dazu, mein Glück woanders zu suchen. So wie Israel nach der Befreiung aus der Gefangenschaft das goldene Kalb anbetet.

Gott gerät ins Wanken: gerade noch schüttet er sein Liebe über mich aus und lässt mich glücklich sein, im nächsten Moment bereut er diese Liebe und möchte mich am liebsten vernichten. Mehr Dankbarkeit hat er von Israel erwartet. Und das Aushalten, wenn er einen Augenblick mal nicht so zur Verfügung steht, wie sie es anfangs erfahren haben.

So ist das Verhältnis zwischen Gott und Mensch seit Jahrtausenden: es ist geprägt von einem Auf und Ab. Heute voller Begeisterung, morgen schon tiefe Verzweiflung. So stellt sich die Natur des Menschen dar. Und auch Gott scheint hin und her gerissen zu sein: heute noch verspricht er den Liebesbund zwischen ihm und den Menschen nie aufzugeben und stellt dafür als Zeichen den Regenbogen in den Himmel. Und morgen bereits droht er mit seinem glühenden Zorn.

Wer wird diesen Kampf gewinnen? Es scheint der Mensch zu sein.

Er erinnert Gott an seine Liebesgeschichte mit dem Menschen. Er hält ihm vor Augen, dass nicht alles falsch gewesen sein kann an den Versprechen, mit denen er die Menschen in die Freiheit geführt hat. Er erinnert ihn daran, dass der Kern seines Herzens Liebe und Vergebung ist. Er weist ihn darauf hin, dass er ein Gott der Zukunft und der Hoffnung ist. (Jeremia 29,11)

Diese Erinnerung sind nicht einfach Worte. Sie sind ein Ringen mit Gott. Nicht einfach nur die liturgische Fürbitte. Sondern sie sind ein fast penetrantes Vorhalten dessen, was Gott versprochen hat. Und ein Einklagen, nicht auf die Zerrissenheit und Untreue des Menschen zu schauen, sondern auf seine Treue allein.

So hat Mose Gott zur Umkehr und Abkehr von seinem Zorn bewegt. So wurde Zukunft und Hoffnung zur Realität. Bis heute.
(Ein Impuls von Thomas Wojciechowski, Leiter der Abteilung Globale Gemeinde im ELM)

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Mit Gottes Hilfe - Geistlicher Impuls für den 28. April 2021

"Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, wird eure Herzen und Sinne in Christus Jesus bewahren." (Phil 4,7)

„An den Scheidewegen des Lebens stehen keine Wegweiser“, hat Charly Chaplin gesagt. Ich muss manchmal an diesen Satz denken, wenn es um wichtige Entscheidungen geht. Das Sprichwort sagt ja: Hinterher ist man schlauer! – Stimmt. Und wahrscheinlich gilt das für alle Menschen und alle Situationen, egal wo wir leben und was wir glauben.

Wie kann ich dann aber dennoch verantwortungsvoll Entscheidungen treffen und mich nicht nur treiben lassen?

Vielleicht helfen folgende Schritte:

  1. Ich mache mich so sachkundig wie nur möglich zu der Frage, die entschieden werden muss.
  2. Ich frage vertrauenswürdige Menschen um ihre Meinung.
  3. Ich nehme mir Zeit zum Nachdenken und zum Gebet.

Ich treffe eine Entscheidung in dem Vertrauen, dass Gott bei mir ist, egal, was passiert.
Warum helfen mir diese Schritte? Sie rechnen damit, dass andere Menschen und ich Verstand und Wissen haben, der genutzt werden will und kann. Sie rechnen aber auch damit, dass es eine Instanz gibt, die höher ist als alle Vernunft – Gott mit seinem Frieden.

Unter diesen beiden Bedingungen werden nicht alle Entscheidungen automatisch richtig. Aber sie sind zu verantworten. Mit Gottes Hilfe. Dieser kleine Zusatzsatz macht einen großen Unterschied.

Die Hilfe Gottes rückt nicht automatisch alles gerade. Sie verhindert leider nicht, dass ich falsche Entscheidungen treffe. Aber sie gibt Kraft, Verantwortung zu übernehmen, mich auch zu entschuldigen, wenn es nötig ist und ich mich möglicherweise von allen Geistern, aber nicht von Gott verlassen fühle.

Mit Gottes Hilfe findet das ELM einen Weg, auch in Zukunft für interkulturelle Theologie Lebensraum und Lernfeld zu sein. Dazu brauchen wir unseren Verstand, das Gespräch und den Austausch mit den internationalen Partnern und die Ohren offen für Gottes Geist.

Gebet:

Herr,
hilf mir meinen Verstand zu gebrauchen,
mit aller Kraft die richtigen Wege zu suchen und zu finden.
Schenke mir die richtigen Menschen für das Gespräch
und Deinen Heiligen Geist,
damit ich ahnen kann, was Du mit mir, mit uns vorhast.

Ich danke Dir für alle Geschwister in der Welt,
mit denen ich meine Fragen besprechen kann.
Im Vertrauen auf Deine Gegenwart.

Amen
(Ein Impuls von Michael Thiel, Direktor des ELM)

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Reden ist "in" - Geistlicher Impuls für den 27. April 2021

Heute lese ich eine Mail von meiner Kollegin, kurz bevor ich mich endlich an ein ToDo ransetzte, was dringend bearbeitet werden will aber schon länger auf die Bearbeitung warten muss.

In besagter Mail steht die Bitte, die noch freien Terminlücken für die tägliche Andacht zu füllen. Ich fühle mich aufgefordert, mal wieder eine Andacht zu schreiben und die Gelegenheit trifft sich gut, das zu bearbeitende ToDo noch länger aufzuschieben.

Ich nutze einen Moment um in mich zu gehen und frage mich, über was ich wohl schreiben könnte. Ich würde ja gerne die Andacht schreiben…(und das ToDo verschieben), aber es kommt mir nichts in den Sinn. Also mache ich das hier, was ich öfter mache wenn mir nichts in den Sinn kommt: Ich schreibe einfach drauf los!

„Stopp!“ sagt Phil Bosmans und gibt mir einen weisen Rat, für jetzt aber auch für andere Zeiten:

Reden ist „in“
Heute wird so viel geredet wie noch nie.
Über die Köpfe der Menschen hinweg
Rollt eine Lawine leerer Worte wie noch nie.
Jeder will reden.
Jeder will das Wort.
Jeder will Mitspracherecht.

Aber wenige haben etwas zu sagen.
Weil wenige die Stille
Und die Spannung des Denkens
Aushalten können.

Herr, hilf mir,
meinen großen Mund zu halten,
bis ich weiß, was ich sagen will.

Amen            
(Phil Bosmans)

Reden und Schreiben werte ich in diesem Punkt ähnlich und nehme mir seinen Rat und sein Gebet gleich jetzt zu Herzen. Ich werde jetzt nicht weiter „tippend denken“ sondern nehme ein Geschenk von Gott an, was ich häufig vergesse auszupacken. Ich möchte es heute mit euch teilen:

Im Päckchen sind 10 Minuten Stille

Lasst uns dieses Geschenk genießen und in diesen 10 Minuten die Gedanken kommen und gehen lassen ... und Gott für dieses wunderbare Geschenk danken.
(Ein Impuls von Regina Temmler, Koordinatorin Internationale Freiwilligendienste im ELM)

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Lass es mich nicht mit der Angst kriegen - Geistlicher Impuls für den 23. April 2021

„Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn, er wird's wohl machen.“ (Psalm 37,5).

„Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich. Man denkt, die ist so schrecklich lang; das kann man niemals schaffen, denkt man. Und dann fängt man an, sich zu eilen. Und man eilt sich immer mehr. Jedesmal, wenn man aufblickt, sieht man, dass es gar nicht weniger wird, was noch vor einem liegt. Und man strengt sich noch mehr an, man kriegt es mit der Angst, und zum Schluss ist man ganz aus der Puste und kann nicht mehr. Und die Straße liegt immer noch vor einem.“
(aus dem Buch Momo von Michael Ende)

Gütiger Gott,
ich bitte dich um Kraft.
Kraft für diesen Tag,
für die Strecke die vor mir liegt,
für das was kommen mag.
Ich bitte dich um Ruhe und Ausdauer.
Schenke mir Momente des Durchatmens,
an diesem Tag und in dieser Zeit;
einer Zeit gehetzt und getrieben,
einer Zeit freudlos und ermüdend,
einer Zeit, die kein Ende zu nehmen scheint.
Lass es mich nicht mit der Angst kriegen,
sondern lass mich Geborgenheit finden bei dir.
Ich bitte dich um deine Unterstützung,
um dort anzukommen,
wohin du mich führst;
am heutigen Tag und in Zukunft.

Amen.

(Ein Impuls von Indra Grasekamp, Referentin Weltweite Spiritualität im ELM)

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Trotz allem - Geistlicher Impuls für den 22. April 2021

„Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet.“ (Röm 12,12)

Hoffnung und Geduld – zwei Begriffe, die in der jetzigen Zeit einen besonderen Stellenwert einnehmen. In guten Zeiten voller Hoffnung zu sein, das ist kein Kunststück. Das ist nichts Besonderes. Wer glücklich ist, weil es ihm finanziell gut geht, sich keine Sorgen wegen einer Arbeitsstelle machen muss, das Familienleben blendend läuft und der Freundeskreis intakt ist, bei dem ist sozusagen „alles im grünen Bereich“.

Zurzeit erleben wir eine Phase, in der die Bibelstelle „geduldig in Trübsal“ unseren Alltag bestimmt. Wir müssen lernen, mit Mangel umzugehen, auf vieles zu verzichten. Und das trifft uns alle, manchen auch besonders hart. Da ist unsere Hoffnung, dass doch irgendwann der vor der Pandemie gewohnte Alltag in unser Leben zurückkehrt. Und nach über einem Jahr erfordert das unendlich viel Geduld von uns ab.

Aber vielleicht entdecken wir darin auch eine Chance: Wenn wir trotz allen Nöten, Ängsten und Mangelsituationen an unserer Hoffnung festhalten können. Dabei helfen vielleicht kleine Hoffnungszeichen, die wir zum Beispiel in der Natur entdecken können, wenn sich die Sonne zwischen grauen Wolken plötzlich zeigt, die Laubbäume auch trotz Pandemie ganz selbstverständlich wieder grün werden. Und wir merken: Die Welt kann schön sein und das Leben auch, allen Widrigkeiten zum Trotz. Hoffnungszeichen sind es, die dafür sorgen, dass es in uns wieder heller wird und das Leuchten in uns wieder zurückkehrt.

Und diese Hoffnung lässt sich durch unser Gebet noch bestärken. Wir können Gott  viel mehr zutrauen als wir für möglich halten.

Mich begleitet dieser Bibelvers aus Römer 12,12 seit meiner Konfirmation. Für mich ist Hoffnung zum einen etwas Lebensnotwendiges und birgt auch eine gewisse Freude in sich. Gott ist für mich auch ein Gott der Hoffnung und damit auch ein Grund, mich auch in der Trübsal über diese Hoffnung zu freuen.

(Ein Impuls von Sigrid Pfeil, Teamassistentin der Abteilung Globale Gemeinde im ELM)

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Friedensgeschichten - Geistlicher Impuls für den 21. April 2021

"Lass ab vom Bösen und tue Gutes;
suche Frieden und jage ihm nach!"

(Psalm 34,15)

Corona-Lage in Deutschland weiter kritisch. Klimakrise - Ist die Erderwärmung noch zu stoppen? Mindestens 41 Tote nach Untergang von Flüchtlingsboot ... Schlechte Nachrichten prasseln auf mich ein. Täglich neu. Sie scheinen kein Ende nehmen zu wollen.

Sie bereiten mir Sorgen. Sie lassen mich unruhig werden. Sie verändern mich. Wo ist plötzlich meine ungebrochene Hoffnung, meine Motivation, mein Wunsch diese Welt ein kleines bisschen besser zu machen? Wo ist mein Wille, die Dinge aus einem halb vollen Glas zu betrachten und mich voller Energie ins Leben zu stürzen? 

Und genau in diesem Zustand erreichen sie mich. Friedensgeschichten aus aller Welt. Im Rahmen der Initiative Friedensort2go habe ich Menschen aus den unterschiedlichsten Orten und Kontexten um eine persönliche Friedensgeschichte gebeten. In welcher Situation haben sie ganz konkret einen Beitrag zum Frieden geleistet? Da berichtet ein junger Mann aus Südafrika, wie er sich in einem Kinderheim ehrenamtlich für vernachlässigte Kinder und Jugendliche einsetzt. Ein Lehrer aus Äthiopien erzählt, wie er in seiner freien Zeit Kinder in den ländlichen Gebieten ohne Zugang zu Bildung unterrichtet oder ein Student, wie er an religiösen Festtagen die Gäste aus den ärmeren Regionen nach langen Wanderungen die Füße wäscht und sie mit Essen versorgt. Und eine junge Frau aus Deutschland erzählt, wie sie sich als Musikerin trotz der Coronabeschränkungen in einem Theaterstück für demokratischen Frieden einsetzt.

Geschichten, die teilweise unter schwierigsten Bedingungen geschrieben wurden und umso mehr Mut machen. Mut sich für mehr Frieden in dieser Welt einzusetzen. Fangen wir am besten gleich damit an!     

(Ein Impuls von Insa Brudy, ELM-Referentin Jugendarbeit & Globales Lernen)

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Neuausrichtung - Geistlicher Impuls für den 20. April 2021

Gestern und heute wurden wir Zeugen von zwei fast parallel ablaufenden Entscheidungssituationen. In beiden Fällen ging es um Macht, konkret um die Möglichkeit, Deutschland als Kanzler*in regieren zu dürfen. Beide Vorgänge waren medial begleitet, so dass wir, bequem im Sessel sitzend, diese Schauspiele verfolgen konnten.

Von vornherein war klar, es wird Gewinner und Verlierer geben. Und das, obwohl jeweils beide Kandidat*innen davon ausgegangen sind, gute Argumente auf ihrer Seite zu haben und zumindest die Chance, zu gewinnen.

Man mag sich mit den Gewinner*innen freuen. Aber was wird aus den Verlierern? Was für eine Enttäuschung! Alle Pläne zunichte - das mühevoll Aufgebaute wird zertreten. War alles umsonst?

Die Losungstexte von heute beschreiben zwei Situationen, in denen Menschen sich neu ausrichten müssen. Die Kolosser hatten sich, so sagen es Bibelexegeten, in ihrem Glauben von der Botschaft Jesus entfernt und hingen einem obskuren Engelsglauben an. Und Paulus ruft sie im Kolosserbrief dazu auf, sich wieder neu auszurichten auf Jesus.    

Und auch Noah muss sich nach der Sintflut neu ausrichten, der Schreck über die Sintflut sitzt ihm vermutlich noch in den Gliedern.

In beiden Situationen rät die Bibel „nicht von der Hoffnung zu weichen“ und „fest im Glauben zu bleiben“.

Damals wie heute hilft oft nur das geduldige Ertragen des Misserfolgs, den Schmerz über vergeblichen Einsatz auszuhalten und das Suchen nach neuen Wegen. Dabei kann das Vertrauen darauf, dass Gott diesen Weg begleiten wird, helfen. Möglicherweise wird nach dem Schmerz die Krise sogar als Chance zum Aufbruch gesehen - retrospektiv ist das jedenfalls häufig der Fall. Entscheidend dafür, auch der Situation des Scheiterns etwas Gutes abgewinnen zu können bleibt, durchlässig zu bleiben für die Hoffnung auch in Lebens-Wendungen, die wir uns so nicht gewünscht haben.

Ich leihe mir die Worte von Wolf Biermann, um für Menschen zu beten, die etwas verloren haben, was ihnen wichtig war:

Herr, lass uns nicht verhärten in dieser harten Zeit
Lass uns nicht erschrecken in dieser Schreckenszeit
Lass uns nicht verbrauchen, sondern gebrauchen wir unsere Zeit

Das Grün bricht aus den Zweigen.

(Ein Impuls von Anette Makus, Leiterin der Abeilung Öffentlichkeitsarbeit & Fundraising im ELM)

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Befreiung - Geistlicher Impuls für den 19. April 2020

Vor ungefähr 15 Jahren tanzte mein damals 3-jähriger Sohn an einem heißen Sommertag im Nord-Zululand nur mit einer Windel bekleidet hingebungsvoll zu einem alten südafrikanischen Klassiker, der übers Radio seinen Weg in unsere Küche gefunden hatte. Er kannte ihn schon von unserem CD-Spieler und konnte so voller Inbrunst auf isiZulu mitsingen:

Uyishayelani lengan’ isemcan’ we ‘mfaz’ omdala?
(Warum schlägst Du das Kind, das noch klein ist, alte Frau?)
Ngizokhulula, ngizokhulula wena.
(Ich werde dich befreien/ an die Luft setzen) hier der YouTube-link

Das Lied beschreibt, wie viele Lieder der Gruppe Juluka (dem Duo von Johnny Clegg und Sipho Mchunu), das Leben der Menschen - insbesondere der amaZulu - in Zeiten des Wandels - mitten in der Apartheidszeit (1982 erschienen). Wie viele Texte von Juluka ist auch dieser doppeldeutig - ... und so ist es nicht nur als Drohung meines 3-Jährigen an mich zu verstehen, dass ich ihn nicht schlagen solle, da er mich sonst später einmal an die Luft setzen würde, sondern beschreibt eben auch die feste Überzeugung der damals unterdrückten Mehrheit der Südafrikaner, dass die Zeiten sich ändern würden, die Schläge aufhören würden und sie eine Position der Macht in ihrem eigenen Land einnehmen würden. Alte Machthaber würden an die Luft gesetzt - ... oder eben auch „befreit“. Der Begriff „khulula“ heisst eigentlich „befreien, frei setzen, erlösen, emanzipieren“ - ob einen Menschen, einen Knoten (lösen) oder Ochsen (aus ihrem Gespann befreien).

Wir alle würden uns sicherlich derzeit freuen, den Pandemieknoten lösen zu können, das „Gespann“ von Isolation und Distanzierung abzulegen - kurzum: befreit zu werden! In Deutschland steckt man mitten in der Dritten Welle - hier in Südafrika droht sie am Horizont. In diesen Wochen nach Ostern, wird diesem Sehnen nach Freiheit ein definitiver Zuspruch an die Seite gestellt. Jesu ruft mir zu: „Ngizokhulula! Ich werde Dich befreien!“ Das mag im Hinblick auf Corona - die ungerechte Güterverteilung der Welt spiegelnd - in Deutschland schneller geschehen als in Südafrika (14 Millionen Erstimpfungen versus 300.000!) - die Befreiung vom Virus ... aber es geht bei Jesu Zuspruch zu den verängstigten Jüngern in einer Kammer in Jerusalem eben auch um andere Ebenen:

  • Ich befreie Dich, wenn Du Dich durch deinen achtlosen Umgang mit Arbeitskolleginnen verstrickst und isolierst
  • Ich befreie Euch, wenn Ihr mit Eurem Egoismus erblindet für die Nöte anderer
  • Ich befreie Dich, wenn Du Dich durch Dein ständiges Sicherheitsstreben der Liebe selbst beraubst
  • Ich befreie Dich, wenn Deine Besserwisserei Dir die Ohren verstopft und die Neugierde nimmt

In Julukas Lied war die schlagende alte Frau, der angesagt wurde, das sie an die Luft gesetzt würde (und dadurch sowohl sie als auch das Kind aus einer Gewaltsituation befreit werden würden), vielleicht das Apartheidsregime mit seiner Brutalität, dem ein klares Ende vor Augen zugesungen wurde. In Deinem Leben ist es etwas anderes, von dem Du befreit werden musst und dessen Ende angesagt wird. Die Zuversicht dazu wird uns auch im Lehrtext von heute zugesprochen:

"In dem allen überwinden wir weit durch den, der uns geliebt hat."  (Römer, 8,37)

(Ein Impuls von Joe Lüdemann, Regionalrepräsentant des ELM im Südlichen Afrika) 

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Nicht müde werden … - Geistlicher Impuls für den 16. April 2021

Ich bin ein Mensch mit viel positiver Energie. Kreative Ideen für neue Vorhaben fallen mir leicht. Pläne für die Zukunft habe ich genug.

Und doch merke ich auch, dass ich müde werde. Das Morden in Myanmar macht mich müde. Wann werden Konflikte endlich friedlich gelöst? Die Corona Pandemie scheinen wir nicht in den Griff zu bekommen. Der ständige Lock-down macht mich müde. Gewalttaten gegen Homosexuelle und transgender Menschen nehmen jährlich um ca. 40% zu. In unserem so scheinbar liberalen und aufgeklärten Land.

Die Reihe kann ich fortsetzen. Ich bin darüber wütend. Meine Wut raubt mir meine Energie. Macht mich müde. Ein Zustand, den ich nicht will.

In solchen Situationen gehe ich in die Stille. Ja, auch um zu beten. Aber häufig um ein Gedicht von Hilde Domin in meinen müden Gedanken aufleben zu lassen:

NICHT MÜDE WERDEN

Nicht müde werden
sondern dem Wunder
leise
wie einem Vogel
die Hand hinhalten.

Vielleicht haben Sie das ja auch schon erlebt: der Vogel gewinnt Vertrauen, setzt sich auf die Hand und pickt die Brotkrumen. Leise sein, den Körper stillhalten. Das ist dabei unabdingbar. Und dann kommt der Vogel. Nicht immer, aber es geschieht. In solch seltenen Augenblicken merke ich, dass plötzlich Freude in mir aufsteigt. Und eine Energie verschafft sich in mir Raum, für die ich nicht viel getan habe. Eigentlich gar nichts. Ich war nur still und bewegungslos.

Es sind die Augenblicke, die ich ganz persönlich als ein Gleichnis für Gott deute: er/sie wird sich zu mir niederlassen und mich mit Energie füllen. Ohne mein Zutun. Nur durch meine innere Haltung und Bereitschaft. Und dann kann ich weitergehen und meinen Beitrag gegen die Ereignisse leisten, die mich müde machen.

(Ein Impuls von Thomas Wojciechowski, Leiter der Abteilung Globale Gemeinde im ELM)

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Freude wird sein! - Geistlicher Impuls für den 15. April 2021

"Herr, lass mich ein offenes Ohr bei dir finden, höre doch, wie ich seufze! 3 Meine Hilfeschreie sollen zu dir durchdringen, mein König und mein Gott, denn allein zu dir bete ich! 4 Herr, in aller Frühe bringe ich mein Gebet wie ein Opfer vor dich und warte sehnsüchtig auf deine Antwort.

9 Herr, erweise mir deine Treue und leite mich auf dem richtigen Weg, tu es meinen Feinden zum Trotz! Bahne mir den Weg, den du mich führen willst!

12 Doch Freude wird bei all denen herrschen, die bei dir Hilfe suchen. Ihr Jubel wird ohne Ende sein, denn du stellst sie unter deinen Schutz. So werden alle jubeln über dich, die deinen Namen lieben. 13 Denn du, Herr, segnest alle Menschen, die dir treu sind, deine Gnade umgibt sie und schützt sie wie ein Schild."

Ein Psalm, der uns Einblick gibt in die schwierige Lebenssituation eines Menschen. Das könnten auch heute Menschen auf dem Hintergrund ihrer Lebenserfahrung beten.

Mir fällt auf, dass die Klage und das Unverständnis am Ende eingebettet ist, in tiefes Gottvertrauen. In meinem Leben habe ich immer wieder Menschen gefunden, die mit eigenen Worten beschrieben haben, was sich hier im Psalm spiegelt.

Auch Hanns -Dieter Hüsch drückt das in einem Text aus, der mich begleitet und ermutigt:

Ich bin vergnügt
erlöst
befreit
Gott nahm in seine Hände meine Zeit.
Mein Fühlen Denken
Hören Sagen
Mein Triumphieren
Und Verzagen
Das Elend
Und die Zärtlichkeit

Was macht, dass ich so fröhlich bin
In meinem kleinen Reich
Ich sing und tanze her und hin
Vom Kindbett bis zur Leich

Was macht, dass ich so furchtlos bin
An vielen dunklen Tagen
Es kommt ein Geist in meinen Sinn
Will mich durchs Leben tragen

Was macht, dass ich so unbeschwert
Und mich kein Trübsinn hält
Weil mich mein Gott das Lachen lehrt
Wohl über alle Welt

In diesem Sinn möchte ich heute mit Ihnen lachen, geborgen bei Gott, der uns das Leben lehrt.

(Ein Impuls von Michael Thiel, Direktor des ELM)

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Wüstenwanderung - Geistlicher Impuls für den 14. April 2021

"Der Herr hatte sie fröhlich gemacht." (Esra 6,22)

Wir befinden uns im Nahen Osten des 6. Jahrhunderts vor Christi Geburt. Große Reiche liegen miteinander im Kampf, wechseln einander ab, und die kleinen haben darunter zu leiden, auch Israel. Unsere Szene spielt so um das Jahr 516 v. Chr. Was ist passiert? Juden leben an verschiedenen Stellen im Bereich des Persischen Reiches (vormals Babylon und Assyrien – wirklich spannend), auch in ihrem angestammten Gebiet im jetzigen Israel, aber vor allem auch in den ursprünglich babylonisch-assyrisch-persischen Reichsteilen. Nachdem Kyrus den Befehl gegeben hatte, den 586 v. Chr. zerstörten Tempel in Jerusalem wieder aufzubauen, konnte dieses Vorhaben 516 vollendet werden – mit finanzieller und politischer Unterstützung Königs Darius, eines Nachfolgers des Kyrus. So wurden alle aus dem Tempel geraubten Geräte, die noch aufzufinden waren, zurückgegeben. Und es kam zur ersten Passahfeier in Jerusalem seit langer Zeit.

Die Losung spricht also von einer Situation der Befreiung. Nach 70 Jahren ohne Tempel, 70 Jahren ohne Passah im Tempel. Im Grunde wirkte diese Zeit ohne Tempel wie eine erneute Wüstenwanderung für das Volk Israel und die Einweihung des Tempels wie der Einzug nach Kanaan. Diese Freude kann man verstehen, ja mit Händen greifen.

Ich habe den Eindruck, dass die ganze Menschheit sich im Moment auf einer Wüstenwanderung befindet – und wir mittendrin. Diesmal heißt das Exil: Corona. Halte dich von deinem Nächsten fern. Tue dies nicht und lasse das. Verhülle dein Gesicht, wenn du auf andere triffst und, und, und … . Vielleicht ist es etwas steil, beides zu vergleichen, aber der Aspekt der Unfreiheit liegt all diesen Situationen zugrunde. Andererseits aber auch der Gedanke, dass Gott hilft. Die Hoffnung, dass irgendwann alles wieder gut wird.

Ich glaube, dass wir uns den Text beim nächsten Osterfest ganz und gar zu Eigen machen können, wenn wir wieder laut singen dürfen: „Christ ist erstanden von der Marter alle“. - Der Herr hatte sie fröhlich gemacht.

(Ein Impuls von Detlef Kohrs, Geschäftsführer des ELM)

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„Bringt also Früchte, die der Umkehr entsprechen!“ (Lukas 3,8) - Geistlicher Impuls für den 13. April 2021

Umkehren sollen wir.
Das Leben wenden.
Nicht dem vorausgezeichneten Weg folgen.
Umdrehen.
Uns ändern.
Alles
in uns
mit uns
ändern.

Hören
auf
Jesu Appell
Barmherzigkeit zu üben.
Hören
die Stimmen
der Gemarterten
der Vergewaltigten
der Massakrierten
die schreien
stumm geworden
lautlos
Helft mir!
Sei barmherzig!

Lieben
die Nächste, deinen Nächsten.
Wer ist dein Nächstes?
Das ist der Zusammengeprügelte,
dem der Samariter geholfen hat.
Das ist der barmherzige Samariter,
der fremd war und nicht dazugehörte.
Das ist die Witwe, die den Tod ihres Sohns beweint.
Das ist die Mutter, die nach Brotkrümeln für ihr Kind fragt.
Das bin ich
Das bist du.

Barmherzig sein
mit mir selbst
mit meiner Nächsten, meinem Nächsten,
das ist Umkehr.
Das bringt Frucht.
Das ändert alles
in mir
in uns
für uns.

(Ein Impuls von Gabriele de Bona, ELM-Referentin Gender International, Ökumenische Zusammenarbeit Äthiopien; Bild von falco auf pixabay) 

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Über das Wünschen - Geistlicher Impuls für den 12. April 2021

"Herr, nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast;
denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen,
den du bereitet hast vor allen Völkern,
ein Licht, zu erleuchten die Heiden und zum Preis deines Volkes Israel."
(Lukas 2,29-32)

Simeon lebt sein Leben lang in Erwartung. Er wartet auf etwas Großes und ist davon überzeugt, dass er noch zu Lebzeiten Gottes Heiland sehen wird. Während er wartet, befindet er sich in Gesellschaft des heiligen Geistes. Und ganz am Ende seines Lebens erfüllt sich seine Erwartung tatsächlich: „meine Augen haben Deinen Heiland gesehen“ sagt Simeon zu Gott. Seine Sehnsucht ist erfüllt.

Simeon wartet hoffnungsvoll, sehnsuchtsvoll darauf, dass das Leben irgendwann ganz wird, einen Sinn und ein Ziel hat. Und er erfährt, dass er in seinem Leben nicht allein ist, er wird begleitet. Es gibt einen, der bei ihm ist und ihm Kraft gibt. Zu jeder Zeit und in jeder Verfassung.

Simeon gibt die Hoffnung nie auf. Er hat das Wünschen nicht verlernt. Er ist nicht verbittert, nicht resigniert und er versucht auch nicht aus eigener (Willens)Kraft das Leben heil zu machen.

Simeon ist ein Träumer, einer der an seine Wünsche glaubt und seiner Sehnsucht Raum gibt. Ein bisschen wie der Eiserne Heinrich im Märchen „Der Froschkönig“. Heinrich, der Diener des Prinzen, hält an seinem Glauben eisern fest, dass der Frosch zurück verwandelt wird in seinen Herrn. Er lebte, wie alle Märchenfiguren "in den alten Zeiten, wo das Wünschen noch geholfen hat“.

Ich bete,
dass wir auch heute das Wünschen nicht verlernen,
unseren Sehnsüchten nach Sinn und Liebe Raum geben
und so mutig und frei sind, alles zu erwarten.
Auch das Gute.

(Ein Impuls von Anette Makus, Leiterin der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit & Fundraising im ELM)

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Ich hab‘ geweint vor Glück - Geistlicher Impuls für den 9. April 2021

Sind Sie schon einmal so richtig überrascht worden, dass Sie dachten, es haut Sie vor lauter Glück und Freude gleich aus den Socken? Genau das ist mir passiert. Als ich am 21. März etwas gestresst auf unserer Baustelle gewerkelt habe, klingelte es an der Haustür. Als meine Tochter öffnete und mich rief, trat um die Ecke eine junge Frau, die mir in meinem Leben sehr, sehr wichtig geworden ist und die ich schon ein paar Jahre (sie lebt in Indien) nicht mehr gesehen habe. Ich konnte mein Glück nicht fassen, habe angefangen zu weinen und dachte, dass es mich gleich aus den Socken haut. Ich wurde schon einige Male in meinem Leben überrascht, doch dies ist mit Abstand die bewegendste Überraschung gewesen. Fehlte nur noch, dass gleich das Fernsehen um die Ecke kommt :o)

Wenn ich jetzt so über Überraschungen nachdenke, fällt mir meine  Lieblingsgeschichte aus der Bibel ein. Es ist die Geschichte von Josef und seinen Brüdern (1. Mose 37-49). Meine Oma hat mir diese Geschichte früher, immer wenn ich zu ihr ins Bett gekrochen bin, erzählt. Weil Josef von seinem Vater Jakob bevorzugt wird, hecken seine Brüder einen gemeinen Plan aus, um sich an Josef zu rächen. Sie werfen ihn in einen trockenen Brunnen, erzählen ihrem Vater, dass Josef nicht mehr da ist, weil ein wildes Tier ihn zerrissen hat und verkaufen ihn später an Händler, die nach Ägypten reisen. Für Josefs Vater Jakob war es eine böse Überraschung als seine Söhne ihm erzählten, dass Josef von einem wilden Tier zerrissen wurde. Jakob musste viele Jahre warten, bis auch er eine schöne Überraschung erleben durfte. Denn nachdem die Brüder Josef wieder getroffen haben und ihren Vater nach Ägypten holen, darf er seinen geliebten Sohn wieder in die Arme schließen.

So ist das im Leben, es gibt schöne und weniger schöne Überraschungen, die wir erleben. Manche bleiben in sehr guter Erinnerung und manche vergisst man besser.

Meine Überraschung bleibt mir definitiv in sehr guter Erinnerung und die Freude und das Glücksgefühl halten immer noch an. Das wünsche ich Ihnen auch, dass Sie, falls sie so ein Erlebnis noch nicht hatten, auch einmal so sehr überrascht werden, dass es Sie aus den Socken haut und Sie voller Freude das folgende Gedicht mitbeten können:

HERR, 
ich werfe meine Freude wie Vögel an den Himmel.
Die Nacht ist verflattert, und ich freue mich am Licht.
So ein Tag, Herr, so ein Tag.

Deine Sonne hat den Tau weggebrannt
vom Gras und von unseren Herzen.
Was da aus uns kommt, was da um uns ist
an diesem Morgen, das ist Dank.

Herr, ich bin fröhlich heute am Morgen.
Die Vögel und Engel singen, und ich jubiliere auch.
Das All und unsere Herzen sind offen für deine Gnade.
Ich fühle meinen Körper und danke.
Die Sonne brennt meine Haut, ich danke.
Das Meer rollt gegen den Strand, ich danke.
Die Gischt klatscht gegen unser Haus, ich danke.

Herr, ich freue mich an der Schöpfung
und dass du dahinter bist und daneben
und davor und darüber und in uns.

Ich freue mich, Herr,
ich freue mich und freue mich.
Die Psalmen singen von deiner Liebe,
die Propheten verkündigen sie.
Und wir erfahren sie:
Weihnachten, Ostern, Pfingsten und Himmelfahrt
ist jeder Tag in deiner Gnade.

Herr, ich werfe meine Freude wie Vögel an den Himmel.
Ein neuer Tag, der glitzert und knistert,
knallt und jubiliert von deiner Liebe.
Jeden Tag machst du. Halleluja, Herr!

Amen.
(Aus Westafrika)

(Ein Impuls von Kornelia Pufal, ELM-Teamassistentin der Abteilung Globale Gemeinde)

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Karsamstagsglaube - Geistlicher Impuls für den 8. April 2021

Die Krisen der Zeit, natürlich auch die Corona-Pandemie, stellen meinen Glauben immer wieder auf die Probe. Trotzdem glauben, wie geht das? Am vergangenen Osterwochenende, dem zweiten unter Pandemie-Bedingungen, wieder im kleinen Kreis, ohne große Familienfeier, schien mir die Trostlosigkeit des Karfreitags sehr viel näher als der Auferstehungsjubel des Ostersonntags. Letzteres vermochte ich kaum in Verbindung zu bringen mit dem aktuellen Dauer-Krisenmodus.

In einer online-Andacht zu Ostern bin ich auf die schöne Idee des „Karsamstagsglaube“ gestoßen: Am frühen Morgen, als es noch finster war, entdeckt Maria das leere Grab und kommt mit dieser Nachricht zu Petrus und Johannes. Die beiden laufen auch dorthin und verstehen nicht was passiert ist, aber über Johannes steht geschrieben „er ging hinein und sah und glaubte“. Noch bevor sie sich mit den anderen Jüngern austauschen und nach Erklärungen suchen, bevor sie dem Auferstandenen begegnen und den Geist Gottes empfangen, hat Johannes – allem Anschein zum Trotz – einen Glauben daran, dass das leere Grab einen Sinn ergibt und eine gute Nachricht sein könnte.

Auch bei Fulbert Steffensky bin ich über diesen Glaubensbegriff gestolpert. Er schreibt: „Es kann sein, dass der Glaube gelegentlich nur noch aus Handlungen besteht: In die Kirche gehen, aufstehen, knien, sich bekreuzigen, einen Psalmvers in der Nacht aufsagen […] Karsamstagsglaube, der Glaube schweigt, der Unglaube schweigt oder wird noch nicht gewagt. Gewagter Unglaube, gewagter Glaube“ (aus: Gewagter Glaube).

Vielleicht ist dieser Glaube zwischen Karfreitags-Zerstörung und Ostersonntags-Jubel in manchen Situationen sehr viel pragmatischer und lebensnaher. Rituale, Handlungen, Erfahrungen geben halt, auch wenn mir die Inhalte mitunter fern und unverständlich erscheinen.​

(Ein Impuls von Tobias Schäfer-Sell, ELM-Referent Advocacy International, Ökumenische Zusammenarbeit Malawi)

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Das Leben liegt vor uns - Geistlicher Impuls für den 7. April 2021

„Er hat die Sünde vieler getragen, und für die Übeltäter trat er ein.“ (Jesaja 53,12)

Die Losung für heute weist darauf hin, dass Jesus Christus am Karfreitag all das mit ans Kreuz genommen hat, für all das gestorben ist, was uns das Leben schwer macht, was uns niederdrückt, was uns über uns selbst verzweifeln lässt. Oder über das wir leichtfertig hinweg gehen, das wir überspielen, kleinreden, … weil wir es nicht schaffen, uns wirklich damit auseinanderzusetzen.

Mit Karfreitag hat wieder ein Mensch, hat ein Gott, ja, hat ein göttlicher Mensch und menschlicher Gott an mir und meinen dunklen Seiten gelitten, schwer gelitten und das sogar bis zum eigenen Tod, weil er für mich eingetreten ist. Wenn ich es schaffe, mir das vor Augen zu führen, dann weiß ich nicht, wie ich das ertragen soll. Er ist für mich eingetreten, daran zugrunde gegangen und das durch meine Schuld. Wenn ich mir das wirklich vor Augen führe, also nicht die Augen verschließe vor dem, was ich verursacht habe – und immer noch verursache – dann frage ich mich, warum er mich nicht lieber „zur Hölle geschickt“ hat, verflucht, oder sich wenigstens demonstrativ von mir abgewandt hat.

Meine, unsere schon fast reflexartige Reaktion Menschen gegenüber, die uns das Leben schwer machen – und da reichen wesentlich geringere Anlässe – wäre oft ein Schimpfen, Verfluchen, Abwenden.

Wenn ich mir Gottes, Jesu Reaktion vor Augen führe, dann ist es immer und immer wieder ein Hinwenden zu mir, zu uns, die Zuwendung zu uns, die – ja, es ist schwer zu fassen – segnende Zuwendung zu uns.

Beschämend für uns, diese Reaktion. Aber selbst das lässt er nicht zu, diese Scham. Er heilt, was krank und kaputt gegangen ist in uns. Er richtet uns auf, unsere niedergedrückte Seele. Er lässt uns wieder nach vorne schauen, in das Morgen, er gibt uns neue Perspektive, einen Neuanfang. Er sagt zu uns: „Steh auf, geh …“ in die Zukunft, … Er gibt uns seinen Segen dazu! Trotz allem – oder auch gerade deshalb!

Dann lese ich den Lehrtext zu unserer Losung: Jesus spricht: Segnet, die euch verfluchen; bittet für die, die euch beleidigen.(Lukas 6,28) Meine (nicht nur meine?) fast reflexartige Reaktion: „Das kann ich nicht! Bei dem was er / sie mir angetan hat … Nie!“ Ich erschrecke. Mir bleiben diese Gedanken und Worte nicht nur im Halse, sondern in meiner Seele stecken! Ich kann mich, wir können uns wieder aufrichten, weil Er uns segnet, wir können in ein neues Morgen gehen, weil Er sagt: Steh auf und geh …! Aber anderen will ich es nicht zugestehen, auch ein solches Morgen zu erleben? Wir tun uns schwer, anderen den Segen Gottes weiterzugeben, der uns oft genug im und am Leben erhält und Perspektive gibt? Wirklich? Ja, wirklich! – Ich erkenne: hier habe ich noch viel zu lernen, hier haben wir vermutlich alle noch viel zu lernen.
Aber solange ich lerne, lebe ich noch. Solange wir lernen, liegt noch etwas vor uns. Und darauf darf ich mich, dürfen wir uns freuen, jeden Tag!

Denn: Der Herr ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden! Das Leben siegt!

AMEN

(Ein Impuls von Michael Schultheiß, ELM-Referent Globale Kulturelle Vielfalt Ökumenische Zusammenarbeit mit Südafrika, Botsuana und Eswatini (Swasiland))

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Kind der Sterne - Geistlicher Impuls für den 6. April 2021

Kurz vor Ostern lasen wir in einer Mail: "Ich wünschte, ich müsste diese Mail nie schreiben. Aber wir müssen uns von unserem Winzling wieder verabschieden". Ganz plötzlich kommt der Tod ins Leben und beendet die Freude und das Warten. 
Beim Versuch, selbst damit umzugehen, dass es ein "Sternenkind" mehr gibt, findet sich erstaunliches Schweigen. Eltern betrifft das vielleicht offenbar noch, aber doch auch die Großeltern, Onkel und Tanten.  "Sternenopa" und "Sternenoma" klingt ungewohnt und irgendwie fällt es schwer, damit umzugehen.

Und dann ist Ostern - und auch die heutige Losung und Lehrtext fallen da hinein: "Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus, der Vater der Barmherzigkeit und Gott allen Trostes, der uns tröstet in aller unserer Bedrängnis."

Gott tröstet und tut dies auch durch Menschen. Sind Sie bereit dazu? Die Corona-Pandemie macht es Trauernden noch schwerer als es sonst schon ist. Gehen Sie auf Menschen zu und bieten ihnen den Trost Gottes an. Wissen Sie um Menschen, die Abschied nehmen mussten, von einem kleinen oder ungeborenen Kind - oder auch Verwandten oder guten Bekannten? Bieten Sie ein offenes Ohr und Zeit an, mit Trauer umzugehen und Trost zu finden.

Gerade in diesen Tagen werden es Ihnen viele danken - wenn Ostern nicht nur Freude, sondern auch Erinnerung an Abschied bedeutet. Hier muss sich die Botschaft der Auferstehung bewähren.
(Ein heute namenloser Impuls, der Name ist der Redaktion bekannt, fehlt hier aber zum Schutz der Betroffenen)

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„In deine Hände befehle ich meinen Geist.“ (Lukas 23,46) - Geistlicher Impuls für den 1. und 2. April 2021

Es ist die Nacht des Betens. Der Stille. Der Einsamkeit. Im Garten Gethsemane wird Jesus bewusst, dass er den nun bevorstehenden Weg alleine gehen muss. So wie ich als Mensch alleine den Kampf der Geburt durchstehen muss, so auch das Sterben. Alleine, aber nicht einsam, wenn im besten Fall Menschen beim Sterben an meiner Seite sind und mir erlauben gehen zu dürfen.

Wird es in einer solchen Situation Trost geben? Für den, der geht und für die, die bleiben müssen? Vermag es der Glaube mich und den Sterbenden in diesem Moment zu tragen?

Ich musste Abschied nehmen von meinem Ehemann. Nach Jahren des Kampfes zwischen Hoffen und Verzweiflung gab es keinen Weg mehr zurück in das Leben. Die letzten Tage waren gezeichnet vom Aushalten an seinem Sterbebett. Der Kopf ist leer. Und doch voller Gedanken. Quälende Gedanken. Die Erlösung möge bald kommen. Für ihn und für mich, der ich das Leiden eines geliebten Menschen kaum länger aushalten kann.

Jesu Wort „In deine Hände, Gott, befehle ich meinen Geist“ gehen durch meinen Kopf. Soll ich dieses Wort laut aussprechen, so dass mein Mann es hören kann und das Loslassen erleichtert wird? Als Seelsorger mag ich anderen dies empfehlen, doch wenn ich selbst in der Situation bin, dann fühlt sich die Kehle an wie zugeschnürt. Was sich so einfach von der Kanzel verkündigt, wird in der eigenen Erfahrung plötzlich zur Mutprobe, denn diese Worte sind eine Einwilligung, dass es nun kein Zurück mehr gibt.

„In deine Hände befehle ich deinen Geist.“ Erleichterung schafft sich Raum. Ich wiederhole die Worte, gemischt mit der Erlaubnis, gehen zu dürfen. Es waren letzte Stunden der Übereinstimmung. Du darfst gehen und bist dabei nicht alleine. Wenn ich deine Hand hier loslassen muss, dann wird sie Gott in seine Hände übernehmen.

Ich weiß nicht, ob das immer funktioniert und für jeden Menschen. Aber sie ist meine Erfahrung im Umgang mit dem Sterben eines geliebten Menschen. Diese Erfahrung hat mich tief geprägt und meinen Glauben an Gott in eine neue Tiefe geführt.

Gethsemane und Karfreitag sind nicht das Ende. Selbst wenn ich noch nicht den Geschmack der Auferstehung gekostet habe, so weiß ich durch diese urmenschliche Erfahrung, die Gott selbst durchschritten hat, was Trost ist. Allein bereits diese Erfahrung ließ mich aufstehen, wenn auch nicht sofort, und weitergehen.

(Ein Impuls von Thomas Wojciechowski, Leiter der Abteiklung Globale Gemeinde im ELM)

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