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- Geistlicher Impuls für den 25. September 2020

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Hinhören und offen sein für Begegnung - Geistlicher Impuls für den 24. September 2020

Mission ist Hinhören und Hingehen

Wir lesen die Apostelgeschichte 16,9-15 – Der Ruf nach Makedonien
Paulus bringt das Christentum von Asien nach Europa. So habe ich das abgespeichert, vielleicht sogar schon im Kindergottesdienst oder erst im Studium?
Halt! Gott schickt den Paulus doch nicht nach Europa, damit er dann auf seiner Weltkarte die europäischen Länder als christlich missioniert anmalen kann. Solche Weltkarten, solche Missionsatlanten gaben die Missionsgesellschaften um das Jahr 1900 herum gern heraus. Und auf so einem Missionsatlas kann man dann, wie auf einer strategischen Karte eines Feldherrn, sehen, wie sich das Christentum siegreich auf allen Kontinenten und in allen Ländern ausbreitete.

Denkt Gott geografisch?

Für den Apostel Paulus war seine Bootsfahrt von Troas nach Neapolis und die Weiterreise dann nach Philippi keine Reise von Asien nach Europa. Für Paulus, als Staatsbürger des römischen Weltreiches, war dies lediglich eine Schiffsreise von der römischen Provinz Mysien in die römische Provinz Mazedonien. Er hat sich nicht gedacht: „Oh je, jetzt schickt mich Gott sogar nach Europa! Jetzt beginnt in Europa auch das Christliche Abendland.“

Und was tut der Missionar Paulus dann in Philippi? Er schläft, er redet, er unterhält sich, er hat keine besonderen Pläne und Strategien. Er ist offen für das, was Gott ihm vor die Füße legt. Er hält in Philippi noch nicht mal eine Missionspredigt, keine Kanzel, kein Marktplatz. Er hört die Bitte eines Menschen aus Makedonien im Traum: „Komm und hilf uns!“

Und das macht er dann.

Also kann man doch sagen, Mission hört auf das, was andere sagen. Sie geht nicht einfach los. Sie hört, worum andere bitten, was andere brauchen. Lässt sich ein auf andere Sprachen und andere Kulturen.

In Phillippi trifft Paulus auf Lydia. Er setzt sich zu ihr, wir würden sagen, er begegnet ihr auf Augenhöhe. Am Fluss vor der Stadt Philippi treffen sich am Sabbat die Frauen zum jüdischen Gebet. Lydia war eine Gottesfürchtige, also keine geborene Jüdin, aber sie möchte zur jüdischen Gemeinde dazugehören. Sie kennt die jüdische Bibel. Mit ihr spricht Paulus nun über Jesus Christus.

Und dann ist es ganz unspektakulär. Gott tut der Lydia das Herz auf und sie lässt sich taufen, und ihre ganze Familie gleich mit. Das wird der Anfang einer schönen Gemeinde in Philippi gewesen sein.

Lydia war eine reiche Purpurhändlerin. 
Was ist eigentlich mit dem Kamel und dem Nadelöhr? Aber das nur nebenbei.
Was ist Mission? Mission ist Hinhören und Hingehen auf Augenhöhe und offen für jede Begegnung.

(Ein Impuls von OLKR Thomas Hofer, Herr Hofer ist in der LK Braunschweigs Leiter der Theologischen Abteilung und Vertreter des Landesbischofs. Er gehört schon seit vielen Jahre dem Geschäftsführenden Ausschuss und
Missionsausschuss des ELM an)

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„... er wird den Tod verschlingen auf ewig ..." - Geistlicher Impuls für den 23. September 2020

„... er wird den Tod verschlingen auf ewig ..." (Jesaja 25,8)

Eine denkbar perfekte Steilvorlage. Man braucht den Ball ja nur hinüberspielen von diesem Text der Hebräischen Bibel in das Neue Testament und auf Paulus verweisen: Oh Tod, wo ist dein Stachel? Daran ist natürlich nichts Falsches.
Dennoch lohnt sich ein genauerer Blick in unseren Text. Er steht im Kontext der sogenannten Apokalypse des Jesaja, einem der jüngsten Texte in der Hebräischen Bibel überhaupt. Zudem haben einige Ausleger spitzfindig angemerkt, dass besagte Stelle eine noch spätere Einfügung darstellen soll. Ein späterer Einschub in den späten Einschub, möchte man salopp meinen. Wie auch immer, unser Text stellt keine Bestandsaufnahme dar, er ist eine Verheißung.
Durch die Studierenden unserer Fachhochschule sind wir auf eine sehr persönliche Ebene weltweit vernetzt. „Jetzt hat Corona auch an die Tür meiner Familie geklopft“, hat einer unserer Studierenden geäußert, ein Verwandter ist gestorben. Corona hat uns vor Augen geführt, dass der Tod ein steter Begleiter des Menschseins ist und das auch bleiben wird.
Im näheren Kontext unseres Textes werden noch zwei andere bemerkenswerte Aussagen getroffen. Gott wird alle Tränen wegwischen, das ist die eine Aussage. Die andere ist die, dass Gott allen Völkern ein üppiges Mahl bereiten wird. Der Verfasser unserer Textes blickt auf eine Zeit der Wirren und Gewalt zurück. Der Blick geht jetzt nach vorne, hoffnungsvoller und in die Zukunft: friedlich und einmütig werden sich die Völker einfinden, gemeinsam Platz nehmen und mit dem Volk Israel ein opulentes Fest feiern.
Da hätte ich schon einige Ideen, wie sich dieses üppige Mahl der Völker in heutiger Perspektive gestalten ließe: Klima-Gerechtigkeit insbesondere für die, die unter den Folgen des Wandels am meisten zu leiden haben. Gerechtigkeit, Zuflucht, Solidarität und Schutz für die Geflüchteten, die man aus wahltaktischen oder anderen Gründen derzeit besser „draußen“ hält.
Diese knappe Liste läßt sich bekanntermaßen endlos fortsetzen. Das wäre ein Fest unter einem grandiosen und freundlichen Himmel, zu dem wir zusammenkommen würden. Wenn Menschen nicht mehr fliehen müssen, wenn Rassismus und Gewalt niemand mehr ängstigen wird, dann werden weggewischt sein die Tränen aus Wut, Angst und Verzweiflung.

Andreas Kunz-Lübcke, Professor für Biblische Hermeneutik, Fachhochschule für Interkulturelle Theologie Hermannsburg

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Ein starkes Symbol - Geistlicher Impuls für den 22. September 2020

„Herr, wie lange willst du mich so ganz vergessen?
Wie lange verbirgst du dein Antlitz vor mir?“

Psalm 13,2

Als ich die Herrnhuter Losung für den 22. September aufschlug, kam mir sofort ein Bild in den Sinn, das vor einiger Zeit in den Nachrichten gezeigt wurde. 13.000 weiße Stühle vor dem Reichstagsgebäude in Berlin.

Als „Symbol der Aufnahmebereitschaft für schutzsuchende Menschen aus Moria und allen überfüllten Lagern an den EU-Außengrenzen" hatten mehrere Flüchtlingshilfsorganisationen diese Stühle vor dem Reichstagsgebäude in Berlin aufgestellt. Die Zahl 13.000 steht für die Personen, die im Lager Moria gelebt haben.

Was für eine starke Aktion!

Menschen weisen hin auf die vergessenen Menschen in den Flüchtlingslagern. Die Menschen, die dort ausharren, die Mütter, die dort ihre Kinder groß ziehen müssen – sie können die Worte des Psalmbeters bestimmt von Herzen mitbeten.

Inzwischen ist dieses Camp einem verheerenden Feuer zum Opfer gefallen. Wir sehen die Bilder auf unseren Bildschirmen und können es nicht fassen, was dort geschieht. Die Menschen sind ohne Bleibe, ohne Perspektive und auf Hilfe von außen angewiesen.

Herr, wie lange willst du die Menschen dort so ganz vergessen?

So langsam, zu langsam, bewegt sich die Politik. Inzwischen sind Geflüchtete von der Insel Lesbos nach Deutschland gebracht worden. Aber viele Tausende warten immer noch auf Hilfe. Darum ist es so wichtig, dass wir hier nicht aufhören, für die Menschen in den Flüchtlingscamps unsere Stimme zu erheben.

Ich wünsche mir, dass die 13.000 leeren weißen Stühle in Berlin nicht ohne Wirkung bleiben.

Gebet:

Herr Jesus, du sagst in der Bibel, wir sollen alle unsere Sorgen auf dich werfen. Du siehst unsere Sorgen, unsere Nöte, unsere Ängste.

Heute bitte ich dich um die Menschen in den Flüchtlingscamps – nicht nur in Griechenland, sondern auch in der Türkei, im Libanon, im Irak, in Äthiopien, im Sudan und in vielen anderen Ländern unserer Erde. Kümmere dich um die Menschen dort, gib ihnen Hoffnung und hilf ihnen aus ihrer Not heraus.
AMEN

(Ein Impuls von Ulrike Burmester, Teamassistentin im ELM-Direktorat)

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Ich arbeite in der weltgrößten Firma - Geistlicher Impuls für den 21. September 2020

Ich komme ins Gespräch mit einem anderen Hotelgast. Was ich beruflich mache? „Ich arbeite im Marketing.“ „Das hört sich interessant an. Wo arbeiten Sie?“ „In der weltgrößten Firma. Wir haben in jedem Land eine Vertretung.“ Nun habe ich die Aufmerksamkeit meines Gegenübers ganz auf mich gezogen. „Was vermarkten Sie?“ „Gott.“ Und schon bin ich im Urlaub in einem missionarischen Gespräch. Das wäre wahrscheinlich nicht so leicht gelungen, wenn ich gleich gesagt hätte, dass ich Pastor bin.

Es kommt zum üblichen Austausch der Argumente für und wider Kirche. Die Untaten der Vergangenheit werden ins Gespräch gebracht. Ich stimme zu. „Dann verstehe ich noch weniger, warum Sie für diesen Laden noch immer arbeiten!“ „Sind Sie verheiratet“, frage ich meinen Gesprächspartner. „Ja, das bin ich.“ „Und lief in Ihrer Ehe immer alles glatt und erfolgreich?“. Punktsieg für mich, denn die Antwort war ‚nein‘, wie in den meisten Fällen. „Und trotzdem sind Sie noch verheiratet, weil Sie Ihre Partnerin lieben und an eine gemeinsame und gute Zukunft glauben. So ist es auch bei mir: Ich halte an Gott und der Kirche fest, weil ich das Gute sehe, dass ich bewirken will.“

Dann tauschen wir uns über das Gute aus, das Kirche bewirken will. So sind wir zum Beispiel bei den Menschen, wenn sie uns brauchen. Gerade in Krisenzeiten. Ich nenne die fluchtbezogenen Projekte unseres Missionswerkes. Für die Geflüchteten da sein und sie dabei unterstützen, eine neue Existenz aufzubauen. Und das geling, weil wir als weltgrößte Firma ein Netzwerk haben, das alle Länder umspannt. Darum können wir schnell handeln, weil wir überall präsent sind. Und dabei geht es uns nicht um Profit. Wir geben weiter, was wir empfangen.

Es wurde ein langer Abend mit einem sehr intensiven Gespräch. Als ich am nächsten Morgen zu meiner weiteren Wanderetappe aufbreche, kommt mir ein Bibelwort in den Sinn: „Seid allezeit bereit zur Verantwortung vor jedermann, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die in euch ist.“ (1. Petrus 3,15)

Über dieses Wort denke ich lange nach. Ja, Gott braucht mich. Mit meinen Ecken und Kanten. Mit den Fehlern meiner eigenen Vergangenheit. Er braucht seine Kirche, um die Welt ein wenig besser zu machen. Um den Menschen Gutes zu tun. Und das in und mit einer Firma, die zu Recht die älteste und größte auf dieser Erde ist.

(ein Impuls von Pastor Thomas Wojciechowski, ELM, Leiter Globale Gemeinde)

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Woza Friday!- Geistlicher Impuls für den 18. September 2020

Was „T.G.I.F.“ für Englischsprachige weltweit, das ist den Südafrikanern ihr „Woza Friday!“ – ein Herbeisehnen des Wochenendes: Komm, Freitag! – oder von der englischen Abkürzung her Thank God it’s Friday! Vielleicht geht es Dir heute am Freitag auch so – Du kannst kaum auf Feierabend und Wochenende warten? ...es sei denn, Du hast auch am Wochenende Dienst :( . In einem beliebten südafrikanischen Lied heisst es:

Strophe:

Webaba kunzima kulomhlaba
(Vater, es ist schwierig in dieser Welt)
Webaba lomsebenzi ubhokile
(Vater, die Arbeit hört nie auf!)
Webaba nemali ayingeni
(Vater, das Geld kommt kaum rein.)
Sengathi leliviki lingaphela, webaba, webaba
(Es ist, als würde diese Woche nie enden, Vater!)

Refrain: Ngithi woza woza Friday my darling
(Ich sage: Komm, komm, Freitag, mein Liebling!)
Woza Friday umsebenzi ubhokile
(Komm, Freitag, die Arbeit hört nie auf!)
Woza woza Friday my sweetie
(Komm, komm, Freitag, meine Süße!)
Woza Friday yilanga elingqomile wena
(Komm, Freitag, der Tag, mit dem ich verlobt bin!)
Goodbye I'm going now I'm going

(Tschüß, ich gehe jetzt!)
Tomorrow morning

(Morgen früh!)

Der Kontext der Musik der Gruppe „Juluka“, die dieses Lied 1982 herausbrachte, ist einerseits das Leben der Minenarbeiter in Johannesburg, die sich in großen Männerwohnheimen zusammengepfercht auf die freie Zeit an Wochenenden freuten, an denen u.a. gemeinsame traditionelle Tänze und Stockkämpfe an die ferne Heimat und Familie erinnerten. Feiern als Erinnerung – Freude inmitten eines trostlosen Alltags. Andererseits wurde das Lied, das während der Hochzeit der Apartheid erschien, als Repressalien den Alltag schwarzer Menschen oft unerträglich machten, von einem jungen weißen Anthropologen und einem schwarzen Gärtner geschrieben und aufgeführt – mehr illegal als legal, zu Zeiten strikter Rassentrennung – auch das Feiern von „diversity“/Verschiedenheit inmitten von Rassismus.

Gesang und Tanz spielten in dem Befreiungskampf in Südafrika eine große Rolle. Jede ernstzunehmende Demonstration in Südafrika wird auch heute noch von Tanz und Gesang begleitet. Da gibt es Wurzeln in traditionellen Stammesgesängen, aber auch in den Harmonien der unzähligen Kirchenchöre, die ihre Spuren hinterlassen haben.

Singen und Tanzen zu Corona-Pandemie-Zeiten? Ich glaube, dass kaum jemand, der diese Andacht liest, zu denen gehört, die unverantwortlich Corona-Partys gefeiert haben, oder zu denen, die angsterfüllt Verschwörungstheorien herausposaunen. Viele sind jedoch sicher vom Ernst und vielleicht auch von der Sorge sehr bestimmt.

Es ist jedoch bezeichnend, dass es manchmal die Menschen sind, die im Leben Schweres durchgemacht haben, die sozusagen ein Kreuz aufgedrückt bekommen haben, die dann aber auch ausgelassen feiern können.

Jesus verspricht auch Dir heute: „Ich bin gekommen um Dir das Leben zu schenken – das Leben in ganzer Fülle!“ (Johannes 10 vers 10). Also: Woza Friday! Komm Freitag, my Darling! Wir feiern! Laß Dich bewegen – und sing und tanz mit, wenn Du willst, auch mit dem Lied von Juluka, das über YouTube hier zu finden ist: https://www.youtube.com/watch?v=Yr6uq46h_hI

Guter Gott, danke, dass Du uns ermutigst, unser Leben vom Ende her zu erleben – von der ewigen Feier mit Dir, zu der wir hinleben dürfen. Hilf uns, unser Leben inmitten aller Schwierigkeiten durch diese Freude bestimmen zu lassen.

In Jesu Namen, Amen.

(Ein Impuls von Pastor Joe Lüdemann, ELM-Regionalrepräsentant im südlichen Afrika) 

 

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Fürchte dich nicht, ich helfe dir! - Geistlicher Impuls für den 17. September 2020

Ich bin der HERR, dein Gott, der deine rechte Hand fasst und
zu dir spricht: Fürchte dich nicht, ich helfe dir!

Jesaja 41,13

Als Petrus den starken Wind sah, erschrak er und begann zu sinken und schrie:
Herr, rette mich! Jesus aber streckte sogleich die Hand aus und ergriff ihn.

Matthäus 14,30-31

Ich erinnere mich daran, dass ich als vielleicht sechsjähriger Junge mit meinen Eltern in einem Vogelpark war. Ein Vogel hatte es mir besonders angetan und ich blieb länger stehen, während meine Mutter langsam weiterging. Dann fürchtete ich, den Anschluss zu verlieren und lief schnell hinterher. Als ich sie endlich gefunden hatte, fasste ich ihre Hand, um mit ihr weiter durch den Park zu gehen. Da sagte eine mir fremde Stimme: „Na, wer bist Du denn?“ Es war nicht meine Mutter, sondern eine Frau die zufällig eine sehr ähnliche Jacke trug. Ich hatte nur auf den Ärmel geachtet. Wie sehr habe ich mich erschrocken! Mir standen die Tränen in den Augen. – Ich war an meiner Mutter vorbeigelaufen, ohne es zu merken. Als sie mich sah, nahm sie mich an die Hand. Ich war „gerettet!“ Sie ließ mich nicht im Stich. Eine wichtige Erfahrung!

Davon sprechen die heutige Losung und der Lehrtext: Gott spricht uns Mut zu. Er lässt uns nicht im Stich. Das sagt Gott bereits zuzeiten Jesajas zu seinem Volk und uns – und seither immer wieder.

So ist es auch auf dem See Genezareth. Die Jünger sind mit dem Boot auf dem See. Sie sollen vorausfahren. Ohnehin schon keinen festen Boden unter den Füßen. Dann kommt der Sturm. Heftig. Die Jünger müssen sich ohne Jesus durchkämpfen. Ihr kleines Lebensboot ist kräftig am Schaukeln. Die Wellen schlagen hinein. Mitten in der Nacht kommt auf dem Wasser … ein Gespenst. Blanke Angst! Nein, es ist kein Gespenst, es ist Jesus! Er spricht sie an. „Alles ist in Ordnung! Ich bin es, Jesus!“ Unfassbar! … nicht zu fassen! Petrus, zwischen Angst und Mut, reagiert als erster: Wenn Du es bist, dann lass mich auf dem Wasser zu Dir kommen.

Und dann geschieht das, was ich mir auch für mich viel öfter Wünsche: Petrus vertraut dem Wort Jesu. Er wagt den Schritt aus dem Boot. Er ist ganz fokussiert auf Jesus, auf seine Zusage, auf die Aufforderung, den Zweifel zu überwinden. Er wagt den Schritt auf das Wasser hinaus. Er geht – das hätte niemand geglaubt, erwartet, für möglich gehalten – er geht auf dem Wasser und auf Jesus zu! Das geht solange gut, bis Petrus sich umblickt, die Wellen sieht, für sich feststellt: logisch geht das gar nicht! Das kann eigentlich gar nicht sein! Ich habe Angst! Er fängt an zu sinken und schreit nur noch: „Herr, rette mich!“ 

Dann wird berichtet, dass Jesus seine Hand ausstreckt, ihn fasst und mit ihm in das Boot steigt. Gerettet!

Wenn ich auf das Leben schaue, dann sind – oft an entscheidenden Punkten – solche Ereignisse. Die Frage, ob und wie es in und mit dem Leben weitergeht, weitergehen soll. Eine ordentliche Portion Unsicherheit treibt uns um. Manchmal ist da auch Angst. Geht es weiter? Wie? Logisch gesehen ist kaum eine gute Lösung in Sicht, kann es nur schiefgehen. Das kann doch gar nicht gutgehen. Zweifel. Und dann kommt mir vielleicht wieder Gott in den Sinn, der sagt: Fürchte dich nicht, ich helfe dir! Und ich weiß, ich kann ihm vertrauen! Ich mache es; wie Petrus hin- und hergerissen zwischen Angst und Mut. Und ja, manchmal gerät mir Jesu Zusage aus dem Fokus, ich bekomme Zweifel und sinke. Aber ich weiß: Jesus ... streckte sogleich die Hand aus und ergriff ihn. Mich ergreift er auch. Das weiß ich inzwischen.

Fürchte Dich nicht!

(ein Impuls von Michael Schultheiß, Referent für Globale Kulturelle Vielfalt; Ökumenische Zusammenarbeit mit Südafrika, Botsuana und Eswatini (Swasiland))

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Großzügig - Geistlicher Impuls für den 16. September 2020

Meine Erfahrung hat mich gelehrt, dass Geiz etwas mit Wohlstand und nicht mit Armut zu tun hat. Die Bibel erzählt das mit dem sogenannten Schärflein der Witwe. Sie, die fast nichts hat, gibt fast alles, was sie hat. Dagegen steht die Erzählung von dem reichen Kornbauern, der vorsorgt und sich beruhigt, dass er alles für einen ruhigen Lebensabend hat.

Daran musste ich denken, als ich den Losungstext für den heutigen Tag gelesen habe. Ehre den Herrn mit deinem Gut. Sprüche 3,9.

Dass wir Gott loben und ehren sollen, begegnet uns ja öfter in Liedern und in der Bibel. Dass wir mit anderen teilen sollen, ist auch keine Neuigkeit. Aber Gott mit unserem Gut, also mit unserem Besitz, mit den Früchten unserer Arbeit zu ehren – was kann das bedeuten.

Wenn ich darüber nachdenke, dann ist diese Aufforderung eingebettet in eine landwirtschaftlich geprägte Gesellschaft. Es ist wohl vor allem gemeint: gib Gott zurück, was er dir schenkt. An der Bibelstelle kann man nachlesen, dass es vor allem um  die „Erstlinge“ geht, also das erste Kalb einer Kuh, die geboren wird, die ersten Äpfel am Baum oder das erste Kind einer Familie, das einen Weg einschlägt, im Dienste Gottes. Das fällt ja am schwersten. Habe ich doch alle Mühe aufgewandt, um endlich Erfolg zu haben. Habe ich mir das nicht redlich verdient?

Manche jungen Menschen kaufen sich von dem ersten selbstverdienten Geld etwas Besonderes. Als Andenken oder Belohnung.

Will Gott hier den Besitz madig machen? Nein, auf keinen Fall. Diese Aufforderung in den Sprüchen lese ich als Lebensweisheit. Wer großzügig ist, der oder die wird auch Großzügigkeit erfahren. Anderswo heißt es: Wer gibt, dem wird gegeben.

Die Kunst ist wohl vor allem das Loslassen. Frei werden. Gott vertrauen. Ihm vertrauen, dass er nach dem ersten Kalb auch ein zweites wachsen lässt, nach dem ersten Gehalt weiter für mich sorgt.

Insofern heißt Gott ehren vor allem, ihm vertrauen. Losgehen in der Hoffnung, dass Gott mitgeht. In jeden Tag, in jede Herausforderung, in jede Sorge, in alles, was gelingt.

Danke guter Gott für das Leben,
danke für die Sonne, die jeden Tag neu aufgeht,
danke für alles, was ich zum Leben habe
danke, dass ich zum Teilen habe.
Ich will dich ehren, indem ich gemeinsam mit vielen anderen überall auf der Welt für deine
Gerechtigkeit eintrete.
Lehre mich, dich mit meinem Gut zu loben.
Jeden Tag neu.

Amen

(Ein Impuls von Michael Thiel, Direktor de ELM)

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Diese Menschen sind ein Segen - Geistlicher Impuls für den 15. September 2020

"Abram zog aus, wie der HERR zu ihm gesagt hatte." 1. Mose 12,4

Abraham war zu dem Zeitpunkt, als Gott ihm sagte, dass er in ein Land gehen solle, dass er ihm zeige, 75 Jahre alt. Also kein junger Mann mehr. Trotzdem geht er widerspruchlos in eine ihm unbekannte Zukunft. Was für ein Vertrauen ! Abraham fragt nicht: "Warum ich? Andere sind doch viel jünger?" Er argumentiert nicht, er hadert nicht, er zögert nicht. 

Allein der Zuspruch Gottes "Ich will dich segnen [...] und du sollst ein Segen sein" genügt ihm, eine so weitreichende Entscheidung zu treffen und (fast) alles Bisherige hinter sich zu lassen: Er nimmt seinen Neffen, seine Frau und einige Vertraute mit auf die Reise ins Unbekannte. 

Ich denke bei dieser Bibelstelle an Flüchtende in aller Welt, Vielleicht haben auch sie einen göttlichen Auftrag, ihr Land zu verlassen und ein Segen zu werden für die Menschen - es muss ja nicht (aber kann) für die gesamte Menschheit sein, vielleicht aber auch "nur" für die Menschen in ihrem Umfeld. Auf jeden Fall gehören die Menschen, die sich da auf den Weg in eine ihnen unbekannte Zukunft machen, zu den mental Starken, die daran glauben, die Welt für sich und ihr Umfeld zum Besseren zu verändern. Und auch heute noch machen sich selbst alte Menschen auf den Weg. 

Sie werden in den aufnehmenden Ländern nicht freundlich empfanden. Im Gegenteil: Zum Teil in Lagern eingepfercht, sind sie häufig in einer verzweifelten Lage. Ich bete dafür, dass sie die Hoffnung nicht verlieren, Dass sie gesegnet sind und selbst zum Segen werden. Egal wie lange das dauern mag. Womöglich werden sie in ihrer Lebenszeit, den Segen ihrer Flucht nicht mehr erleben können. Aber das Vertrauen, das auch Abraham hatte, sich gesegnet und beschützt auf den Weg zu machen ohne das Ziel zu kennen, möge ihnen bleiben. Und auch die Hoffnung darauf, selbst ein Segen sein zu können.

P.S.: Das gelingt alten Menschen vielleicht sogar besser, als jungen, denn sie denken in der Regel generativer.

(Ein Impuls von Anette Makus, ELM Öffentlichkeitsarbeit & Fundraising) 

 

 

 

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Ein Fundament, das trägt - Geistlicher Impuls für den 14. September 2020

“Ein jeder aber sehe zu, wie er darauf baut. Einen andern Grund kann niemand legen außer dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus.“ 1 Kor.3,10, 11

Die Kirche war noch blutjung, als Paulus diese Worte schrieb. Erst vier Jahre zuvor hatte das Apostelkonzil in Jerusalem beschlossen, dass Heiden nicht zum Judentum übertreten brauchen, um Christen zu sein (Apostelgeschichte 15). Jesus Christus ist das Fundament, auf dem die Kirche gebaut wird, nicht Beschneidung oder Essensrituale.

Jesus Christus erlöst den Menschen ganz und gar - da braucht es keine weiteren Bedingungen. Wer sich Christus anvertraut, ist erlöst und gehört zur Kirche dazu! Das ist der Grund auf dem wir stehen!

Auf diesem Grund will gebaut werden. Der Rest der Korrespondenz zwischen Paulus und den Korinthern zeigt, wie schwierig das mit dem Bauen sein kann. Baumeister, die sich gegenseitig das Können absprechen (Apollos, Petrus, Paulus), Fans die sich hinter einen gegen andere stellen.

Hinzu kommen die ganz praktischen Fragen darüber, was nun im Einklang mit dem Fundament, und was im Wiederspruch dazu steht.

Diesen Fragen und Unsicherheiten haben wir die Entstehung der meisten Briefe im Neuen Testament zu verdanken. Sie sind Versuche, in unklaren, unsicheren Zeiten zu zeigen, was es heißt, Kirche zu sein, als Christen zu leben.

Wir befinden uns jetzt wieder in solchen unsicheren Zeiten. Die schönen Gottesdienste und Großveranstaltungen sind vielerorts (weltweit) verboten oder stark beschränkt. Vieles, was für uns zum Wesentlichen gehörte, ist nicht möglich. Manche bangen um die Zukunft von Gemeinde und Kirche.

In Südafrika ist in vielen Gemeinden der Gottesdienst das Herzstück, und die Kollekte am Altar die Hauptgeldeinnahme. Wie kann es ohne das weitergehen? Kann es weitergehen?

Da klingen die Worte des Paulus wieder ganz neu und total relevant. Das Fundament steht: Jesus Christus, Herr, Erlöser, der uns alle verbindet.

Nun gilt es neu zu entdecken, wie auf diesem Fundament gebaut werden kann und soll. “Gold, Silber, Edelsteine, Holz, Heu, Stroh” nennt Paulus. Das sind keine Werturteile. Ein guter Bau hat alle diese Dinge in sich. Wichtig ist, dass jedes an geeigneter Stelle eingesetzt wird. Goldene Wasserhähne mögen schick aussehen - sind aber fehl am Platz. Heu und Stroh haben (und hatten besonders zur Zeit des Paulus) ihren Platz im Bau - als Dach, als Isolierung. Manches muss regelmäßig ersetzt werden, weil es nicht haltbar ist - Holz, Heu, Stroh eben.

Diese Krisenzeit ist eine Gelegenheit zu fragen, was (schon längst?) ersetzt werden sollte. Manches, was wir in dieser Zeit neu lernen und anwenden, ist vielleicht auch Heu und Stroh - kurzlebig und dennoch wichtig oder sogar notwendig.

Wenn ich so daran denke, ist dieses eine spannende Zeit, in der wir mutig Neues probieren können und sollen - wissend, dass manches keinen Bestand haben wird und vorsichtig, damit Gold, Silber und Edelsteine an den richtigen Platz kommen.

Vor allem aber sollen wir uns immer wieder darauf besinnen, dass wir auf einem Fundament bauen - nicht daneben - ein Fundament, das trägt, egal was kommen mag, ein Fundament, auf dem man zuversichtlich bauen kann!

Gebet:

Herr Jesus Christus,
wir erleben in dieser Coronazeit,
wie weltweit Dinge zusammenbrechen,
die wir für fast unverwüstlich hielten.
Schenke uns den Mut,
Neues zu wagen,
auch mit Holz, Heu und Stroh.
Es soll ja nicht alles aus Gold und Silber sein!

Amen

(Ein Impuls von Horst Müller, Bischof der NELCSA, Pretoria, Südafrika)

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Verwundbar - Geistlicher Impuls für den 11. September 2020

 

"Höre mein Gebet, HERR, und vernimm mein Schreien und schweige nicht über meine Tränen; denn ich bin dein Pilger und dein Bürger wie alle meine Väter." Ps 39,12

 

Für diejenigen von uns, die aus den USA stammen, ist dieses Datum des Kalenders in unser Bewusstsein eingebrannt. Die Menschen haben lebhafte Erinnerungen an die Ereignisse des 11. September 2001, und es ist nicht ungewöhnlich, eine Frage darüber zu hören, wo man an diesem Tag war und was man an diesem Tag getan hat. Meine Antwort - "Ich habe gerade mein Praktikum in Russland begonnen". Ich war weniger als zwei Wochen zuvor in St. Petersburg angekommen und wurde von der Präsidentin des Kirchenrates, Tatjana, empfangen, während ich mich an das Land anpasste und versuchte, Wege zu finden, mich in der Petrkirche nützlich zu machen. Ich erinnere mich lebhaft daran, wie wir die Nachrichten auf dem kleinen Fernseher in ihrer Küche verfolgten und versuchten, uns damit abzufinden, dass das, was passierte, kein Film, sondern Realität war. Vor uns entfaltete sich eine Szene großen Leids, die wir nicht aufhalten konnten. Wir fühlten uns genauso verwundbar wie der Psalmist unserer Parole für diesen Tag.

Während dieser Terroranschlag nicht gegen Russland gerichtet war und sie keinen Grund hatten, sich sofort bedroht zu fühlen, waren diejenigen, die mich damals umgaben - Tatjana und Christoph und Iwan und Natalia... - diejenigen, die "meinem Schrei Gehör schenkten" (Ps 39,12). Während ich eigentlich der Missionar sein sollte, handelten sie in Wirklichkeit als Werkzeuge des Werkes Gottes. Sie beteten mit mir und für mich und für mein Heimatland und stärkten unsere Verbundenheit untereinander um unseren gemeinsamen Glauben an den Gott, der uns hört.

In den Jahren danach hatte auch ich das Privileg, "Gottes Ohr" für diejenigen zu sein, die leiden.

Wo könnte Gott diese Rolle für Sie vorgesehen haben?  

(Ein Impuls von Bradn Buerkle, Auslandsmitarbeiter des ELM in Russland, St. Petersburg, Leiter eines Fortbildungsprojektes
für Gemeindeleitende der gesamten russischen Föderation)

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„Meinen Bogen habe ich gesetzt in die Wolken" - Geistlicher Impuls für den 10. September 2020

Bei der heutigen Tageslosung musste ich sofort an das Bild aus unserem Urlaub in Schwerin denken, das sehr eindrücklich den Bund von Gott und der Erde – und in diesem Fall mit der Kirche – darstellt. Urlaub – einmal ausspannen und relaxen, ein bisschen Bewegung für die Gesundheit und dann die Chance, diesen Augenblick festzuhalten. Einfach großartig.

Wieder im Dienst angekommen muss ich im Blick auf die Wolken an eine meiner eigentlichen Tätigkeiten denken: Flüge buchen. Doch durch die derzeitige Situation findet dies nur noch in Ausnahmefällen statt, aber die Wolken bleiben täglich präsent, gerade wenn sie den Blick auf die Sonne wieder freigeben und uns und unsere Gedanken erwärmen.

Trost und Hoffnung finde ich auch immer wieder in meinem Konfirmationsspruch aus Petrus 5,7, der vor Kurzem auch Thema einer Andacht des Direktors war: All Eure Sorge werfet auf ihn, denn er sorget für Euch. Mit dieser Zuversicht gehe ich in jeden Tag und denke, dass ich vielleicht bald wieder einige Flieger Richtung Wolken senden kann.

(Ein Impuls von Werner Flechsig, Leiter Zentrale Dienste ELM)

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Neue Methoden - Geistlicher Impuls für den 9. September 2020

4 Als es aber schon Morgen war, stand Jesus am Ufer, aber die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war. 5 Spricht Jesus zu ihnen: Kinder, habt ihr nichts zu essen? Sie antworteten ihm: Nein. 6 Er aber sprach zu ihnen: Werft das Netz aus zur Rechten des Bootes, so werdet ihr finden. Da warfen sie es aus und konnten’s nicht mehr ziehen wegen der Menge der Fische. Johannes 21,5-6 (Luther 2017)

https://ewn.co.za/2020/09/05/covid-19-update-recovery-rate-in-sa-reaches-88

Bereits im Juni hat Südafrika damit angefangen Impftests in sieben Städten durchzuführen, mit positiven Ergebnissen. 88% der für diese Tests benötigten Freiwilligen sind bis Anfang September gefunden worden. Überall in der Welt wird fieberhaft nach alten und neuen Impfstoffen gegen Covid-19 gesucht. Dabei werden normalerweise langwierige Zulassungsverfahren und bürokratische Hürden innerhalb kürzester Zeit außer Kraft gesetzt. Ist das nun ein Ausdruck von Verzweiflung oder einfach gesunder Menschenverstand, der es gebietet neue und unbekannte Wege zu gehen? Vielleicht beides.

So wie sich damals die Jünger Jesu aus Hunger auf neue Methoden des Fischfangs eingelassen haben, so erleben Menschen wie in Südafrika in der gegenwärtigen Krise nicht nur Hunger und Tod, Verlust des Arbeitsplatzes oder der Wohnung, sondern auch einen Schub von Kreativität, Dynamik und Schnelligkeit. Das Wort Jesu ermutigt dazu es einmal auf „einer anderen Seite“ zu versuchen und dabei neue Seiten an sich und anderen zu entdecken und  die Hilfe zu erfahren, die die Not lindert.

(Ein Impuls von Günther Oborski, Referent Globale Gemeinde)

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Jeder Tag ist eine neue Chance – für mich und alle, denen ich begegne! - Geistlicher Impuls für den 8. September 2020

Ich weiß nicht, wie es Ihnen und Euch geht. Aber manchmal muss ich morgens, selbst wenn die Sonne draußen strahlt und gar nichts Schweres auf meinem ‚Programm‘ steht, in den ersten Momenten nach dem Aufwachen negative Gefühle bearbeiten. Erst dann werde ich frei, fröhlich an mein Tagwerk zu gehen. Was hatte dieser und jene da eigentlich gemeint letzte Woche, als ich ihre Aussagen komisch fand? War da nicht etwas Gemeines mir gegenüber verpackt … ? – Wie wird eigentlich die Begegnung in Hannover heute verlaufen, wenn diese oder jene Person wieder zu der Konferenz dazu kommt. Der Mensch labert so lange und hält uns auf. Ich könnte wieder ‚die Krise kriegen‘, wenn ich nur daran denke. U.s.w. Das berühmte Kopfkino ist also voll im Gang, insbesondere dann, wenn noch ein wenig Zeit ist und ich nicht sofort nach dem Wecker aus dem Bett hüpfen muss.

In solch eine Situation spricht am heutigen Dienstag in wohltuender Weise der Lehrtext im Herrnhuter Losungsbuch aus Lukas 6,35, wenn mutig verkündet wird, als sei es eine Art geistliches Naturgesetz: „Gott ist gütig gegen die Undankbaren und Bösen…“ Dieser Satz greift nach mir, fühle ich. Aber nicht nur, weil er etwas sonderbar klingt. Und nicht so, dass er mir ein schlechtes Gewissen machen will, dass ich ja schon gleich wieder undankbar wäre, wenn ich nicht alles an allen Mitmenschen von vorn herein akzeptiere und mir die Gefühle des Abrechnens mit anderen gefälligst aus dem Kopf zu schlagen habe als frommer Christ.

Nein, viel gründlicher greift der Satz nach mir und nach meinem ganzen Leben: Er sagt doch, dass Gottes Güte, Liebe, Zuneigung, Versöhnungsbereitschaft gegenüber ALLEN heute gilt. Gegenüber denen, die gar nicht mehr merken, wie gut es ihnen geht. Und ebenso gegenüber denen, die ständig Boshaftes gegen andere ausdenken (…). Gott ernstnehmen als Ursprung meines und deines Lebens und aller Geschöpfe Leben heißt also: Vertrauen, dass Güte und Großzügigkeit und Freundlichkeit bei ‚den Anderen‘, auch ‚den für mich Unbequemen‘ schon angekommen sein mögen, bevor ich sie wieder treffe… Ja, das heißt es zuerst für mich.

Und wenn ich an den Monatsspruch für September 2020 aus 2. Kor 5,19 denke wird daraus fast ein Grundsatzprogramm, was ich für jeden Tag und jede Stunde brauche. Dort steht: „Ja, Gott war es, der in Christus die Welt mit sich versöhnt hat.“ Kurz und klar und endgültig ist, was da öffentlich gemacht werden soll: Vergesst nicht. In Jesus Christus hat Gott längst – bevor ich meine, verzeihen zu können, statt weiter innerlich abzurechnen mit andern – das große Zeichen der Versöhnung und eines tiefen Friedens aufgestellt für mich, für die anderen und den vermeintlichen Gegner in meinem ‚Kopfkino‘. Es gibt keinen Grund mehr an Gott und dem eigenen Leben zu verzweifeln.

Genießt Gottes Liebe, teilt sie hier und heute. Einen schönen und friedlichen Tag wünsche ich.

Wenn im eigenen Tagesrhythmus von Euch/Ihnen Zeit ist, kann gern noch folgendes Gebet gelesen oder gesagt werden, welches ich im Buch eines Freundes gefunden habe:

Hilf mir, heute freundlich zu sein,
auch wenn es mir schwerfällt.
Schenke mir Gelassenheit,
auch wenn alles in mir protestiert.

Lass mich bei der Liebe bleiben,
die die Menschen versteht,
die einsteht für dein umwerfendes Erbarmen.
Amen.

(Ein Impuls von Prof. Dr. Wilhelm Richebächer, Rektor der Fachhochschule für Interkulturelle Theologie Hermannsburg)

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Gott sieht uns - Geistlicher Impuls für den 7. September 2020

Deine Augen stehen offen über allen Wegen der Menschenkinder.
Jeremia 32,19

Ein schöner Satz mit einer positiven Botschaft: Gott sieht uns. Ich lese ihn im Zusammenhang des Jeremiabuches und bin etwas enttäuscht, denn der Satz geht noch weiter: „Deine Augen, Gott, stehen offen über allen Wegen der Menschenkinder, einem jeden zu geben nach seinen Wegen und nach der Frucht seines Tuns.“

Oh je! Das klingt nach himmlischer Kontrolle und Bestrafung: „Pass auf, der liebe Gott sieht alles!“ Es erinnert mich an den Überwachsungsstaat in George Orwells „1984“ und an das Sozialkredit-System, das gegenwärtig in China aufgebaut wird: Das Verhalten der Bürger wird überwacht. Bei systemkonformem Verhalten gibt es Punkte, bei Fehlverhalten (öffentliche Kritik an der Regierung, bei Rot über die Ampel gehen) werden Punkte abgezogen. Der Punktestand entscheidet über Privilegien oder Benachteiligungen beim Reisen, Internetzugang, Arbeitsmöglichkeiten und vielem anderem. Die Augen der Partei stehen offen über allen Wegen ihrer Bürger.

Kann das in der Bibel so ähnlich gemeint sein? Als himmlische Kontrolle der Menschen, mit Belohnung und Bestrafung? Ja und Nein.

JA, lange Zeit haben Menschen das so verstanden. Gott ist gerecht. Darum wird gutes Handeln letztlich „belohnt“ werden und liebloses Handeln wird negative Folgen für den Übeltäter nach sich ziehen. Aber schon im Alten Testament sind Zweifel aufgekommen, ob das immer so einfach und glatt geschieht. Einer der bekanntesten Zweifler war Hiob, der nicht glauben wollte, was seine Freunde ihm einreden wollten: dass sein Unglück doch eine Strafe Gottes sein müsste.

Deshalb NEIN, so glatt geht es nicht auf, dass Gutes immer belohnt und Böses bestraft wird. Viel zu oft erleben wir, dass Böses ungestraft bleibt: rücksichtslose Machtmenschen setzen sich mit Lüge und Gewalt durch. Friedlich Demonstrierende werden brutal niedergeknüppelt.

Und doch glaube ich, dass sich Gutes letztlich durchsetzt. Dass die gute Tat, auch wenn sie von Vielen nicht wahrgenommen wird, von Gott wahrgenommen wird und dass sie zu Gutem beitragen wird. Und ich glaube auch, dass der Gewaltmensch sich auf Dauer nicht durchsetzen wird und nicht glücklich und in Frieden leben und sterben wird.

Bin ich immer der Gute? Sicher nicht. Muss dann die Vorstellung, dass Gott mich sieht, mir nicht auch Angst vor diesem unbestechlichen Richter bereiten?

Jesus stellt uns Gott als himmlischen Vater vor Augen. Der seine Kinder ansieht. Der ihnen lächelnd zusieht, wenn sie Neues ausprobieren. Der schmunzelt, wenn sie sich die Hände vor die Augen halten und sagen „Du siehst mich nicht mehr!“. Der sie im Blick behält, auch wenn er sie nicht vor jeder heißen Herdplatte zurückreißt, sondern manchmal zulässt, dass sie sich die Finger verbrennen.

Dass Gott mich sieht, diese Vorstellung bereitet mir keine Angst. Weil ich durch Jesus weiß, wie er mich ansieht: als sein geliebtes Kind. Als sein Kind, das manchmal Mist baut, mitunter störrisch und eigensinnig und lieblos handelt. Aber er liebt mich trotzdem und hilft mir, meine Lieblosigkeit zu erkennen und zu lernen, anders zu leben.

Liedvorschläge:

Du siehst mich, wo ich steh, wo ich geh, wo auch immer ich bin (Freitöne 48)
Befiehl du deine Wege (EG 361)
Wer nur den lieben Gott lässt walten (EG 369)

(ein Impuls von Kurt Herrera, ELM-Referent Kirchenentwicklung International, Ökumenische Zusammenarbeit mit Brasilien und Peru)

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Die Legende der Gralha Azul (blaue Krähe) - Geistlicher Impuls für den 4. September 2020

In Brasilien erzählt man sich eine Legende. Vor vielen Jahren gab es eine schwarze Krähe, die den „anderen“ Krähen ganz ähnlich war. Aber diese eine Krähe wollte etwas Besonderes sein. Und um das zu organisieren, dachte sie, wäre es sicher nicht schlecht, mit Gott zu reden. Also fasste sie den Entschluss, in den Himmel zu fliegen, um Gott zu besuchen. Als sie nach einem scheinbar endlosen Flug endlich erschöpft ankam, brachte sie ihr Anliegen vor Gott. Gott sah die Anstrengung und die Mühe, die die Krähe aufgebracht hatte und gab ihr ein Geschenk, etwas Besonderes – einen Pinhao-Samen.

Überglücklich über dieses besondere Geschenk nahm die Krähe den Samen mit viel Liebe in ihren kräftigen Schnabel und flog zurück auf die Erde. Um sich nach dieser erschöpfenden Reise zu stärken, öffnete sie den Samen mit ihrem Schnabel und aß einen kleines Stück davon. Weil ihr der Samen so wertvoll erschien, wollte sie den Rest erst am nächsten Tag essen. So vergrub sie den Samen und bewahrte ihn in der Erde auf.

Am nächsten Tag suchte und suchte sie aber konnte den Samen nicht mehr finden. Die Zeit verging. Und an jenem Ort kam ein wunderschöner Baum aus der Erde, man nennt ihn araucária. Als die Krähe das sah, ging ihr Herz auf und sie pflegte den Baum mit ihrer ganzen Liebe. Schließlich trug der Baum Früchte. Der Krähe war nun klar, was sie zu tun hatte. Sie pickte jeden Samen an, aß ein Stück und vergrub den Rest. Nach und nach war der ganze Süden Brasiliens mit einem Wald aus araucária-Bäumen bedeckt.

Und Gott sah die Krähe und den Wald und freute sich. Noch einmal wollte er der Krähe ein Geschenk machen. Und so färbte er ihr Gefieder zur Hälfte blau – wie die Farbe des Himmels. Deshalb heißt die Krähe Gralha Azul – blaue Krähe.

Quelle: http://www.suapesquisa.com/folclorebrasileiro/lenda_gralha_azul.htm, übersetzt ins deutsche von einer Freiwilligen aus Brasilien.

Die Krähe in der Legende ist etwas Besonderes und jeder kann es sehen. Aber sie wurde nicht besonders, weil sie in den Himmel geflogen ist oder weil sie etwas erreicht hat oder weil sie eine blaue Feder hat. Sie ist besonders, weil Gott sie wunderbar geschaffen hat und sie liebt, und das gilt für jeden Menschen auf der Erde ohne jeglichen Unterschied. „Ich danke dir dafür, dass ich so wunderbar erschaffen bin, es erfüllt mich mit Ehrfurcht“ Psalm 139, 14

Und wie diese blaue Krähe mit dem, was sie von Gott geschenkt bekam – mit dem Pinhao-Samen – auf der Erde gewirkt hat, so dürfen auch wir durch unser Verhalten, unser Handeln und die Aufgaben, die wir ausfüllen, ein Segen für andere werden.

(Ein Impuls von Annika Drieschner, Referentin Jugendarbeit und Globales Lernen)

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Summertime and the living is easy - Geistlicher Impuls für den 3. September 2020

Auf der Höhe des Tages halten wir inne.

Lasset uns Herzen und Hände erheben zu Gott, der unseres Lebens Mitte ist: Herr, unser Gott, lass uns vor dir stehen mitten im Tagwerk und lass uns ruhig werden vor dir, um dein Wort zu hören.

Summertime

„Summertime – and the living is easy“, ein wunderbares Lied über den Sommer. Wer es hört, schwingt sich auf Wärme, Gelassenheit und Entspannung ein.

Im Sommer spielt sich viel im Freien ab, wenn die Sonne scheint und es warm ist. Alles atmet eine gewisse Leichtigkeit. Der Fernseher bleibt öfter aus. Menschen sitzen lieber draußen: im Park, am See, auf der Terrasse, auf dem Balkon. Und abends kommen Kerzen auf den Tisch. Wir plaudern bis tief in die Nacht, ein kühler Rose im Glas, ein paar Oliven – Herz, was willst du mehr…

Endlich Sommer, das heißt für viele: bald ist Urlaub. Geschafft: Arbeitskleidung und Terminkalender kommen beiseite.“

Auch in diesem Jahr ist das so. Erholung vom Alltagstrott (für einige von uns war das schon, für andere kommt der Urlaub noch).

“Summertime and the living is easy“. Das heißt auch der Wunsch in fremde Länder zu reisen. Etwas Neues zu entdecken, die Seele baumeln zu lassen... eine Sehnsucht nach mehr.

Eine Sehnsucht, der wir in den Sommermonaten Gehör schenken, doch eine Sehnsucht, die uns eigentlich das ganze Jahr begleitet. Oft nur hören wir sie durch unseren Alltag hindurch nicht.

Ruhe finden, Zeit haben für Gott, Zeit für sich selbst und das was einem wirklich wichtig ist. Das ist doch nicht nur in den Sommermonaten wichtig, sondern jeden Tag.

Wie schnell merken wir, dass wir uns erschöpft fühlen, wenn wir uns keine Ruhe gönnen; dass wir unkonzentriert werden, wenn wir von einem zum andern hetzen.

Im Sommer nehmen wir uns häufig diese Zeit, fühlen die Erholung, die die Ruhe und der Blick auf die eigenen Bedürfnisse mit sich bringen. Doch wie schnell sind wir nach den Ferien wieder im Alltagstrott angekommen. Wie schnell ist die Ruhe verflogen und die Routine hat uns wieder.

Eigentlich wäre es besser, den Wunsch und die Sehnsucht nach Ruhe und Zeit für das Wesentliche nicht nur auf den Sommer, nicht nur auf den Urlaub zu verschieben, sondern in den Alltag zu integrieren. Wie schwierig das ist, wissen wir alle.

Doch nicht umsonst hat Gott den einen Tag in der Woche geschaffen, an dem wir ruhen sollen; an dem wir Zeit haben, um mit ihm im Gespräch zu sein; Zeit für das Wesentliche.

„Und so vollendete Gott am siebenten Tage seine Werke, die er machte, und ruhte am siebenten […] Tag und heiligte ihn“.

Nach getaner Arbeit ruht Gott aus. Alles hat er geschaffen, die Welt mit allem was dazugehört und nun ist Ruhe angesagt. Doch nicht nur für sich, sondern er erschafft einen Tag für uns Menschen. Einen Tag, an dem auch wir uns von den Aufgaben, von der getanen Arbeit erholen können.

Zeit für Gott und Zeit für das was uns wichtig ist, das sollten wir nicht nur auf den Urlaub verschieben und trotzdem sind die Tage im Sommer, die auf die wir uns freuen.

Zeit für die Familie und die Freunde, Zeit für unsere Hobbys, Zeit (normalerweise) zum Reisen und entdecken, Zeit einmal das zu tun, was sonst hinten runterfällt und Zeit der Sehnsucht in einem selbst nachzugehen.

So wünsche ich uns allen noch einen schönen Sommer: ganz im dem Sinne: „Summertime, and the living is easy“.

Amen.

Gebet

Im Urlaub will ich Ferien machen
und Abstand gewinnen vom Alltags-Ich.
Ich will mir die Zeit nehmen, die mir sonst oft fehlt.
Ich will durchatmen.
Loslassen was mir Sorge macht.
Spüren wie der Brustkorb sich dehnt.
Ich will mir Ruhe gönnen.
Den Schritt verlangsamen.
Nichts denken. Nur Da-Sein.
Ich will in den Himmel schauen.
Meinen Horizont weiten.
Wahrnehmen, was über mich hinaus geht.
Ich will dir Gott vertrauen.
Ich lasse mich fallen
in deine Hand.
(aus: Fünf Minuten mit Gott, S. 246)

(ein Impuls von Indra Grasekamp, ELM-Referentin Weltweite Spiritualität)

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Warum wir heute noch Gott loben sollten - Geistlicher Impuls für den 2. September 2020

Lobet ihn, Sonne und Mond, lobet ihn alle leuchtenden Sterne! Denn er gebot, da wurden sie geschaffen. Psalm 148, 3 + 5

Jede Kultur, jede Zeit hat ihr eigenes Verständnis von der Welt und vom Dasein. Dieser Vers aus Psalm 148 ist ein Beispiel dafür. Sonne, Mond und Sterne wurden von anderen Menschen als Gottheiten verehrt. Aber für den Psalmbeter sind sie von Gott geschaffen. Diese Bemerkung ordnet die anderen Göttern seinem Gott unter. ER, der Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs, der Vater Jesu Christi, ER ist der Schöpfer von allem, was ist. Darum loben ihn nicht nur Menschen, die an ihn glauben und ihn vertrauen, sondern die ganze Schöpfung lobt ihn, den Schöpfer.

Wie gesagt, hier spiegelt sich das Weltverständnis einer historischen Zeit. Auch wenn der Sternenhimmel uns heute immer noch begeistern kann und manche Menschen ihrer Konstellation Wirkung auf ihr Leben zusprechen, so ist er was religiöse Vorstellungen angeht für die meisten Menschen entzaubert.

Wer lobt dann noch Gott? Wofür wäre er zu loben?

Ich habe bei den Geschwistern im südlichen Afrika und in Lateinamerika neu gelernt, wie schön es ist, Gott einfach um seiner selbst willen zu loben. Dafür, dass er da ist. Für uns da ist. Sichtbar geworden in Jesus. Manchmal auch durch Menschen, die anderen zum Engel werden. Gott ist da. Nur wenn ich diese Realität glauben kann, macht jede andere Bitte und Klage Sinn. Bitten und Klagen braucht ja ein Ohr, das hört. Dieses Ohr glauben wir mit der Gegenwart Gottes in dieser Welt.

Ohne Gott ist das Leben für mich entzaubert. Ohne Gott gibt es keinen Ort an dem ich sein kann, wie ich bin. Ohne Gott weiß ich nicht, wo ich mit meinem Staunen über das Wunder der Schöpfung und des Lebens bleiben soll.

Da stimme ich gerne in die Worte des Psalmbeters ein – auch wenn mein Weltbild heute anders ist.

Lied: EG 585

Ehre sei Gott auf der Erde in allen Straßen und Häusern,
die Menschen werden singen bis das Lied zum Himmel steigt:
Ehre sei Gott und den Menschen Frieden,
Ehre sei Gott und den Menschen Frieden,
Frieden auf Erden!

(ein Impuls von Michael Thiel, Direktor des ELM)

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Und versuche, gut zu sein - Geistlicher Impuls für den 1. September 2020

Als ich in der Grundschule war, hatten alle Kinder ein Poesiebuch. In den Alben standen verkappte Benimmregeln z.B.:

Sei wie das Veilchen im Moose
bescheiden, sittsam und rein
und nicht wie die stolze Rose, die immer bewundert will sein

oder lustige Sprüche:

Lebe glücklich, lebe froh
wie der König Salomo
der auf seinem Throne saß
und verfaulte Äpfel aß  

Als ich von meinen Eltern ein Posiebuch geschenkt bekam (mit Goldschnitt und Ledereinband) hatte mir mein Vater auf die erste Seite eine Widmung geschrieben:

Versuch es

Stell dich mitten in den Regen,
glaub an seinen Tropfensegen
spinn dich in das Rauschen ein
und versuche gut zu sein!

Stell dich mitten in den Wind,
glaub an ihn und sei ein Kind –
lass den Sturm in dich hinein
und versuche gut zu sein.

Stell dich mitten in das Feuer,
liebe dieses Ungeheuer
in des Herzens rotem Wein –
und versuche gut zu sein!

Dieses Gedicht von Wolfgang Borchert hat mich ein Leben lang begleitet und ich finde es immer noch hilfreich. Die anderen Gedichte in meinem Poesiebuch sind zwar auch in meinem Gedächtnis hängen geblieben aber sie waren mir nie Ratgeber.

Wenn ich heute im Internet nach Sprüchen und Gedanken stöbere, fällt mir auf, dass viele der Sprüche sehr viel Wortwitz haben und manche auch eingängige Lebensweisheiten vermitteln. Aber kaum einer taugt, einen wirklich durchs Leben zu begleiten.

Wie anders sind da die Sprüche der Bibel. Viele erinnern sich an ihren Konfirmationsspruch und oft tragen diese Sprüche gerade in stürmischen Zeiten. Zeiten in denen man traurig ist, Zeiten die einen durchrütteln und Zeiten, die einen schier verbrennen. Ich glaube sie tragen, weil sie nicht eindimensional sind und nicht die einfache Lösung bieten. Was sie allerdings immer aussagen ist, dass es eine Rettung gibt: Glaube, Liebe und Hoffnung. Und dass wir aufgefordert sind, mit unserem Leben und unserer Art der Lebensführung dazu beizutragen.

Bei Borchert heißt das „versuche gut zu sein!“.

Für mich ist das eine Aufforderung, die offen ist, die also nicht sagt: Tu dies und tu das nicht, sondern die daran appelliert sich selbst und Gott zu befragen, was jetzt gut ist und zu versuchen, es umzusetzen.

Dieses sich selbst und Gott befragen, erlebe ich weltweit. Während der COVID-19 Pandemie gab es viel Aktion und Gott sei Dank auch immer die kontemplative  Frage, ist es gut was ich mache? Als Person, als Kirche. Denke ich an alle? Habe ich alle im Blick? Denke ich auch an mich? Habe ich die richtige Fragestellung?

Die Kontemplation ist wichtig für die Aktion. Die Besinnung auf die Situation, das Sich-Einlassen auf die Situation, die Selbst- und Gottesbefragung, was jetzt in dieser Situation gut ist und erst dann der Versuch, gut zu sein. Im gemeinsamen Gebet mit Partnerkirchen bitten wir darum, zu erkennen, was jetzt gut ist.    

(Ein Impuls von Anette Makus, Öffentlichkeitsarbeit des ELM) 

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Brich mit den Hungrigen Dein Brot - Geistlicher Impuls für den 31. August

Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen. Jesaja 42, 3a

Der Prophet, den wir Jesaja nennen, will hier seinem in die Gefangenschaft geführtem Volk Hoffnung mache. Gott will uns nicht vernichten. Gott steht zu seinen Zusagen und Verheißungen.

Ich denke an Menschen heute in ausweglosen Situationen. An die Tagelöhner in Indien und vielen anderen Ländern, die Corona bedingt nicht arbeiten können. Sie sorgen sich um ihre Familien, besonders die Kinder und spüren selbst, wie der Hunger kneift. Abstandsregeln und Mund-Nasen Schutz sind nachranging, wenn es um das nackte Überleben geht. Haben sie Hoffnung wie ein glimmender Docht? Unsere Partner schreiben von Suiziden, weil die Menschen mit dieser Last nicht mehr leben können.

Auch bei uns gibt es Menschen, die durch das Netz der Sofortmaßnahmen und Sonderprogramme durchfallen. Menschen, denen die letzten Nischen des Überlebens mehr und mehr verloren gehen, weil sie nicht im Blick sind. Bischof Filter aus Kapstadt bekennt: Meine Gemeinden nehmen manchmal die Not der Menschen in den Townships und auf der Straße nicht wahr, weil sie selbst zum Mittelstand gehören.

Die wunderbare Hoffnung aus dem Buch des Propheten kann auch heute Mut machen. Vor allem, wenn Menschen dann erfahren, sie sind nicht vergessen. Am Kap in Südafrika werden Gutscheine und Lebensmittel verteilt. Anderswo auch. Außerdem Hygieneartikel. VW hat in Nelson Mandela Bay (PE) in einer Halle ein Nothospital aufgebaut. Ja, manchmal bekommt die Glut der Hoffnung neuen Sauerstoff und der geknickte Ast eine Schiene. Und manchmal bekennen Menschen dann: Gott ist bei uns, im dunklen Tal. Ich habe seinen Engel gesehen.

Unsere Arbeit muss diesen Engeln zur Hand gehen, damit Gott Menschen neue Hoffnung und Leben schenken kann.

Lied:

Brich mit den Hungrigen dein Brot EG 420

1. Brich mit den Hungrigen dein Brot, / sprich mit den Sprachlosen ein Wort, / sing mit den Traurigen ein Lied, / teil mit den Einsamen dein Haus.

2. Such mit den Fertigen ein Ziel, / brich mit den Hungrigen dein Brot, / sprich mit den Sprachlosen ein Wort, / sing mit den Traurigen ein Lied.

3. Teil mit den Einsamen dein Haus, / such mit den Fertigen ein Ziel, / brich mit den Hungrigen dein Brot, / sprich mit den Sprachlosen ein Wort.

4. Sing mit den Traurigen ein Lied, / teil mit den Einsamen dein Haus, / such mit den Fertigen ein Ziel, / brich mit den Hungrigen dein Brot.

5. Sprich mit den Sprachlosen ein Wort, / sing mit den Traurigen ein Lied, / teil mit den Einsamen dein Haus, / such mit den Fertigen ein Ziel.

Text: Friedrich Karl Barth 1977 / Melodie: Peter Janssens 1977

(ein Impuls von Michael Thiel, Direktor des ELM)

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Demut schlägt Arroganz und bringt Entspannung - Geistlicher Impuls für die Woche vom 24.-30. August 2020

„Gott widersteht dem Hochmütigen, aber dem Demütigen gibt er Gnade“, so klingt es in der vertrauten Lutherübersetzung (1.Petrus 5,5). Worte wie „Hochmut“ oder „Demut“ klingen heute irgendwie alt; zumindest wenig greifbar. Die „Hoffnung für Alle-Übersetzung“ sagt es so: „Die Hochmütigen weist Gott von sich, aber er wendet denen seine Liebe zu, die wissen, dass sie ihn brauchen.“ Jetzt wird es klarer: Wer zugeben kann, dass er oder sie auf Gott angewiesen ist, wird mit offenen Armen in Liebe angenommen. Angesichts der überwältigenden Herausforderungen in der aktuellen Weltsituation ist das doch eine wirklich gute Nachricht! Ob die dramatische Situation von Klimaveränderung, Pandemie, Terror und sozialer Ungerechtigkeit auch etwas zu tun haben könnte mit einer hochmütigen und damit ziemlich arroganten Haltung der Menschen? Man könnte es als Hochmut beschreiben, wenn weiter so getan wird, als ob die von Gott geschenkte Schöpfung immer weiter funktionieren würde und der Auftrag der Bewahrung der Schöpfung doch nicht so ernst zu nehmen sei. Hier verbirgt sich Stoff zum Nachdenken.

Aber die Stelle im ersten Petrusbrief ist nicht nur eingebettet in einen Kontext der Gottesbeziehung, sondern auch der Menschenbeziehung. Vers 5 enthält die Aufforderung einander zuvorkommend zu behandeln und sich in Bescheidenheit (Demut) zu kleiden. Das kleine Wort „einander“ fällt hier auf. Alle sollen einander zuvorkommend behandeln. Dies gilt auch für Führungskräfte und Gemeindeälteste. Vers 5 spricht zunächst von der Unterordnung der jüngeren Generation unter die Leiterschaft der alten Hasen. Die Überordnung der Älteren soll gelebt werden in einer Haltung der Bescheidenheit (also Demut) gegenüber den Jüngeren.  Und die Jüngeren sollen die Unterordnung mit Bescheidenheit (also Demut) respektieren. Dies klingt nach einer Win-Win-Situation. Wenn Demut etwas damit zu tun hat, dass wir aufeinander angewiesen sind, dann gewinnen in dieser Haltung alle, die einander zuvorkommend behandeln.

Wir haben darin ein Vorbild: Gott, der auch Mensch war und alle Vorrechte aufgegeben hat (Philipper 2,7). Wenn wir gegenüber dieser machtvollen Hand Gottes eine demütige Haltung haben, wird er uns zur richtigen Zeit erhöhen (1. Petrus 5,6). Und dann kommt eine der großen Entspannungs-Zusagen der Bibel: „Werft alle eure Sorgen auf ihn, denn er sorgt für euch.“ (1. Petrus 5,7).

Arroganz führt weg von Gott, Demut führt hin zum menschgewordenen Gott. Und alle not- und leidvollen Sorgen der Menschen übernimmt dieser Gott auch noch. Grund genug kraftvoll durchzuatmen, eigene Prioritäten zu sortieren und dann zu entspannen.

(Ein Impuls von H. Rose, Referentin Armut und Friedensarbeit International, Ökumenische Zusammenarbeit Zentralafrikanische Republik)

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