Vom Wert internationaler kirchlicher Partnerschaften
Partnerschaften zwischen Kirchenkreisen oder -gemeinden in Deutschland und Südafrika bestehen oft schon lange. Die jährliche Partnerschaftstagung des ELM möchte zu neuen Formen der Partnerschaftsarbeit ermutigen, nämlich dazu, hier vor Ort aktiv zu sein.
Im Zuge von Finanzkürzungen und einer sinkenden Zahl engagierter Menschen im kirchlichen Bereich, steigenden Lebenshaltungskosten, und einem sich verändernden gesellschaftlichen Zeitgeist in Deutschland (aber auch in Südafrika), finden sich internationale kirchliche Partnerschaften in einem Spannungsfeld wieder. Wie gehen sie mit Kritik, die von außen an sie herangetragen wird, aber auch mit internen Herausforderungen um? Wie können sie mit ihren Kompetenzen einen Beitrag für Kirche und Gesellschaft leisten?
22 Aktive aus 14 verschiedenen Partnerschaften aus drei ev.-luth. Landeskirchen (Hannover, Schaumburg-Lippe und Kurhessen-Waldeck) setzten sich vom vom 7. bis 9. November 2025 auf Einladung des Ev.-luth. Missionswerks in Niedersachsen (ELM) mit diesen Fragen auseinander und entwickelten Ideen, wie Partnerschaftsarbeit stärker Raum gewinnen kann. „Es wurde deutlich, welche konkreten und kritischen Anfragen an Partnerschaftsarbeit gestellt werden, aber auch welche Kompetenzen Partnerschaften haben. Hieraus lassen sich Handlungsfelder ableiten“, so die Tagungsleiterin Marlene Altebockwinkel, Referentin für Internationale Partnerschaften des ELM. „Partnerschaftsengagierte können lokale gesellschaftliche Herausforderungen und Aufgaben mit Erfahrung, Wissen und Inspiration angehen, die sie aus der Zusammenarbeit mit den Partnerkirchenkreisen in Südafrika gewonnen haben.“
Eine wichtige Aufgabe für Partnerschaften ist es, ihre Sichtbarkeit im Kirchenkreis zu erhöhen und damit die Bedeutung ihrer Arbeit für Kirche und Gesellschaft zu unterstreichen.
Auf der Tagung wurden mögliche Tätigkeitsfelder für Partnerschaften im Kirchenkreis vor Ort entwickelt, die auf Bedarfe unserer Gesellschaft treffen. Zum Beispiel: die thematische Arbeit zu Demokratie, Armut oder Klimagerechtigkeit oder das Angebot eines Erzählcafés im Kirchenkreis, das Menschen miteinander ins Gespräch bringt. Als Ausdruck der internationalen Verbundenheit könnte eine Partnerschaft Senior*innen aus Deutschland und Südafrika miteinander in Kontakt bringen oder gemeinsam per Videokonferenz Kindergottesdienst feiern. Die Partnerschaft im Kirchenkreis mehr ins Bewusstsein zu rücken, kann nicht nur durch Engagement oder Vernetzung mit anderen Organisationen gelingen, sondern auch durch Dinge wie Partnerschaftskerzen im Gottesdienst, regelmäßige Fürbitten oder durch ein Partnerschafts-T-Shirt, das bei Events getragen wird. Wichtig ist, dass jede Partnerschaft für sich ein Ziel formuliert, mit dem sie unterwegs ist.
Aus den Jahresberichten der Teilnehmenden wurde deutlich, dass Partnerschaft weitergeht, wenn auch unter veränderten Vorzeichen. Überall in der Landeskirche gibt es junge Leute mit neuen Ideen, die sich in die Arbeit einbringen. Das gleiche gilt für die südafrikanische Seite. Partnerschaften bergen ein großes Potenzial, in Kirche und Gesellschaft hineinzuwirken.
Weiteres Highlight der Tagung war der ausführliche Input von Dr. Joe Lüdemann (ELM-Referent für Ökumenische Zusammenarbeit Südafrika, Botsuana, Eswatini) über „Aktuelles aus Politik, Kirche und Gesellschaft Südafrikas“.
Anne Matthys (Ökumenische Austauschpastorin und Mitarbeiterin des ELM aus Botsuana/Südafrika) berichtete von ihren Erfahrungen in der Hannoverschen Landeskirche, in der sie nun seit zwei Jahren arbeitet. Sie sagt „Meine zwei Jahre in Deutschland ließen mich sehr darin wachsen, verschiedene Kulturen und Kirchenumfelder besser zu verstehen. Trotz unserer unterschiedlichen Arten zu leben und zu glauben, habe ich gelernt, dass wir trotzdem eins sein und voneinander lernen können, weil wir alle das gleiche Ziel haben: Gott zu dienen. Diese Erfahrung prägt meine Mission hier, und wenn ich zurückkehre, möchte ich vieles davon mitnehmen – sowohl für die Arbeit in der Kirchenverwaltung als auch für mein persönliches Leben, in dem ich gelernt habe, auch auf mich selbst zu achten."
Die Südafrika-Partnerschaftstagung ist ein Netzwerktreffen von Partnerschafsengagierten aus verschiedenen Kirchenkreisen. Es ist eine Gemeinschaft, sie sich liebe- und vertrauensvoll trägt und bestärkt. Ideen und Impulse werden austauscht. Schon an dieser Stelle eine herzliche Einladung für das nächste Treffen!