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Eine Verhaltensänderung ist sehr schwierig!

Südafrikanische Bischöfe diskutieren mit Vertreter*innen des ELM über die Corona-Situation

Am 8. Juli 2020 fand die erste Video-Konferenz mit den südafrikanischen Bischöfen aus den Partnerkirchen ELCSA, ELCSA (Kapkirche), NELCSA und deren engsten Mitarbeiter*innen sowie Vertreter*innen des ELM statt.

Das Online-Gespräch diente dazu, sich über die Erfahrungen der Teilnehmenden mit Corona auszutauschen. Die Anwesenden berichteten von Freude über eine gute konfessions- und kirchenübergreifende Zusammenarbeit, aber auch über Gefühle der Ohnmacht und Besorgnis, weil Menschen Corona nicht Ernst genug nehmen. 

„Wir haben Angst, weil wir gegen einen unbekannten Feind kämpfen“, fasst Thelo Wakefield, Präsident der General Assembly der ELCSA, seine Erfahrungen zusammen. Der leitende Bischof der ELCSA, Molwane Ubane, spricht davon, dass Corona das Leben in Südafrika  verändert habe und hat dabei vor allem die vielen Familien im Blick, die Angehörige beerdigen mussten oder ihr Einkommen verloren haben, ohne eine Chance, an der Situation etwas ändern zu können.

„Corona offenbart die Probleme unseres Landes“, fasst Ubane zusammen. Wakefield weist in diesem Zusammenhang auf die Überforderung des Gesundheitssystems und anderer staatlicher Institutionen hin.

Und er beschreibt einen wichtigen Unterschied: „Es gibt viele Menschen, die eine Wahlfreiheit haben. Sie haben durch ihre Bildung und ihr Einkommen die Möglichkeit, sich ihren Wohnort, ihren Beruf, ihre Partner*in, ihren Urlaub etc. auszusuchen und das Leben zu gestalten. Ich bezeichne das als „living by choice“ (Leben nach eigener Wahl).

Daneben gibt es die vielen, die keine Wahl haben. Sie gehören in der Regel zu den nicht wohlhabenden Schichten der Bevölkerung und haben so gut wie keinen Einfluss auf ihren Wohnort, ihre Bildung und ihren Beruf, geschweige denn ihren Urlaub. Diese nicht vorhandene Wahlfreiheit bezeichne ich als „living by design“  (Leben unter lebensbestimmenden Umständen).

Die, die keine Wahl haben, leben in Townships, auf engem Raum. Dort haben sie keine Chance, Distanz zu halten. Mit den Regeln der „ersten Welt“ sollen die Probleme bei uns gelöst werden – aber das passt nicht, weil die Situation vieler Menschen hier ganz anders ist.“

Trotz dieser kritischen Anmerkungen, war allen Beteiligten klar, dass Corona Verhaltensänderungen im alltäglichen Leben der Menschen erfordert.

Dr. Joachim Lüdemann, Regionalbeauftragter des ELM im Südlichen Afrika, weist darauf hin, dass auch im Zusammenhang mit HIV/Aids nur in sehr begrenztem Maß Verhaltensänderungen stattgefunden hätten. Viele Menschen hätten statt ihr Verhalten zu ändern, auf Medikamente gegen Aids gesetzt. Lüdemann erwartet, dass die Reaktion auf die Corona-Pandemie ähnlich ist. Bischof Ubane sieht diese Schwierigkeit ebenfalls. Aber er verweist darauf, dass Kirche trotzdem auf Verhaltensänderungen hinwirken müsse: „Veränderung fängt zu Hause an!“ Der Wunsch nach Verhaltensänderung ist nach Meinung der Teilnehmenden auch theologisch begründbar. Ein Schlüssel für den Wandel könnte ein Verweis auf die „Theologie des Kreuzes“ und den Propheten Habakuk sein. Auch der Hinweis auf die Nächstenliebe muss uns in dieser Situation ermutigen, alles zu tun, andere vor Infektionen zu schützen.

Doch in den Kirchen Südafrikas gibt es auch anderslautende Meinungen: Pfingstkirchen sehen Corona oft als Strafe Gottes. Sie rufen darum zur Buße auf, aber geben keine Hinweise auf die Infektionswege und was man dagegen tun kann. Anders die Gesprächsteilnehmer, die im Kampf gegen Corona auf soziale, politische und persönliche Veränderungen setzen. Ihre Gemeinden bieten praktische Hilfe an und setzen auf Aufklärung.      

Verhaltensänderung erfordert ein profundes Hintergrundwissen um die Umstände in denen Menschen leben. Der Bischof der ELCSA (Kapkirche), Gilbert Filter, betont wie sehr die konfessions- und kirchenübergreifende Zusammenarbeit vor Ort hilft, besser zu verstehen, wo, warum und welche Hilfe benötigt wird. Eine Möglichkeit zu einer effektiveren Hilfe könne auch „das ökumenische Teilen von Ressourcen“ sein. Obwohl wenige Gottesdienste stattfinden könnten, seien die Predigten – auch per Livestream – für die Motivation zur Veränderung in Südafrika ein wichtiger Beitrag. So würden in Corona-Zeiten mit elektronischen Medien weit mehr Menschen als sonst erreicht und motiviert. Pastor*innen seien so wichtige Multiplikatoren für Hinweise, wie die Verbreitung des Virus gestoppt werden könne.

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