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Südafrika: 2. Welle – was bedeutet das für die Kirchen?

Bericht von Dr. Joe Lüdemann, ELM-Regionalrepräsentant für das Südliche Afrika

„Aber in jenen Tagen, nach jener Bedrängnis, wird die Sonne sich verfinstern und der Mond seinen Schein verlieren, und die Sterne werden vom Himmel fallen, und die Kräfte der Himmel werden ins Wanken kommen.“ (Markus 13,24-25)
Während Prediger*innen der deutschen Predigttextreihen sich über sanftere Bilder von Tochter Zion und über den Einzug Jesu in Jerusalem auf einem Füllen zu Hosianna-Rufen freuen durften, mussten wir uns hier – zusammen mit der Mehrheit der Lutheraner*innen weltweit, die der ökumenischen Predigttextreihe „Revised Common Lectionary“ folgen – mit dem apokalyptischen Text im Markusevangelium auseinandersetzen. Das scheint in Zeiten einer nicht enden wollenden Corona-Pandemie gar nicht so weit hergeholt.

Deutschland steckt mitten in einer zweiten Welle – in Südafrika mehren sich die Zeichen, dass uns die zweite Welle spätestens früh im neuen Jahr 2021 erreichen wird. [Die zweite Welle hat Südafrika mittlerweile auch offiziell erreicht - AMa]. In der Provinz Eastern Cape ist es bereits so weit, dass Krankenhausbetten knapp werden und alle fürchten die Auswirkungen der „Super-Spreader-Events“ der Familienweihnachtsfeiern - ...und „Tavern- und Shebeen-Besuche“ die unweigerlich stattfinden, wenn die Arbeiter*innen aus den Stadtzentren in Port Elizabeth/ Gauteng/ EThekwini zu Familien aufs Land in diese ärmste der Provinzen Südafrikas ziehen.

Auf einer ganz anderen Ebene sieht es auch desolat aus: der Gottesdienstbesuch in den sieben Gemeinden der Gemeindeverbands Zentral-Durban in der ich mitarbeite hat sich seit der Öffnung der Kirchgebäude für Sonntagsgottesdienste (unter strengen Hygienemaßnahmen) am 11. Oktober bei 10-20% der üblichen Gottesdienstteilnehmerzahlen eingependelt. Das ist ernüchternd. Die strenge „Keine-Gottesdienstbesucher-im-Alter-über-60-Jahre-Regel“ der Ev.-luth. Kirche im Südlichen Afrika (ELCSA) zum Schutz dieser „Risikogruppe“ hat natürlich auch zur Folge, dass diese nun bereits seit 8 Monaten keinen gemeinsamen Gottesdienst feiern konnten. Auch die digitalen Angebote erreichen nur einen kleineren Teil. Darüber hinaus bringt es eine handfeste finanzielle Krise für eine Kirche mit sich, die sich hauptsächlich aus den – in Bargeld zum Altar gebrachten – Sonntagsgottesdienstkollekten finanziert. Inzwischen sind die Reserven aufgebraucht – wie soll das Pastor*innengehalt finanziert werden?

In der Gesellschaft und Politik reihen sich desaströse Wirtschafts- und Arbeitslosigkeitszahlen an breit in öffentlichen und sozialen Medien diskutierten Vorwürfen von Rassismus sowie an Live-Übertragungen aus der Zondo-Kommission zur Untersuchung von „state capture“-Korruption in horrendem Ausmaß in staatseigenen Betrieben und darüber hinaus. Es sieht wirklich häufig so aus, als verfinstere sich die Sonne, als verliere der Mond seinen Schein und als fielen die Sterne vom Himmel. So ist ein apokalyptischer Text für die lediglich ca. 25 Gemeindeglieder, die sich gestern in Lamontville zum Gottesdienst versammelten, doch viel nachvollziehbarer als man das erwarten mag. Aber der Evangelist Markus schildert eben nicht nur die Vision der Ereignisse der letzten Tage, in denen alles anders ist (kommt einem das in Corona Zeiten nicht bekannt vor?!), sondern er betont auch: „Himmel und Erde werden vergehen; meine Worte aber werden nicht vergehen.“ (Markus 13,31) Ein Aufatmen: Gottes Liebe und Fürsorge für uns ist nicht so unbeständig wie das Wachsen und Abschwellen der Wellen der Pandemie in den Ländern dieser Erde, sondern auf Ihn ist Verlass! So wird der Apokalypsetext zur starken Hoffnungsbotschaft, die uns in der gegenwärtigen Misere abholt – die für viele Mitbürger*innen weltweit ja noch viel schlimmer ist, als für die meisten für uns (man denke z. B. an Tigray in Nordäthiopien, Syrien, Armenien...) – und der uns dann aber eben auch auf die Gegenwart desjenigen hinweist, der bleibt – und auf dessen erneutes Kommen wir in Vorfreude in dieser Adventszeit warten. Aus der Region möchte ich kurz ein paar Mitteilungen weitergeben: Pastorin Didintle Lilana Kaspers ist als neue Executive Direktorin Lutherischen Gemeinschaft im Südlichen Afrika (LUCSA) ernannt worden. Damit leitet sie also das Verbindungsbüro (LUCSA) aller lutherischen Kirchen in der Region von Malawi über Sambia und Angola bis hin nach Südafrika, einschließlich aller weiteren Länder dazwischen – sozusagen ein regionales Büro des Lutherischen Weltbunds. Vorher war Pastorin Kaspers unter anderem Superintendentin des Kirchenkreises Soweto der ELCSA-Zentraldiözese und vor dessen Schließung kurzzeitig Dozentin am lutherischen Ausbildungsseminar in Pietermaritzburg (LTI). Vor ihr hatte Bischof Dr. D.P. Tswaedi aus der LCSA (Lutherische Freikirche im Südlichen Afrika) das Amt inne, bis er vor Kurzem in den Ruhestand trat.

Die Lage in der ELCSA-Süd-Ost-Diözese (SED) hat sich in den vergangenen Monaten sehr entspannt und normalisiert. Nach langen Rechtsstreitigkeiten und Versuchen der Blockade, wurde endlich bei einer Wahlsynode Ende August Superintendent N.M. Myaka zum Bischof der ELCSA-SED gewählt und Ende September in sein Amt eingeführt. Er ging mit dem Diözesanrat dann gleich ans Werk und endlich konnten die seit 2018 ausstehenden Superintendent*innen-Wahlen in allen zehn Kirchenkreisen nachgeholt werden, die inzwischen auch alle erfolgreich abgeschlossen wurden – erstmal (endlich!) auch mit zwei Frauen als Superintendentinnen in der Diözese. Damit geht nun langsam, aber sicher eine sehr lange und Viele verunsichernde Krisenzeit zu Ende. Außerdem stehen in den nächsten Monaten Bischofswahlen in der ELCSA-Zentraldiözese und ELCSA-Nodrdiözese an. Vielleicht wird ja zum ersten Mal in der ELCSA eine Frau in dieses Amt gewählt? Im kirchenweiten ELCSA-Büro ist weiter „Übergangsstimmung“ – die Nachwehen der Leitungskrise sind noch deutlich zu spüren. Wenn nun in diesen Monaten auch endlich drei der vier vakanten Bischofsstellen wieder gefüllt werden, werden ihm einige Steine vom Herzen fallen. Die vierte, bisher nicht erwähnte Diözese ist die ELCSA-Botswana-Diözese, zu der seit Jahren eine „viability study“ durchgeführt wird, die in der Frage weiterhelfen soll, ob diese Diözese überhaupt in ihrer jetzigen Struktur in Zukunft weitergeführt werden kann.

Nun wünsche ich Ihnen und Euch allen auch persönlich den immer wieder heilsamen Weg von der sich verfinsternden Sonne und den fallenden Sternen weg hin zu dem, der in der Krippe war, der bei uns heute ist und der auch in ungewisser Zukunft bei uns sein wird. In diesem Sinne, Gott befohlen!

Mit herzlichem Gruß

Rev. Dr. Joe Lüdemann

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