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Mit Fantasie und Engagement gegen die Corona-Pandemie - Update aus Durban vom 13. Juni 2020

Dr. Joe Lüdemann, ELM Regionalrepräsentant für das Südliche Afrika, beschreibt die Situation aus eigener Erfahrung:

„Meine Personalausweisnummer hatte ich schon per WhatsApp am Vortag einschicken müssen. Nun wurde am Kircheneingang noch meine Temperatur gemessen, Desinfektionsspray in die offenen Hände gesprüht und dann konnte ich mich auf einen der auf den Holzbänken markierten Plätze setzen. Es waren nur 50 Trauergäste zugelassen und so begann die Trauerfeier mit den wenigsten Trauergästen in meinen fast 20 Dienstjahren im südlichen Afrika – hinter Masken vermummt – recht pünktlich. Dies ist nur eine der vielen Veränderungen, die die Corona-Pandemie auch im Südlichen Afrika mit sich gebracht hat – selbst in dieser in einem sehr ländlichen Gebiet stattfindenden Trauerfeier – 2 Fahrtstunden von Durban entfernt. Wo die einen sich zu den stark gesunkenen Bestattungskosten positiv äußern – immerhin ist nun nicht mehr die übliche Anzahl von zwischen 150 und 500 Trauergästen mit einer warmen Mahlzeit zu versorgen – äußern sich auf sozialen Medien viele bestürzt darüber, nicht einen Bekannten, einer Arbeitskollegin, Freundin oder einem entfernt Verwandten in einer Trauerfeier und am Grab wie gewohnt verabschieden zu dürfen.

Südafrikas Infektionsrate steigt derzeit besonders stark mit zuletzt (Stand 12.6.2020) 3.359 neuen Infektionen pro Tag auf insgesamt 61.927, mit 1.354 Todesfällen. Das ist in der Region ein Höchststand – hat doch das Nachbarland Botsuana lediglich 60 Infektionen und einen Todesfall zu melden. Den Höhepunkt der Krise erwartet man hier erst im August, so dass noch schwere Monate bevorstehen. Trotz aller Vorbereitungen, die eine Verzögerung der Ausbreitung durch die strikte Ausgangssperre ermöglichten, so scheint doch eine starke Überlastung des staatlichen Gesundheitssystems unausweichlich und je mehr Personen einen Bekannten an COVID-19 verloren haben, desto mehr macht sich die Angst breit.

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Die Partnerkirchen des ELM in der Region haben bisher versucht durch soziale Medien in den Häusern ihrer Mitglieder präsent zu sein. Es gibt unzählige Predigten, die als Sprachnachrichten in den weit verbreiteten WhatsApp-Gruppen der Gemeinden, Leagues (Jugend, Frauen, Männer, junge Erwachsen) und Kirchenkreisen die Runde machen. Denen, die genügend Datenvolumen zur Verfügung haben, stehen eine ganze Anzahl von Predigten auf YouTube zur Verfügung – auf isiZulu, seTswana, English und anderen Sprachen. In der Durban Central Parish, in der ich seit 2008 mitarbeite, haben sich die Laienprediger verabredet und verschicken jeden Tag eine Kurzpredigt per WhatsApp. So ist die Versorgung der Gemeindeglieder mit geistlichen Impulsen in diesen Zeiten fast noch intensiver als vor der Epidemie. Was allerdings fehlt, sind genügend finanzielle Beiträge zum wirtschaftlichen Überleben der Gemeinden. Weiter wachsende Arbeitslosigkeit und das Fehlen der bekannten Möglichkeit, den Kirchbeitrag im Gottesdienst am Altar bei der Kollekte abzugeben, wie es überall hier üblich ist, führen nun dazu, dass es zunehmend schwierig wird, Pastor*innen noch zu bezahlen.

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Die südafrikanische Regierung ist mit ihrer sehr strengen Ausgangssperre, die nur langsam gelockert wird, anfangs auf viel Zuspruch in der Gesellschaft gestoßen. Inzwischen stoßen die teils sehr willkürlich und wenig transparent beschlossenen Regelungen zunehmend auf Verunsicherung und Ablehnung. Eine starke Kirchenlobby hat dazu geführt, dass Gottesdienste mit bis zu 50 Teilnehmenden wieder erlaubt sind – verboten bleiben aber der Verkauf von Zigaretten oder das Betreiben von Friseursalons. Die ELCSA hat beschlossen, die Kirchengebäude auf jeden Fall bis Mitte Juli geschlossen zu halten und bis dahin auf eine Vorbereitung auf die Durchführung der strengen Hygiene-Auflagen in den Gemeinden zu drängen.

 

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Während der Wochen strenger Ausgangssperre deuteten teils kilometerlange Schlangen vor Ausgabestellen von Lebensmittelpaketen das wachsende Ausmaß an Verzweiflung vieler Menschen an, die im informellen Wirtschaftssektor nicht mehr ihr Einkommen sichern konnten – ob als Straßenverkäufer oder Tagelöhner - oder die als ausländische Mitbürger von keiner der dürftigen staatlichen Unterstützungsmaßnahmen profitieren. Als eine vieler kirchlicher Initiativen verteilte auch die Durban Central Parish aus eigenen Mitteln Lebensmittel an besonders hart Getroffene. Inzwischen kommen auch Spenden von Partnern dazu. Solche Aktionen sind starke Zeichen kirchlicher Solidarität um den Globus herum. Der Glaube an Gott, der Menschen rund um die Welt in dieser schwierigen COVID-19 Zeiten immer wieder Hoffnung und Mut schenkt, wird auch hier in diesen Wochen nach Pfingsten innovativ gefeiert und praktisch gelebt – ein wunderbares Zeichen des Wirkens des Heiligen Geistes – auch hinter Masken!“

 

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