Hoher Besuch in zwei Projekten des ELM in Südafrika

Vom 7.-12. Dezember 2019 hat sich eine hochkarätig besetzte Delegation des Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK) mit 16 Mitgliedern in Südafrika aufgehalten, um sich vor Ort über zwei wichtige Themen in Südafrika zu informieren: geschlechtsspezifische Gewalt und Morde an Frauen sowie Gewalttätigkeiten gegenüber ausländischen Staatsbürgern.

Dazu traf sich die ÖRK-Kommission in Johannesburg mit dem südafrikanischen Präsidenten Cyril Ramaphosa und Mitgliedern seines Kabinetts und besuchte am 10. Dezember zwei von der Landeskirche Hannovers geförderte Projekte des ELM, um sich jenseits von öffentlichen Bekundungen ein Bild von der tatsächlichen gegenwärtigen Situation von Geflüchteten in Südafrika machen zu können.

Horst Müller, Bischof der Nordöstlichen Ev.-Luth. Kirche in Südafrika (NELCSA), hatte bereits versucht, die südafrikanische Regierung und eine breitere Öffentlichkeit auf die Lücke hinzuweisen, die zwischen den offiziellen Richtlinien und der tatsächlichen Situation der Menschen besteht. Das ELM berichtete über die Auswirkungen der Fremdenfeindlichkeit auf unsere Projekte.

Als Beispiele: In Pretoria unterstützt das ELM die Arbeit mit französischsprachigen Geflüchteten. Pastorin Rosalie Madika nimmt dort den Menschen ganzheitlich in den Blick und kümmert sich sowohl um Dokumente, als auch um Unterkünfte, Lebensmittel, Kleidung und berufliche  Perspektiven der Geflüchteten. Außerdem bietet sie regelmäßig Gottesdienste in französischer Sprache und Seelsorge an.  

Die Gottesdienstbesuche von französischsprachigen Geflüchteten in dem Projekt von Frau Madika geleiteten Projekt sind massiv zurückgegangen. Viele der ehemaligen Besucher*innen sind im Gefängnis oder haben Angst davor, inhaftiert zu werden.   
Auch in dem Projekt der Outreach Foundation in Hillbrow, werden Geflüchtete von Johan Robyn und seinem Team bei der Beschaffung von Aufenthaltspapieren und beim Aufbau einer neuen Existenz in Südafrika unterstützt. In Pretoria ist kürzlich eine Niederlassung der Outreach Foundation gegründet worden. Auch dieses Projekt wird über das ELM begleitet und von der Landeskirche Hannovers finanziert. Zum Beispiel bei der Anmietung von Räumlichkeiten in Containern. 

Viele Geflüchtete in den Projekten der Outreach Foundation beklagen, dass sie Willkür, Hass und offener Gewalt ausgesetzt sind und sich kaum noch auf die Straße trauen.

Bei dem Besuch bei Präsident Ramaphosa am 9. Dezember hörte die ÖRK-Delegation die offizielle Version, wie mit Geflüchteten in Südafrika umgegangen wird. Die Gesetzgebung Südafrikas ist in Bezug auf die Rechte von Geflüchteten – wie viele Menschen wissen - vorbildlich und bemerkenswert weil sie den Menschenrechten in besonderem Maß Rechnung trägt.

Dass die reale Situation anders aussieht, erfuhr die Delegation einen Tag später, als sie Rosalie Madika und Johan Robyn sowie fünf ihrer „Klient*innen“ trafen. Sie hörten die Geschichten dieser Menschen und ihrer Freund*innen und wie wenig die offiziellen Richtlinien implementiert sind und angewendet werden.

Da ist zum Beispiel Chantal*. Sie ist eine Migrantin aus dem Kongo und lebt mit ihren beiden Kindern seit 13 Jahren in Südafrika:
„Ich habe zwei Kinder, die in die Schule gehen. Weil ich keine Arbeit finde, verkaufe ich Früchte und Gemüse auf der Straße, um die Schulgebühren bezahlen zu können. Jetzt verbietet mir die kommunale Polizei auf der Straße Waren zu verkaufen, weil ich damit städtisches Recht verletze. Ohne diesen Straßenverkauf kann ich aber die Schulgebühren nicht zahlen - und wenn ich die Schulgebühr nicht zahlen kann dürfen meine Kinder nicht zur Schule. Deshalb sind sie jetzt zu Hause.
Meine jetzige Situation? Ich finde keine Arbeit, kann die Schulgebühren nicht bezahlen und meine Kinder können die Schule nicht besuchen. Was soll nur aus ihnen werden?“

Oder Tom*, ein qualifizierter Tierarzt aus dem Kongo, der vor 10 Jahren nach Südafrika gekommen ist, um weiter zu studieren:
„Ich habe mich damals an der Universität beworben und bin auch angenommen worden. Ich konnte also studieren. Weil ich nur ein Asyl-Dokument habe, bekomme ich jetzt keine Nachweise über die erbrachten Leistungen. Auch bei meiner Abschlussarbeit wurden mir Steine in den Weg gelegt, weil ich nicht die erforderlichen Identitätspapiere habe.  Zur Zeit verlangen alle  Behörden offizielle  südafrikanische  Pässe, was es schwierig macht als Ausländer die Dienste der Behörden in Anspruch zu nehmen.

Meine jetzige Situation? Ich habe die letzten Jahre in den Sand gesetzt. Meine Studienleistungen werden nicht anerkannt und ich befürchte, dass ich bei öffentlichen Kliniken als Stellenbewerber abgelehnt werde weil ich keine richtigen Dokumente habe.“

* Namen geändert

Nach dem Treffen am 09. Dezember hatte Bischof Müller die Gelegenheit, sich mit dem Vorsitzenden der ÖRK-Kommission der Kirchen für Internationale Angelegenheiten, Pastor Frank Chikane, auszutauschen (Frank Chikane war während der Präsidentschaft von Thabo Mbeki Minister und Teil des NEC des ANC): „In Pastor Chikanes unterschiedlichen Einbindungen wurde deutlich, dass ihn die reale Situation der Geflüchteten, die derzeit in Südafrika zu erkennen ist, mehr als beschämt. Um die Gerechtigkeitslücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit zu schließen, verweist er speziell auf die ELM-Projekte in Pretoria und Hillbrow. Mit anderen Worten: Es wird ganz klar wahrgenommen, dass Aktionen dringend notwendig sind und Projekte wie die des ELM unterstützt werden müssen, damit Geflüchtete und Migrant*innen so behandelt werden, wie das Gesetz es verspricht.“ wertet Bischof Horst Müller das Gespräch mit Pastor Frank Chikane aus.

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