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Ein besonderes Treffen

Treffen zwischen Vertreter*innen von Partnerschaftsgruppen, Südafrika-Interessierten und Vertretern der südafrikanischer Kirchen

Ende Oktober lud das ELM zu einem digitalen Treffen zwischen Vertreter*innen von Partnerschaftsgruppen, Südafrika-Interessierten und Vertretern der südafrikanischer Kirchen ein. Ziel war es, mehr über die derzeitige Situation der südafrikanischen Kirche zu erfahren, die wie auch in Deutschland stark von den Bedingungen unter Corona geprägt ist.

Neben den eingeladenen südafrikanischen Gästen Thelo Wakefield, Raymond Kok und Morwaeng Motswasele, schaltete sich Bischof Ubane zur großen Freude aller Beteiligten interessehalber der Konferenz zu und übernahm spontan die Andacht zur Begrüßung.

Die Situation in Südafrika schätzt Ubane als „verheerend“ ein: „Die Zahlen der Infektionen gehen hoch, obwohl es in Südafrika gerade heiß ist. Die Zahl der Arbeitslosen steigt und mit ihr die Armut im Land. Auch in Südafrika ist die zweite Welle da. Sie trifft alle gleich, weil alle infiziert werden können. Trotzdem ist sie nicht für alle gleich schlimm, weil Menschen in unterschiedlichen Situationen stecken, in denen sie mit der Pandemie und ihren Folgen konfrontiert werden. Angesichts der zunehmenden Armut fehlen einem die Worte.“

Greifbar wird diese Situation in der Schilderung Wakefields:

„Ich stelle mich auf eine lange Zeit des Umbruchs ein - es wird lange nicht mehr dasselbe sein. Gottesdienste sind traurige Veranstaltungen. Überall ist Abstand. Die Menschen haben Angst, sich zu umarmen, ja sogar sich zu grüßen. Menschen neigen dazu, sich zurückzuziehen: nach dem Gottesdienst steigt man in sein Auto und fährt nach Hause, vor dem Gottesdienst versucht man möglichst der Letzte zu sein, der den Gottesdienst betritt. Das ist neu. Und es wird Teil unserer Gewohnheit werden, es wird irgendwann zum Alltag werden und hoffentlich irgendwann auch wieder vorbei sein.

Generalisiert gesprochen: Wir Afrikaner sind frei, wir wollen uns bewegen, wie lieben es, uns zu umarmen und jetzt können wir nicht so sein, wie wir sein wollen. Afrikaner sind warme Menschen, sie wollen das Leben genießen. Jetzt sind wir brutal beschränkt und das ist etwas, womit wir klarkommen müssen.

75-80 Prozent unserer Bevölkerung sind immer noch betroffen von Armut, haben keine eigenen Häuser, keine festen Gottesdienste. Sie schlafen zu acht in einem Raum. Wie soll man sie auffordern, soziale Distanz zu wahren? Wie soll man diese Menschen, die kein fließend Wasser haben, anhalten, sich häufig die Hände zu waschen, am besten noch 20 Minuten lang? Wie soll man desinfizieren? Wer soll ihnen Desinfektionsmittel geben? Sie haben keine Arbeit, sie sind obdachlos - und wir haben Angst um sie, in dieser Situation.

Ich zeige Ihnen jetzt ein Bild, dass ich heute aufgenommen habe:

[Wakefield hält ein Bild in die Kamera, auf dem einige winzige, zusammengewürfelte Hütten zu sehen. Sie sind so klein, dass sie eigentlich nur dazu taugen, um darin zu schlafen. Wenigstens bieten einige Bäume ein wenig Schutz vor der prallen Sonne. ]

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Ich frage Sie: wie sollen diese Leute soziale Distanz wahren? Woher bekommen Sie das Geld für Hygieneartikel? Das sind die Leute, die die Lebensmittelpakete brauchen! Sonst sind sie verloren. Das sind die Gärtner, die während Corona nicht für die Reichen arbeiten dürfen. Es ist traurig, dass Menschen in Streichholzschachteln leben müssen. Kommen wir zur Situation in Kapstadt. Bei einer Einwohnerzahl von 5,5 Mio. leben 75 Prozent der Menschen in Kapstadt in Townships und dem, was sie in Kapstadt Apartment (Flat) nennen. Das sind die Menschen, die am Sonntagmorgen in die Kirche gehen und die jetzt nicht hingehen können. Die Situation in Kapstadt ist schlecht und in allen anderen Provinzen ist es nicht besser. Corona hat unsere Schwachstellen freigelegt bis aufs Herz. Wir haben seit 25 Jahren eine Demokratie - wie lange wird es noch dauern bis es uns gelingt die Kluft zwischen den gegenwärtigen und den erwünschten Lebensbedingungen zu schließen?“

Motswasele, der Deutschland gut kennt, weil er einen Teil seiner Kindheit hier verbrachte und später für das ELM in Hermannsburg gearbeitet hat, verdeutlicht die kulturellen Unterschiede zwischen Südafrika und Deutschland:

„Wie beeinflusst Corona unser Menschsein? Unsere gewohnten Rituale gehen verloren. 1,5 Meter Abstand fühlt sich für uns total falsch an, vielleicht ist das in Deutschland – speziell in Norddeutschland – der gewohnte Abstand, für uns ist das nicht so normal. Der größte Einfluss von Corona ist aber, dass es den Unterschied zwischen Armen und Reichen extrem deutlich macht.  Sogar in unseren Kirchen können die armen Kirchen nicht den vorgegebenen Standard der SACC zur Öffnung der Kirchen erfüllen. Wegen der Armut. Die Kluft zwischen arm und reich ist groß, Corona hat diese Herausforderung riesig gemacht. In Ihrer Gesellschaft, in Deutschland, gibt es auch Armut, aber Sie können die Situation nicht mit der unserer Situation vergleichen. In diesem Land scheitert der Staat an der Armut.“

Neben dem Leiden an den Folgen Coronas vor allem für die Armen, benennen allerdings auch alle südafrikanischen Partner, dass es viele Menschen gebe, die in Bezug auf ihre eigenes Verhalten in der Pandemie sehr sorglos seien.

Kok, der ehrenamtlich viel unterwegs ist, sieht diese Gefahr gerade bei jungen Menschen: „Sie tragen oft keine Masken, manche teilen Getränke, manche Zigaretten. Das ist die traurige Realität. Du bekommst sogar Gegenwind, wenn Du in der Shopping Mall bist und Deine Maske aufhast. Manche ziehen die Maske nur am Eingang für die Security an und kaum sind sie ein paar Meter weiter nehmen sie sie wieder ab.“

Thelo Wakefield sieht die Verantwortung für die Einhaltung der Regeln auch bei jedem Einzelnen und den direkt Verantwortlichen: „Das Beispiel von der Shopping Mall zeigt, dass es bei uns liegt, das Management der Mall anzusprechen und ihnen zu sagen, dass sie ihren Job nicht machen. Letzte Woche bin ich nach Johannesburg geflogen und 3 Leute saßen mir gegenüber. Sobald sie auf ihren Plätzen saßen, nahmen sie die Masken ab und haben die ganze Zeit erzählt und gelacht. Ich habe dann den Flugbegleiter angesprochen: ,In Reihe 8, auf den Plätzen D, E und F, schreibt euch von denen die Namen auf, es ist das Dritte Mal, dass sie die Masken abnehmen.' Er hat es abgelehnt. Menschen verleugnen, dass dieses Virus  töten kann.  Egal ob arm oder reich, aus dem Norden oder aus dem Süden. Es wird töten.“

Das bestätigt auch Kok. „Die Gefahren sind bekannt, man kann sie hören, lesen, sehen. Aber die Menschen kümmert es nicht. Ich weiß nicht, wie wir die Probleme lösen sollen, aber wir können sie nur zusammen lösen. Derzeit gibt es in Südafrika eine gereizte, ärgerliche Stimmung, ich weiß nicht warum und weshalb wir nicht mehr zusammen für das große Ganze arbeiten. Ich denke der Egoismus nimmt zu, jeder denkt nur noch an sich, Menschen kümmern sich nicht mehr um ihre Nachbarn und auch sonst um keinen. Das ist traurig. Ich hoffe, dass unsere Kirche nachhaltiger agieren kann, was die Lebensmittelpakete anbelangt. Wir brauchen mehr Lebensmittelpakete und eine Stabilisierung der Infrastruktur im Bereich Verkehr. Dann kann ich endlich wieder Pakete ausfahren und so auch mitbekommen, was bei den Leuten passiert.“

Motswasele sieht in der derzeitigen Situation vor allem das Leiden der jungen Menschen: „Gerade unter jungen Leuten greifen angesichts des Corona-Virus Pessimismus und Nihilismus stärker um sich. Die Menschen sind müde und nicht mehr bereit, sich an die Corona-Regeln zu halten. Wir sprechen in diesem Zusammenhang von einer COVID Fatigue.“ Er wünscht sich für junge Menschen organisierte Austauschforen, in denen es nicht nur immer darum gehe, den Jungen zu sagen, was sie zu tun und was sie zu lassen haben, sondern in denen er die Aufgabe von Kirchen und auch Partnerschaften darin sieht, den Jungen zuzuhören und ihre Sorgen Ernst zu nehmen.

Gleichzeitig skizziert er die vor der Kirche liegenden Aufgaben weiter:

„Im März wurde von unserem Präsidenten der Notstand erlassen. Wir hatten einen Lockdown Level 5, wo nichts mehr stattfand. Jetzt haben wir einen Lockdown, Level 1. Einige Kirchen halten jetzt wieder Gottesdienste ab wie die Cape-Orange-Diözese oder die Kap-Kirche, die Western-Diözese, zu der ich gehöre, hat noch nicht wieder mit der Öffnung begonnen, aber wir bereiten uns auf eine Öffnung vor.  Unsere Kirche, die ELCSA, hat eine Richtlinie verabschiedet, wie man die Kirchen wieder öffnen kann. Wenn bestimmte Hygienemaßnahmen vorgehalten werden können, können die Menschen auch wieder anfangen, in eine Kirche zu gehen.  Was mir durch den Kopf geht, ist eher theologisch: wir müssen als Kirche darüber nachdenken, wie wir den Menschen Gottes theologisch dienen können. Das beinhaltet unter anderem die Seelsorge nach Beerdigungen. Die Zahl der Beerdigungen ist in Südafrika sehr limitiert und es gibt einen kulturellen Unterschied zu Deutschland: für uns hier bedeutet Beerdigung Gemeinschaft. Die gesamte Gemeinde nimmt an der Beerdigung teil. Das ist in Corona-Zeiten nicht passiert und es wird eine Herausforderung für die Kirchen werden, wieder zu den Familien zu gehen und ihnen Trost zuzusprechen, weil sie es als ein persönliches Trauma erlebt haben, nicht Teil einer Gemeinschaft sein zu können.

Wir müssen uns auch als Pastoren fragen, wie wir mit der COVID-Müdigkeit umgehen? An wen richten wir uns? Wie reden wir zu den jungen Menschen, wie zu den Leitungspersonen? Wie sprechen wir als Kirche darüber? Und es heißt auch: Wie können wir eine Kirche außerhalb des Tempels werden? Sind wir noch Kirche, wenn wir keinen Tempel mehr haben? Und mit Tempel meine ich ein Gebäude. Oder ist die Identität der Kirche immer mit einem Gebäude verknüpft? Diese Fragen sind damit verbunden, wenn wir überlegen, was es heißt, in dieser Zeit, Kirche zu sein?“

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Thelo Wakefield (Präsident Generalsynode der ELCSA)

Thelo Wakefield hat Punblic Administration, Public Management and Leadership sowie Human Resources studiert und wohnt in Kapstadt. Gegenwärtig ist er in verschiedenen Bereichen von Marketing und Management aktiv.

Zuvor hat er als stellvertretender Direktor für Human Recourse Developement an der Cape Peninsula University of Technology und als Leiter der Abteilung Learning and Development Practices gearbeitet.

Thelo Wakefield ist Mitglied der Evangelisch Lutherischen Kirche in Südafrika (ELCSA). Er ist Vorsitzender des Diözesan-Vorstandes der Cape Orange Diocese, im Kirchenkreisvorstand des Cape Circuits, gegenwärtig stellvertretender Kirchenvorstandsvorsitzender seiner Gemeinde und gehört seit 2019 den kirchenleitenden Gremien der ELCSA an.

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Raymond Kok (Mitglied des Kirchenrates der ELCSA Cape Church)

Ramond Kok kommt ursprünglich aus dem Nordkap. Von 1981 bis 2002 war er Polizist, weitestgehend in Kapstadt. Seit 2002 ist er selbständig und im Garten- und Landschaftsbereich tätig.

Raymond Kok ist Mitglied der Strand Street Gemeinde und Mitglied des Kirchenrats der Kap-Kirche. Gegenwärtig macht er eine Ausbildung zum Prediger.

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Morwaeng Motswasele (Persönlicher Referent des leitenden Bischofs der ELCSA)

Er studierte Theologie an der Universität Natal Pietermaritzburg. Nach seinem Abschluss 1993 war er Vikar in der ELKSA-Nord-Diözese in Bushbuckridge. 1995 wurde er in der West Diözese in der Gemeinde Bapong ordiniert.
Im Jahr 2004 kam er in die Gemeinde in Pretoria und sammelte weitere Erfahrungen, u.a. mit Nichtregierungsorganisationen (NGOs), bei der Hillbrow Outreach Foundation und der Friedenskirche.
2009 war er bei ELM in Deutschland als Partnerschaftsreferent tätig. Nach seiner Rückkehr zur ELKSA setzte er diese Arbeit als Partnerschaftskoordinator in Südafrika fort.
Gegenwärtig ist er Pfarrer in der Pfarrei Antiogia in Tlhabane und Kaplan des Bischofs der ELKSA-WD - Bischof MJH Ubane.

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Südafrika: ELCSA-SED hat neuen Bischof - Weihe von Bischof Nkosinathi Msawenkosi Myaka

Anlässlich der Weihe von Bischof Nkosinathi Msawenkosi Myaka am 27. September 2020 äußerte sich der amtierende Premierminister von KwaZulu-Natal, Sihle Zikalala, äußerst positiv über die Ernennung des Bischofs und die Rolle der Südost-Diözese der Evangelisch-lutherischen Kirche im südlichen Afrika (ELCSA-SED) zum gegenwärtigen Zeitpunkt.

 

Mit den Worten:

 

Wir haben keinen Zweifel daran, dass Gott Bischof Myaka mit der Geduld von Hiob und der Weisheit Salomons segnen wird, um uns und die lutherische Kirche in diesen schwierigen Zeiten zu führen.“

begann er seine Rede, die durch die Sorge vor einer zweiten Welle und einem erneuten Lockdown geprägt war. Trotzdem traut Zikalala Bischof Myaka zu, das Leben der Menschen in KwaZulu-Natal zu verändern.
Der Kirche attestierte Zikalala „die Stimme der Ruhe und der Beruhigung“ gewesen zu sein, die durch ihren Glauben an einen guten und barmherzigen Gott bekräftigt habe,

 dass wir uns nicht zu fürchten brauchen, auch wenn wir im Tal der Gefahr und des Todesschattens sind“.

Er berichtete davon, dass die Menschen überall auf der Welt, Zeugen der Schließung vieler Grenzen in vielen Ländern und einer zum Stillstand gekommenen Wirtschaft geworden seien und dies zu Lasten vieler Arbeitsplätze gegangen sei.

 Wir haben einen gewaltigen und mächtigen Kampf geführt und die Kirche hat uns dabei geholfen die Angst zu bekämpfen und uns durch den Glauben Mut gemacht.“

Mit Bezug auf einen Aufruf des südafrikanischen Präsidenten Cyril Ramaphosa, das Land aufzubauen, sieht er auch die Kirche in der Pflicht, die in den Gemeinschaften eine wichtige Rolle spiele. In Analogie zu Nehemia, der für sein Volk und Jerusalem betete und dazu aufrief, sich aufzumachen und die Mauern Jerusalems nach einer Reihe von Invasionen wieder aufzubauen, beschrieb Zikalala die Gemeinden der ELCSA-SED und KwaZulu-Natal:

 Die dunkle und gespaltene Vergangenheit, aus der wir kommen, ist kein Geheimnis. Wir sprechen auch die aktuellen Herausforderungen an, vor denen wir stehen  u.a. Armut, Kriminalität, Arbeitslosigkeit, Ungleichheit und geschlechtsspezifische Gewalt. Diese sozialen Übel manifestieren sich in unseren Gemeinschaften und zeigen, dass die Faser, die unsere Gemeinschaften hält, kurz davor steht, zu reißen.“

In der Wahl Myakas sieht Zikalala die Beauftragung eines neuen Nehemia:

 Es ist daher meine Überzeugung und mein Glaube, dass der heutige Tag Gott gehört. Er ist sicherlich mit uns während dieses heiligen Moments, in dem die Kirche einen Nehemia beauftragt, hinauszugehen und Gottes Arbeit für den Wiederaufbau und die Entwicklung unserer Gesellschaft zu unterstützen und den Wiederaufbau ihrer Moral. In Ihnen, unserem geliebten Bischof Myaka, hat Gott der Kirche und unserer Nation einen treuen Diener gesandt, der in unsere Gemeinden gehen und die Bemühungen um den Wiederaufbau der Mauern und Tore leiten wird.

Gleichzeitig betonte Zikalala, dass es viele Nehemias‘ brauche, wenn es gelingen solle, ein „Post COVID-19-Südafrika“ aufzubauen, denn das Land sei „in verzweifelter Not“:

 Nach einem so verheerenden Sturm sind wir heute Zeugen der Weihe von Bischof Myaka, einem dienenden Führer. Wir zweifeln nicht daran, dass er unser Leitbild sein wird, wenn er uns zu einer entschlossenen Reaktion führt, die Zerstörung zu überwinden, die durch diese Pandemie und viele soziale Übel ausgelöst wurde. Heute haben wir viele Menschen, die in Armut und Arbeitslosigkeit leben, die Drogen missbrauchen, belastet sind mit Krankheiten, die von sozialen Missständen und Kriminalität heimgesucht werden. Es ist ermutigend zu sehen, dass die ELCSA-SED eine Haltung gegen die Korruption einnimmt, die unser Land, das arm ist an Dienstleistungen und Entwicklung, dringend benötigen. Genauso wie die Kirche auf der Seite des Volkes und der Befreiungsbewegung gegen das Übel der Apartheid stand, sind wir jetzt ermutigt zu sehen, dass die Kirche sich gegen Korruption wehrt. [...] Wir brauchen Sie [die ELCSA] bei der entscheidenden Aufgabe, die Würde unseres Volkes wiederherzustellen und in unserer Gemeinschaft die Weichen auf ein besseres Leben für alle zu stellen. Wir brauchen die Kirche, [...] die in unsere Gemeinden geht mit Gottes Wort und eine Verwandlung der Herzen und den Wiederaufbau unserer Moral bewirkt. Werte, die das Fundament der neuen Gesellschaft sein sollten, die wir aufbauen. [...] Diese Kirche ist ein Fels, auf dem Gott unsere zerbrochenen Gemeinschaften wieder aufbauen und den Frieden wiederherstellen und Wohlstand bringen wird.


Wegen Corona nicht angereist


Auf Grund der Corona-Pandemie konnten die meisten Partner der ELCSA-SED, die aus Schweden, Norwegen oder Deutschland zu diesem Fest gerne angereist wären, nicht persönlich mit dabei sein.
Als einziger Vertreter von Partnern war der ELM Regionalvertreter für das Südliche Afrika, Pastor Dr. Joe Lüdemann, vor Ort und konnte so der Freude des ELM und anderer Partner in einem Grußwort Ausdruck verleihen.
Lüdemann hatte in den vergangenen zwei Jahren vor und hinter den Kulissen mehrfach die Sorge der Partner zu den schwierigen Entwicklungen in der großen Diözese der ELCSA ausgedrückt hat, deren Gründung auch auf die Mitarbeit von Hermannsburger Missionaren zurückgeht. Er war auch als unabhängiger Gesprächspartner des leitenden Bischofs der ELCSA aktiv und gefragt. Darum war er hocherfreut, mit der Wahl Myakas, einen großen Schritt weitergekommen zu sein, die Leitungskrise in der ELCSA-SED zu beenden.

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Grundsituation in Südafrika

In Südafrika hat sich der Corona Virus im Vergleich zum übrigen Kontinent
relativ früh weit verbreitet; angefangen von der Westkap, über Gauteng und die Ostkap hin nach KwaZulu/Natal. Derzeit sind 640.000 Infektionen registriert und 15.086 Todesfälle (im Vergleich: Deutschland zur gleichen Zeit 255.000 Infektionen und 9.409 Todesfälle; Gesamtbevölkerung: RSA 59 Millionen vs. Deutschland: 83 Millionen). Derzeit ebbt die erste Welle ab und der „Lockdown“ wurde von Stufe 5 auf Stufe 2 herabgesetzt. Hatte Südafrika, zu der Zeit als die Stufe 5 des Lockdowns galt, eine der strengsten Ausgangssperren weltweit, dürfen nun unter Stufe 2 die meisten Aktivitäten wieder aufgenommen werden. Ausgenommen davon sind alle Arten von Großveranstaltung (maximal 50 Teilnehmende und nur für gewisse Sparten, z.B. auch religiöse Veranstaltungen)
und Internationale Reisen – die Grenzen sind weiterhin seit dem 26. März geschlossen, nun bald ein halbes Jahr.


Versammlungen wieder möglich

Monatelang waren zu Lockdown-Zeiten selbst kleine Gruppen außerhalb der eigenen Familie und des eigenen Hauses verboten. Versammlungen haben in den vergangenen Monaten eine ganz andere Note bekommen. In Corona-Zeiten sind sie in Südafrika für einige Monate ganz verboten worden. Inzwischen finden in einigen Kirchen wieder Versammlungen statt - in der ELCSA jedoch bisher nur als Trauerfeiern, der einzige Ort, an dem Menschen derzeit zusammen feiern, unsicher, ob sie denn nun wirklich singen dürfen oder nicht (und es trotzdem tun) und nur selten die Höchstzahl von 50 Menschen überschreitend. Alles unter den üblichen Hygiene-Bedingungen.

Folgen der Rezession

Der Corona-Lockdown traf eine südafrikanische Wirtschaft, die bereits seit Mitte
2019 geschrumpft war. Die Rezession hat sich inzwischen vertieft – im letzten
Quartal (April bis Juni) war der Rückgang gar 16%. Die Arbeitslosenquote lag vor
dem Lockdown bereits bei unvorstellbaren 30.1% (bei 15-34-Jährigen gar 43%!). Es wird angenommen, dass diese Rate bis Ende des Jahres auf 35% und mehr wachsen könnte. Hinter diesen Zahlen stehen menschliche Schicksale – verzweifelte, hoffnungslose Arbeitssuchende, frustrierte, wütende junge Erwachsene, hungernde Familien, hoch verschuldete Kleinunternehmer, Betriebe im Konkurs ...
In dieser trostlosen Szenerie werden in den vergangenen Monaten seit langem bestehende Konflikte virulent.

Warum der Mut uns nicht verlässt

Zur Aufgabe des ELM gehört es, die Umstände, unter denen ELM Partnerkirchen arbeiten, auch in Deutschland bekannt zu machen. Dabei kann der nun folgende Bericht zu einigen großen, häufig bereits lang bekannten und immer wiederkehrenden, Problemfeldern Südafrikas sehr hoffnungslos stimmen. Daher ist mir wichtig zu betonen, vor welchem Hintergrund ich zu Rassismus, Korruption und weiter anwachsender Ungleichheit in Südafrika berichte. Ich arbeite als Christ in unserer Partnerkirche mit und werde dabei gerade von denen, die von den gleich geschilderten Problemfeldern in ihrem Alltag viel härter betroffen sind als ich, immer wieder daran erinnert: You are here for a reason! Es gibt einen Grund, dass wir als Christen hier in Südafrika leben aber auch als Christen in verschiedenen Ländern, wie auch Deutschland, unsere Schwierigkeiten teilen. Gott, der auch ein Gott der kleinen Leute ist, derer, die in der Gesellschaft meist die Opfer oder Spielball der Mächtigen sind, dieser Gott ist auch gleichzeitig derjenige, der bei uns ist, uns ermutigt, uns begeistert, uns zusammenführt und durch Gemeinschaft stärkt – nicht nur nach dem Tod, sondern auch im hier und jetzt! Mit dieser ermutigenden Zusage Gottes im Gepäck, ist es auch unsere Verantwortung, den gesellschaftlichen Übeln wie Rassismus, Korruption und Ungerechtigkeit direkt „ins Auge zu schauen“. Es ist unsere Verantwortung, diese Übel wahrzunehmen, sie anzuprangern und uns auch als Kirche und Missionswerk aktiv in die Aufgabe hineinnehmen zu lassen, in Gottes Werk, dass allen Gerechtigkeit geschieht. Als Einzelner oder auch als Gruppe von Menschen würde mich angesichts der vielen Krisen hier schnell der Mut verlassen. Aber als Mensch, dem Gott seine Gegenwart zusagt, kann man inmitten all dem in der Zusammenarbeit mit unseren Partnerkirchen sogar Zuversicht und Freude im gemeinsamen Handeln erleben.

Rassismus

Gruppen in roten T-Shirts und mit erhobenen Fäusten singen tanzend vor den Drogeriemärkten der Kette „Clicks“ in Einkaufszentren in ganz Südafrika. Teils dringen sie in die Läden ein und werfen Regale um, teils blockieren sie den Eingang, teils protestieren sie lediglich mit Postern und Gesang.

Es geht um Shampoo – und doch auch um viel mehr.

Ein Haarwaschmittelproduzent warb mit Frauenporträts für seine Produkte –
zwei Porträts von coloured Frauen unter der Überschrift „FRIZZY &DULL HAIR“ (krauses und stumpfes Haar) und „DRY & DAMAGED HAIR“ (trockenes und beschädigtes Haar) und zwei Porträts von weißen Frauen mit „FINE & FLAT HAIR“ (feines und glattes Haar) und „normal hair“ (normales Haar!!).

Dass das „westliche Schönheitsideal“ noch überall dominiert, ist bekannt – auch dass für den Haartyp der „Weißen“ in Drogeriemärkten regaleweise Shampoos zu finden sind, während es für den Haartyp der Afrikaner viel weniger Auswahl gibt – obwohl Letztere knapp 80% der Bevölkerung stellen und Erstere lediglich 9%. Aber dass damit nun noch so offensichtlich rassistisch geworben wurde, war dann doch ungewöhnlich.

„Es ist ein Angriff auf die Würde eines schwarzen Menschen – dazu noch die Würde
einer schwarzen Frau! Das nehmen wir nicht mehr hin! Da reicht nun auch nicht
mehr eine Entschuldigung des Herstellers oder der Ladenkette. Wir wollen Gerechtigkeit!“

– so eine Anführerin der protestierenden EFF Gruppe. EFF ist die politische Partei „Economic Freedom Fighters“ – drittstärkste Partei im südafrikanischen Parlament. Es arteten auch Proteste in Gewalt um – es gab einige Verhaftungen. In einer „Clicks“-Filiale wurde Feuer gelegt. in einigen anderen gab es Sachbeschädigungen anderer Art – schließlich wurden alle über 700 „Clicks“-Filialen landesweit für einige Tage geschlossen.

Ein ELCSA Kollege schreibt dazu:

„Für mich ist es ok, wenn im Kampf gegen Rassismus im Laden ein paar Regale umgestoßen werden.
Es ist problematisch, wenn schwarze Menschen Rassismus mit Vorsicht und Bedacht behandeln. Das passiert, wenn wir die Auswirkungen solch eines Rassismus übersehen und lediglich die Antwort darauf als gewalttätig beschreiben, als ob der Rassismus selbst dies nicht wäre. ...Das Vorhaben, das schwarze Minderwertigkeitsgefühl weiter zu vertiefen, scheint aufzugehen! Das wird deutlich, wenn vielen bei diesem Protest der Laden mehr leidtut als unser (hier verachtetes) Schwarz-sein. ...Ich will nicht, dass meine Tochter akzeptiert, dass ihr Schwarz-sein weniger wert ist.“

Was einige als „storm in a teacup“ (Sturm im Wasserglas) abtun, trifft andere
ins Mark – wie so oft in der südafrikanischen Gesellschaft, tun sich weite Gräben
auf. Brücken darüber scheinen in diesen Zeiten Mangelware zu sein ...

Black Lives Matter

Die Black Lives Matter Bewegung aus den USA hat nach der Ermordung von George Floyd durch amerikanische Polizisten am 25. Mai in Minneapolis/USA weltweit Wirkung erzielt, indem Menschen auf den Straßen marschieren für ein Aufdecken von häufig verborgenem und systemischem Rassismus in den unterschiedlichsten Kontexten. In Südafrika wurde in dieser Phase des strengsten Lockdowns, in dem sogar das Militär in den Townships und Städten patrouillierte, die Parallele zuerst in der Schikane und Brutalität einiger Soldaten gegenüber der Bevölkerung gesehen. Die ohne Masken oder während der Ausgangssperre auf den Straßen angetroffenen jungen Männer mussten am dreckigen Straßenrand Liegestützen machen - ... im April führte eine solche Konfrontation sogar zum Tod von u.a. Collins Khosa, einem Bewohner der Township Alexandra. In den USA Polizeigewalt – in Südafrika Militärgewalt.

Wenig später wurde jedoch das Thema Rassismus in der Black Lives Matter-Bewegung auch in Südafrika wieder zentraler in sozialen Medien wahrgenommen. Unter anderem meldeten sich auch vermehrt schwarze Schülerinnen zu Wort, die zu ehemals „weißen“ Schulen gingen – sog. „Model C“ Schulen oder auch Privatschulen – und denen dort, wo sie in der Minderheit waren, Rassismus begegnet war. Galten diese Schulen der Privilegierten bisher eher als liberal, fortschrittlich und Ort der Begegnung, so wurde zunehmend deutlich wieviel es noch zu tun gibt, bis sich wirklich Schüler aller Kulturen an diesen Einrichtungen wohl und zu Hause fühlen können.
Auf einer Instagram-Seite YSWA – yousilenceweamplify meldeten sich hunderte schwarze SchülerInnen zu Wort und teilten ihre schmerzhaften Erfahrungen mit. Ein schwarzer Lehrer an einer christlichen Privatschule schrieb dazu an weiße Eltern: „Es gab Momente in unserer Geschichte, da dachten wir: Das Baby wird geboren! Es war Zeit für die Geburt - ... aber wir weigerten uns. Wir haben die Chancen verpasst, Gerechtigkeit zu gebären, weil wir gewählt haben, die Geburtsschmerzen lieber zu vermeiden.“
Eine ehemalige Schülerin einer solchen Schule, die inzwischen als Beraterin für „Transformational Change“ in Betrieben und an Schulen tätig ist, schreibt über ihre frühere Erfahrung: "Ich und viele andere Schwarze, Farbige und Inder, die diese Schulen besucht haben, haben miterlebt, wie unsere Lehrer und weißen Freunde sich leidenschaftlich für die SPCA und die Tierrechte begeistern, mehrere Aufkleber zur Unterstützung der Notlage der Spitzmaulnashörner kaufen und uns alle zu Gesprächen über Veganismus und Abholzung zwingen.
Ich habe dieselben Menschen unbeeindruckt und völlig ungerührt von der Erniedrigung, dem Missbrauch und dem Tod schwarzer Menschen gesehen. Ich habe es gesehen, und diese Generation von High-School-Kindern hat es auch gesehen".  

Die Welle der Berichte über Verletzungen, Einsamkeit, Traurigkeit, Wut von schwarzen Kindern an Schulen mit mehrheitlich weißen Schülern und Schülerinnen hat viele unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen – neben Ablehnung oder Beschwichtigung auch hilfreiche Initiativen von Schulleitungen, die die Schüler untereinander, aber auch Lehrer und Eltern zu dem Thema ins Gespräch bringen möchten. Auch an der Schule, an der unser Ältester derzeit in die 11. Klasse geht, steht ein Elternabend zu dem Thema an. Ich bin gespannt!

Auf jeden Fall ist es auffallend, wie in der global vernetzten Welt, Polizeibrutalität und Rassismus auf der einer Seite der Welt, auf der anderen Seite der Welt Diskussionen anstößt zu persönlich erlebtem subtilem oder auch offenem Rassismus.

„race-based politics“

Mit dem Thema „race-based politics“ hat sich auch die offizielle parlamentarische Opposition in Südafrika beschäftigt – die Democratic Alliance (DA). In einer virtuellen Konferenz hat sie sich gegen eine (Wirtschafts-)Politik gewendet, die Menschen auf Grund ihrer Hautfarbe, die in der Apartheidsvergangenheit des Landes zu automatischer krasser Diskriminierung führte, in einigen wirtschaftlichen Bezügen nun bevorzugt behandelt. Die DA kritisiert damit die Broad-based black economic empowerment (BBBEE) Politik der Regierungspartei ANC und vertritt nun eine Politik, die eher das Kriterium „Armut“ nutzen will, um gezielt zu unterstützen. Begründet wird dies damit, dass BBBEE letztlich doch oft nur dazu führt schwarze Eliten zu schaffen und dem Gros der Bevölkerung nicht weiterhilft – insbesondere angesichts grassierender Korruption. Damit will die DA das Thema „race“ nun aus der Wirtschaftsdebatte verbannen und einem „non-racial“ Ideal hinterherjagen. Damit beweist sie jedoch wenig Gespür für das Empfinden eines Großteils der Bevölkerung (und der Wählerschaft) und für noch vorherrschenden systemischen Rassismus. In der Internetpräsenz der DA wird z.B. mehrfach in den Überschriften ihrer Pressemitteilungen das rüpelhafte Verhalten der EFF Demonstrierenden vor den Clicks-Läden thematisiert, jedoch in keiner Überschrift die deutlich den Haartyp von Menschen schwarzer Hautfarbe abwertende Werbung. Dass die Produkte, für die mit der besagten Werbung geworben wurden, nun aus der Ladenkette Clicks entfernt wurden, wird dahingegen beklagt, im Hinblick auf mögliche wirtschaftliche Konsequenzen. Obwohl die schwarze Mehrheit der Bevölkerung (knapp 80%) die politische Macht in den Händen hält, empfindet sie sich letztlich doch in vielen Hinsichten (z.B. wirtschaftlich, kulturell, bildungs- und wissenschaftsbezogen) noch als „fremdbestimmt“. Dabei hilft der DA auch nicht, dass in den vergangenen Jahren ihre prominentesten schwarzen Führungsfiguren sie verlassen haben. Dazu gehört der frühere Leiter der DA, Musi Maimane und der frühere Bürgermeister von Johannisburg Herman Mashaba, die beide in der DA keine Zukunft für sich sahen. Die kontroversen Äußerungen der ehemaligen weißen Vorsitzenden Helen Zille zu positiven Effekten des Kolonialismus oder dass sie Schüler aus der Ostkap, die in die Metropole Kapstadt gezogen sind, als „Bildungsflüchtlinge“ bezeichnete und einige Äußerungen mehr, hat in den vergangenen Jahren viele potentielle Wähler aus der schwarzen Mittelklasse abgeschreckt.

Korruption

Viel mehr als die DA steht jedoch die Regierungspartei ANC derzeit in der öffentlichen Kritik. Das hängt vor allem mit einem Thema zusammen, das im Laufe des Corona-Lockdowns noch eine beschämende Zuspitzung erhalten hat: Korruption. Die Regierung hat für hiesige Verhältnisse riesige finanzielle Zuwendungen für den Kampf gegen die Ausbreitung des Corona Virus bereitgestellt. Dazu gehört ein Maßnahmenpaket, das ungefähr 25 Milliarden Euro wert ist. Außerdem wurde vom Internationalen Währungsfond eine Anleihe im Wert von 3,6 Milliarden Euro gewährt. Ein Teil dieses Geldes ist für die Beschaffung von PPE (Personal Protective Equipment) – Schutzkleidung für medizinisches Personal, Masken, Desinfektionsmittel usw. bestimmt. Inmitten des extremen Lockdowns berichtete die Presse dann von den ersten Korruptions-Verdachtsfällen unter hochrangigen Regierungsvertretern und Staatsbeamten. Firmen, die gerade ein paar Wochen existierten und die Verwandten von einflussreichen Politikern gehörten, bekamen plötzlich millionenschwere Lieferaufträge. Zu den „Tenderpreneurs“ (aus „Tender“, d.h. hier Regierungs-Auftrag, und „Entrepreneur“, d.h. Unternehmer), wie hierzulande bereits länger die Geschäftsleute genannt werden, die es durch gute Beziehungen zu Regierungsbeamten schnell zu Reichtum brachten) gesellten sich nun die „Covidpreneurs“, die aus der Krise Profit schlugen. Zu den damit in Verbindung Gebrachten gehörten ausgerechnet der Gesundheitsminister der Provinz Gauteng, die Pressesprecherin des Präsidenten sowie der Generalsekretär des ANC.

Die Frustration der Bevölkerung wegen dieser Art Korruption in dieser Stunde der Not ist riesig und der Präsident sowie die ANC Führung bemühen sich um Schadensbegrenzung. Es sollen nun zahlreiche hochrangige Politiker vor die interne Ethikkommission des ANC (Integrity Commission) geladen werden. Auch der Präsident wird dort vorsprechen – allerdings im Zusammenhang mit Spenden, die er für seine Kampagne 2017 verwendet hat (zur Wahl des ANC Präsidenten). Es scheint, dass der Zynismus unter der Bevölkerung hinsichtlich der weitverbreiteten Korruption wächst.

Heute – am 15. September – finden durch den Südafrikanischen Kirchenrat (SACC) koordiniert landesweit in allen sieben Provinzen Schweige-Proteste von Kirchenleitenden gegen Korruption statt. Die KirchenvertreterInnen sind empört, dass auch leitende Regierungsmitglieder in Korruption verstrickt sind und fordern eine schonungslose Aufdeckung. Es wird daran erinnert, dass Korruption ein Verbrechen an den Ärmsten in der Gesellschaft ist, da Gelder, die zur Armutsbekämpfung und Infrastruktur (Strom- und Wasserzufuhr) gebraucht werden, durch dunkle Kanäle verschwinden. Als Kirche sehen sie sich in der Pflicht dies öffentlich anzuprangern und gleichzeit für die innere Umkehr der Schuldigen zu beten, wie es in einer öffentlichen Stellungnahme heißt.

Eine weitere Folge von Korruption und schlechter Planung sind die in den vergangenen Wochen wieder regelmäßig vorkommende landesweiten Stromausfälle. Auf Grund der jahrzehntelangen Vernachlässigung von Wartung sind viele der relativ alten Kohlekraftwerke des Landes sehr störanfällig. Während extensive Elektrifizierungsmaßnahmen, Strom in viele ländliche Gegenden geliefert hat und Wirtschaft und Bevölkerung gleichzeitig wuchsen, wurde nicht in steigende Stromerzeugung investiert. So ist das System insgesamt überlastet und für eventuelle Störfälle gibt es kaum Ausweichmöglichkeiten, bzw. Reserven. Das führt zum sog. „load shedding“, d.h. durch gezieltes Stromabschalten wird der landesweite Verbrauch so gedrosselt, dass keine Überlastung des Stromnetzes vorkommt, die zu einem landesweiten Totalausfall führen würde, mit katastrophalen Konsequenzen. Load shedding ist nicht nur eine Unannehmlichkeit für die Bevölkerung, sondern schadet der Wirtschaft schwer, kostet wertvolle Arbeitsplätze und treibt Preise in die Höhe, da häufig teure Generatoren eingesetzt werden müssen, um den ausgefallenen Strom zu ersetzen. Die staatliche Stromgesellschaft ESCOM sagt vorher, dass diese Situation die kommenden 18 Monate bestehen bleiben wird, bis ein gründliches Wartungsprogramm genügend vorangeschritten ist. Korruptionsvorwürfe gibt es zu vielen Aspekten der Stromerzeugung. Milliarden sind an überteuerte Kohlelieferungsverträge, Beraterfirmen und andere dubiose Vorgänge verloren worden.

Ungleichheit in der Bevölkerung

Dass Südafrika eine extreme Ungleichheit in der Bevölkerung in allen Lebensbereichen aufweist ist bereits ausreichend bekannt. Wie überall auf der Welt, hat auch hier die Corona-Pandemie diese Ungleichheit weiter verschärft. Ein Beispiel dafür ist der Bereich Bildung. Monatelang blieben Schulgebäude geschlossen. Das hatte jedoch völlig unterschiedliche Konsequenzen für Schüler*innen der (verhältnismäßig wenigen) gut ausgestatteten Schulen und dem Gros der Lernenden, denen solche Schulen nicht zur Verfügung stehen. Auf der einen Seite stellten sich entsprechend ausgestattete Schulen beeindruckend schnell auf digitales Lehren und Lernen um. Den Schüler*innen aus mittleren und höheren Einkommensgruppen standen zu Hause Laptop und entsprechend schnelles Internet zur Verfügung. Der Unterricht konnte ohne nennenswerte Unterbrechungen weitergehen. Anders sieht es in der überaus großen Mehrheit der (staatlichen) Schulen aus, bei denen monatelang der Unterricht komplett ausfiel. Bis heute ist regulärer Unterricht in vielen Fällen noch nicht wieder eingeführt worden.

Die Konsequenzen sind vielfältig. Einerseits sind die, die im Bereich Bildung sowieso bereits benachteiligt sind, nun noch weiter ins Hintertreffen geraten. Darüber hinaus verloren zigtausende Kinder monatelang ihre einzige warme Mahlzeit, da Schulessen nicht stattfinden konnten. Weiterhin war eine große Anzahl von Kindern unbeaufsichtigt – nicht nur in sogenannten „child headed families“ (kinderreiche Familien), sondern auch bei den Kindern von „essential workers“ (systemrelevante Arbeitende), die auch zu strengsten Lockdown-Zeiten arbeiten mussten und für die Kinder derer, die mit der Arbeit begannen, als die Lockdown-Regelungen sukzessive gelockert wurden. Die Berichte über Gewalt an Kinder und Frauen während dieser Monate mehren sich dramatisch.

Rev. Dr. Joe Lüdemann

 

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Situation der Partnerkirchen des ELM in Südafrika

Lesen Sie zur Situation der Partnerkirchen des ELM in Südafrika den zweiten Teil des Berichtes von Pastor Dr. Joe Lüdemann:

Evangelical Lutheran Church in Southern Africa (ELCSA)
Kirche im Lockdown!

Eine Kirche, deren zentraler Ausdruck das gemeinsame Gottesdienstfeiern ist – in großen Gruppen, dicht gedrängt, lebendig singend und tanzend, haben die Lockdown-Bestimmungen der Corona-Pandemie besonders hart getroffen. Die einzigen in ELCSA derzeit stattfindenden gottesdienstlichen Feiern sind Trauerfeiern. Dabei gelten für die Bestattung derer, die an den Folgen einer Corona-Infektion starben, nochmal verschärfte Bedingungen.
Dazu kommt, dass das Finanzierungssystem, das hauptsächlich darauf aufgebaut ist, dass Kirchenglieder Bargeld in den Kollektenkorb legen, nun stark beeinträchtigt, wenn nicht gar zusammengebrochen ist. Nur wenige Kirchenglieder in der Stadt tätigen Überweisungen. Das bedeutet, dass auf Diözesen-Ebene gespart werden muss. Als erstes werden Überweisungen in die Rentenkassen eingeschränkt oder gestrichen. Danach wird von der Kirche einbehaltene Lohnsteuer nicht mehr an die Steuerbehörde weitergeleitet. Als nächsten Schritt gibt es eine Gehaltskürzung von Pastor*innen. Wenn dies auch nicht flächendeckend umgesetzt wird, so ist es doch häufig die Folge der drastischen Einnahmenrückgänge.
Selbst nach den Lockerungen der Lockdown-Regelungen, die ab dem 1. Juni unter „Stage 3“ auch religiöse Feiern für bis zu 50 Personen unter strikten Auflagen erlaubten, hat die ELCSA Kirchenleitung angeordnet, die Kirchen vorerst geschlossen zu halten. Das dauert bis jetzt an. Es wurden ausführliche Richtlinien zur Vorbereitung einer Öffnung von Kirchengebäuden zu Pandemie-Zeiten erstellt und bis auf Gemeinde-Ebene ELCSA-weit „Covid-19 Compliance Task Teams“ zur Vorbereitung, Durchführung und Einhaltung der Maßnahmen gebildet. Dazu gehört u.a. das Bereitstellen von Desinfektionsmittel für die Hände und für die gründliche Reinigung der Kirchengebäude nach jeder Nutzung, Infrarot-Thermometer, Markierungen für Sitzplätze usw. Ärmere Gemeinden stellt dies vor hohe zusätzliche Kosten.
Die in Deutschland weit verbreiteten Online-Angebot von Kirchengemeinden oder auch Kirchenleitung ist hier in der Breite nicht anzutreffen. Es werden kirchenweite Gottesdienste ELCSA-Ebene von verschiedenen Pastoren und Laien per Zoom gemeinsam gestaltet und über YouTube oder Facebook geteilt. Neu sind in diesem Kontext insbesondere bei der ELCSA sogenannte Youth League Zoom-Vorträge -Diskussionen zu verschiedenen Themen, denen über YouTube oder Facebook gefolgt werden kann. Dazu gehört z.B. das Thema des Verhältnisses von christlichem Glauben und traditionellen Heilern/ Heilungsmethoden.
Auf ökumenischer Ebene veranstaltet der Südafrikanische Kirchenrat Webinare, z.B. zum Thema „Patterns & Anatomy of the Corruption & How to Defeat it.“ (Muster & Beschaffenheit der Korruption und wie man sie bekämpfen kann). Einige Gemeinden streamen jeden Sonntag Gottesdienste, die von Pastor*innen entweder in der Kirche oder im Familienkreis gehalten werden. Die weitaus am Intensivsten genutzte digitale Plattform ist jedoch WhatsApp, durch die sehr kostengünstig Andachten und Predigten als Sprachnachrichten verschickt werden können.
Mehrere Gemeinden bemühen sich, ihren Teil zur Linderung der Not derer beizutragen, die besonders hart von den wirtschaftlichen Folgen des strengen Lockdowns getroffen sind. Diese Hilfe besteht häufig in der Verteilung von Lebensmittelpaketen oder Einkaufsgutscheinen als Überbrückungshilfe für diejenigen, die im strengen Lockdown ihrem Einkommenserwerb im informellen Sektor durch Ausgangssperren nicht nachkommen konnten – z.B. denen, die am Straßenrand Lebensmittel oder andere Güter verkaufen, aber auch denen, denen durch die Schulschließungen das dortige Schulessen in der Versorgung der Familie fehlt. Mit der steigenden Arbeitslosigkeit wächst auch die Not. Dabei ist allen klar, dass diese Maßnahmen nur temporär und nicht nachhaltig sind – aber eben eine notwendige Krisenintervention. Einige Kirchenkreise aus den ELM Trägerkirchen und das ELM selbst haben sich bereits tatkräftig in der Unterstützung solcher Projekte eingesetzt.
Wie geht es weiter? Präsident Ramaphosa hat eine baldige weitere Lockerung der Lockdown-Regelungen angedeutet. Das könnte eine Erhöhung der möglichen Gottesdienstbesucherzahl bedeuten – abhängig von der Größe der Räumlichkeit und der Möglichkeit der Einhaltung der geltenden 1,5 Meter-Abstandsregelung. Die ELCSA Kirchenleitung wird sicherlich bis Ende September die generelle Schließung von Kirchengebäuden aufheben. Erst dann wird man sehen, wie realistisch eine Einhaltung der strengen Auflagen im Kriterienpapier der Kirchenleitung ist. Dazu gehört auch, dass Kinder sowie Menschen im Alter von 60 und darüber gebeten werden, nicht an Gottesdiensten teilzunehmen – auch nicht Personen mit Vorerkrankungen. Das schließt einen nicht unerheblichen Teil der aktiven Kirchenmitglieder der ELCSA aus – auch wenn die Alterspyramide der Mitglieder sicherlich nicht der der deutschen Trägerkirchen-Gottesdienstbesucher gleicht.

Leitungskrise in der ELCSA South-Eastern Diocese (ELCSA-SED)

Die im November 2017 abgehaltene Bischofswahlsynode der ELCSA-SED wurde einen Monat später von der ELCSA Kirchenleitung annulliert. Ende Januar 2018 trat Bishop P.P. Buthelezi in den Ruhestand. Seitdem hat der ELCSA Presiding Bishop diese große Diözese der ELCSA kommissarisch geleitet – zuerst Bishop A.M. Mnisi und derzeit Bishop U.J. Ubane. Der Annullierung der Wahl folgte eine Zeit vieler Konflikte in der Diözese. Dazu gehörten die Suspendierung der Mehrheit der Superintendenten, Spannungen zwischen verschiedenen Gruppen, die auch einige Kirchengemeinden spalteten. und eine langsam anwachsende Desillusionierung von Gemeindegliedern in der gesamten Diözese, die sich auch durch einen Rückgang in Kirchbeiträgen und -spenden niederschlug, was auch die Bezahlungen von Pastoren zusehends erschwert.
ELCSA Presiding Bishop Ubane konnte sich schließlich gegen viele Hindernisse durchsetzen und mit Hilfe eines Task Teams des neu besetzten ELCSA Church Councils am 24. August 2020 endlich eine Wahlsynode in der SED durchführen. Um die Lockdown-Regelungen einzuhalten, wurde am Ort der Diözesanleitung in Umphumulo in vier verschiedenen Räumlichkeiten getagt, die jeweils durch Zoom verbunden waren. Wie auch schon bei der annullierten Wahlsynode vom November 2017 wurde der bisherige Vizebischof (der zwischenzeitig auch zu den suspendierten Superintendenten gehörte) zum neuen Bischof der ELCSA-SED gewählt: Bishop elect N.M. Myaka (derzeit Superintendent im uMgeni Circuit und wieder Vizebischof). Die Einführung ist für den 27. September vorgesehen, wobei noch nicht klar ist, wie diese unter Lock down-Bedingungen aussehen soll. Es ist jedoch Eile geboten, da der Bischof sich erst nach seiner Einführung an die Klärung der vielen Krisen in der Diözese machen kann, die durch den faktischen Stillstand der letzten fast drei Jahre geschehen sind. Als erstes stehen jedoch Dean- (Superintendenten) Wahlen in allen Kirchenkreisen der Diözese an, die auf Grund der Krise nicht wie geplant 2017 stattfinden konnten.

Wie geht es weiter?

In den kommenden Monaten wird die ELCSA Kirchenleitung neben der Reaktion auf die Corona-Pandemie auch mit der Vorbereitung weiterer Bischofswahlen beschäftigt sein. Bischof K.E. Khodoga, der erst im Juli 2018 als Bischof der ELCSA Northern Diocese eingeführt wurde, verstarb nach längerem Krebsleiden am 11. April 2020. Bischof Dr. M.W. Rakuba der ELCSA Central Diocese hat bereits vor einigen Monaten das Rentenalter überschritten. Beide Wahlen werden hoffentlich bald stattfinden können. Ein Beschluss der ELCSA Kirchenleitung im Hinblick auf die ELCSA Botswana Diocese, die bereits seit mehreren Jahren keinen Bischof mehr hat, steht aus. Es wird bereits jahrelang untersucht, ob diese Diözese finanziell und strukturell Sinn macht, oder ob eine andere Struktur gewählt werden sollte. Der letzte aktive Bishop – Dean Titus – ist bereits 2019 zurücktreten – auch aus dem Vollzeit-Pastorenamt.

Nachdem die beiden leitenden Figuren der ELCSA Kirchenverwaltung bereits im Juli 2019 vom Dienst suspendiert wurden (ELCSA General Secretary P.B. Mathe und ELCSA General Treasurer B. Zulu) zieht sich deren Disziplinarverfahren hin. Auch die Versuche in der 40-Millionen-Rand-Krise zumindest einen Teil der Summe zurück zu erlangen gestaltet sich als schwierig.

Northeastern Evangelical Lutheran Church in South Afrika - NELCSA (ehem. ELCSA-NT)
Die NELCSA konnte sich verhältnismäßig gut auf den Corona-Lockdown einstellen. Zunehmend wird jedoch auch in einigen ihrer Gemeinden die Finanzlage durch die steigende Arbeitslosigkeit schwieriger. Auch wenn die Kirche keine generelle Schließung der Kirchengebäude für Gottesdienste angeordnet hat, haben doch bisher nur ungefähr 10% der Gemeinden die Möglichkeiten genutzt, sich unter gelockerten Lockdown-Bedingungen mit bis zu 50 Menschen zu treffen. Dies wird sich jedoch voraussichtlich im kommenden Monat deutlich ändern, sollten die Infektionszahlen weiterhin rückläufig sein. Den Gemeinden ist von der Kirchenleitung Geld zur Anschaffung der notwendigen Hygienemittel zugewiesen worden.
Das Online-Angebot in der NELCSA ist – auch im Vergleich zur Größe der Kirche – gut. Mehrere Gemeinden „streamen“ Gottesdienste, bzw. stellen Aufnahmen über YouTube oder andere Plattformen zur Verfügung. Aufnahmen verschiedener Kirchenmusikveranstaltungen einzelner Gemeinden oder auch der Kirche insgesamt werden regelmäßig online gestellt. Die Kirchenleitung hat eine Predigtreihe auf YouTube und Facebook zur Verfügung gestellt: „Winter Series Sermons“ (Winter-Predigtreihe).
Besonders erfolgreich war eine per Zoom abgehaltene Gesamtpfarrkonferenz der NELCSA mit dem Thema „Discovering the new normal“. Dabei ging es zunächst nicht vorrangig darum, neue Kommunikationsmöglichkeiten von Kirche zu diskutieren. Ausgehend von der Zusage, dass Jesus seine Kirche baut (z.B. Matthäus 16,18) wurde danach gefragt, wo Gott bereits wirkt. So sind Nachfolger Jesu Christi erst einmal eingeladen, Entdecker und nicht Erfinder zu sein – entdecken, wo Gott bereits jetzt und jetzt neu am Werk ist.
 
Evangelical Lutheran Church in Botswana (ELCB)

In Botswana sind die Covid-19 Infektionszahlen insgesamt sehr gering: Im Land gibt es 1.724 Infizierte und 6 Todesfälle (Stand 9.9.2020). Viele Bewohner des South-East District von Botswana haben Verwandte jenseits der Grenze nach Südafrika. Es findet einiges an „border hopping“ (Grenzwechseln) statt, obwohl die Grenzen nach Südafrika seit März für Personenreisen geschlossen sind. Dies ist das Hauptrisiko, was die Verbreitung von Covid-19 in Botswana angeht. Trotzdem sind die wirtschaftlichen Auswirkungen beträchtlich. Der internationale Tourismus – eine wichtige Einnahmequelle – liegt total brach. Andere Wirtschaftszweige – auch auf Grund der großen Abhängigkeit vom Nachbar Südafrika – sind stark betroffen. Dies hat einen Anstieg der Arbeitslosigkeit zur Folge.
Die ELCB hat zwar keine generelle Schließung der Kirchgebäude für Gottesdienste angeordnet (abgesehen von den Zeiten eines „harten Lockdowns“ in Botswana), aber lediglich die Hälfte der Kirchen sind wieder geöffnet. Auch diese Gemeinden sehen einen starken Rückgang an Gottesdienstteilnehmenden – auch bis zu 50 %. Bischof Letlhage beschreibt, wie die Kirche und ihre Mitglieder für eine schnelle Überwindung der Pandemie beten. Die finanziellen Auswirkungen für diese Kirche sind erheblich. Pastor*innengehälter zu zahlen wird immer schwieriger – in einigen Fällen unmöglich.

Bamalete Lutheran Hospital (BLH)

Das BLH ist durch seine Lage direkt an der südafrikanische Grenze („border hopping“) besonders in Berührung mit Covid-19 gekommen. Am 10. August wurde einer der Ärzte positiv auf das Virus getestet und das Hospital musste für 10 Tage für Außenpatienten geschlossen werden. Nach der erforderlichen Quarantänezeit konnte der Normalbetrieb wieder aufgenommen werden. Covid-19 Patienten werden jedoch (nach einer eventuell notwendigen Stabilisierung) an das dafür bestimmte Sir Ketumile Masire Teaching Hospital in Gaborone verwiesen. Alle hilfesuchenden Außenpatienten des BLH werden erst auf Covid-19 Symptome hin untersucht und im Falle eines Verdachts in die provisorische Covid-19 Station (Gebäude der HNO Klinik) verwiesen, bis ein Testergebnis vorliegt.
Bereits seit Monaten ziehen sich die Verhandlungen zu dem neuen „Grant Agreement“ zwischen BLH und dem Gesundheitsministerium hin. Die Verhandlungen zwischen ELM und den lokalen Partnerkirchen im Hinblick auf eine Übernahme des ELM-eigenen Hospitals sind durch die Corona-Pandemie verzögert, werden aber demnächst wieder aufgenommen und hoffentlich im kommenden Jahr zu einem erfolgreichen Ende geführt werden.

ELCSA Cape Church

Die ELCSA Cape Church (Kapkirche) gehört noch nicht zu den ELM Partnerkirchen und hat direkte Beziehung zu der Landeskirche Hannovers. Es ist eine relativ kleine Kirche, deren Gemeinden sich jedoch in den großen Provinzen der Western Cape und der Eastern Cape in Südafrika verteilen. Die Verhandlungen zu einem Partnerschaftsvertrag mit dem ELM stehen kurz vor dem Abschluss. Auch in dieser Kirche sind die Kirchengebäude für Gottesdienste bisher geschlossen, wenn auch die Entscheidung den Gemeinden selbst überlassen wurde. Die finanziellen Auswirkungen auf Kirche sind unterschiedlich. Einige Gemeinden können die üblichen Überweisungen an die Kirchenleitungen nicht vornehmen, da Gemeindeglieder aus unterschiedlichen Gründen weniger Beiträge leisten. In einigen anderen Gemeinden sind jedoch Menschen durch das neue Online-Angebot so angesprochen worden, dass sie nun finanziell unterstützen, obwohl sie dies vor der Corona-Pandemie nicht taten.
Wenn die Infektionszahlen weiterhin rückläufig sind, überlegen einige Gemeinden, die Kirchengebäude (zunächst für Kleingruppenangebote) zu öffnen. Sollten sich die Menschen an die notwendigen Maßnahmen halten, kann dann auch das Abhalten von Gottesdiensten wieder eingeführt werden.

Lebensmittelgutscheine für bedürftige Familien

Auch mit der Unterstützung des ELM führt die ELCSA Cape Church ein Corona-Projekt durch. Es werden Lebensmittelgutscheine gekauft und diese an bedürftige Menschen verteilt. Dadurch hat sich eine Zusammenarbeit mit zwei Kirchenkreisen der ELCSA (Cape Orange Diocese) ergeben: den Western Cape und Moria Kirchenkreisen, in denen ein erheblicher Teil der Lebensmittelgutscheine an bedürftige Familien weitergegeben wird.

Evangelical Lutheran Church in Malawi (ELCM)

In der ELCM trifft die Corona-Pandemie auf ein Land, das bereits vorher unter Armut schwer zu leiden hatte. Die erfassten Infektionsraten sind wie in vielen afrikanischen Ländern relativ niedrig (Stand 10.09.2020: 5.621 Infektionen und 176 Todeszahlen). Dabei sind die stark eingeschränkten Erfassungsmöglichkeiten zu bedenken und daher auch eine entsprechend hohe Dunkelziffer.
Bereits im April hatte ein Gruppe von NGO’s, die Human Rights Defenders Coalition (HRDC), erfolgreich gegen einen strengen Lockdown (vom Präsidenten Mutharika angeordnet) geklagt. Die Befürchtungen der Kläger waren, dass ein schlecht geregelter strenger Lockdown viel mehr Schaden unter den Ärmsten der Bevölkerung anrichten würde, als der Schaden, den es anrichten würde, wenn man auf den Lockdown verzichten würde.
Die ELCM hat die meisten Kirchen weiterhin für Gottesdienste geöffnet. Dabei werden die Sicherheitsabstände (1,5m) und Maskenpflicht eingehalten. Es scheint fast, als würden in diesen Zeiten noch mehr Menschen den Gottesdienst besuchen als sonst, wird berichtet.
Auch die ELCM berichtet durch die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Bevölkerung von wachsenden Finanzschwierigkeiten in der Kirche. Das ELM unterstützt Projekte in der ELCM in dieser Zeit finanziell – z.B. Präventionsarbeit der ELCM in Grenzgebieten, in denen das Infektionsrisiko an Covid-19 besonders hoch ist. Das höchste Übertragungsrisiko in Malawi besteht auf den öffentlichen Märkten, in denen durch die Menschenmengen Abstandsregelungen nicht eingehalten werden können und bei denen auch kaum auf Masken oder sonstige Hygienemaßnahmen geachtet wird.

Mabel Madinga geht in den Ruhestand

Nach zwanzig Jahren Dienst ist die Verwaltungsleiterin der Kirche, ELCM General Secretary Mabel Madinga, im Juni in den Ruhestand verabschiedet worden. Sie hat der Kirche in dieser Zeit zusammen mit Bischof J. Bvumbwe in der Entwicklung von einer kleinen, wenige Gemeinden umfassenden hin zu einer landesweit präsenten und auch in der Gesellschaft aktiven und geachteten Kirche begleitet. Auch für die Zusammenarbeit mit der ELCM war Frau Madinga für das ELM eine stets offene und sehr kompetente Gesprächspartnerin.

In meinem Arbeitsbereich als „Assistant Pastor“ der ELCSA Durban Central Parish habe ich das online Angebot der Gemeinde gleich zum ersten Sonntag in der Lockdown Zeit (Ende März) eingeführt und dann ab Mai zusammen mit meinen beiden Kollegen (Parish Pastor Danise und Self-Supporting Pastor Majola) Predigten ins Netz gestellt und per Sprachnachricht über WhatsApp an die Gemeindeglieder und darüber hinaus verteilt.
Wie in einem früheren Schreiben mitgeteilt, hat die Prayer Women’s League eine Lebensmittelpaket-Aktion begonnen, die wir inzwischen jeweils monatlich für 45 bedürftige Familien weitergeführt haben mit Hilfe privater Spender und dann auch unseres Partnerkirchenkreises Melle-Georgsmarienhütte (Sprengel Osnabrück).
Dass das Kirchengebäude St. Michael’s in der Durbaner Innenstadt nun zu Lockdown-Zeiten geschlossen ist, haben wir in den vergangenen Monaten zu extensiven Anbau- und Renovierungsarbeiten genutzt. So konnte ich mal wieder an meine „Bauaufsichtserfahrungen“ aus früheren eTshaneni Parish-Zeiten anknüpfen! Allerdings haben wir es hier auch mit Baugenehmigungen, Denkmalschutz und Inspektoren zu tun – alles Worte, die uns in der Tshaneni Parish überhaupt nicht begegneten. Dafür gibt es hier immerhin fließend Wasser, was beim Bauen sehr hilfreich ist.

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