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COVID-19 - Unterbrechung und Chance

Mein Name ist Elke Carrihill. Ich bin Pastorin in einem kleinen Ort namens Winterton am Fuße der majestätischen Drakensberge in der süd-afrikanischen Provinz KwaZulu-Natal.

COVID-19 kam Mitte März 2020 in Südafrika an (zumindest wurde da bei der ersten Person, bekannt als Patient 0, das Virus diagnostiziert). Wie der Rest der Welt stand auch Südafrika vor der Frage, wie es angesichts dieses unsichtbaren „Feindes“, der in jedem Winkel der Welt Verwüstungen anrichtete, reagieren und was es tun sollte. Die südafrikanische Regierung ordnete ab dem 26. März 2020 für drei Wochen eine völlige „Abriegelung“ an,. So sollte die Kurve abgeflacht und unser Gesundheitssystem angekurbelt werden, um die erwartete Flut von COVID-19-Fällen bewältigen zu können. Wie überall auf der Welt schien auch hier die Abriegelung das Alltagsleben zu stoppen. Auch das Leben in unserer Region. Das Leben wurde ruhig und still, weil die Menschen zuhause blieben. Das Einzige, was in unserer Stadt auf dem Land anders war, war, dass die Landwirtschaft weiterarbeitete. Die Notwendigkeit ausreichender Ernährung und die Aufrechterhaltung zumindest eines Teils der Nahrungsmittelproduktion hielten unseren Ort am Leben. Natürlich gab es viele Herausforderungen, aber es gab immer noch Leben und Arbeit. Zumindest, und dieser kleine Teil der Wirtschaft konnte weitergehen.

Aber für viele andere war dies nicht der Fall. Die Drakensberge sind ein beliebtes Reiseziel für einheimische und internationale Tourist*innen. Dieser Wirtschaftszweck wurde hart getroffen. Internationale und lokale Reisen wurden untersagt und die Anbieter mussten ihre Betriebe schließen. Die Tourismusindustrie bietet vielen Menschen viele Arbeitsplätze. Das hat zu einer weiteren Krise geführt; viele Menschen haben ihre Einkommensmöglichkeiten verloren. Plötzlich waren sie nicht mehr in der Lage, ihre Familien mit dem Nötigsten zu versorgen.
Armut in unserer Region bedeutet für viele Menschen Hunger. Die örtlichen Nichtregierungsorganisationen, gemeinsam mit Landwirt*innen und großzügigen Spender*innen, sowie die örtlichen Kirchen kamen zusammen, um zu versuchen, für die Grundbedürfnisse der Armen zu sorgen. Lebensmittelpakete wurden verteilt, einheimische Frauen nähten Masken, Menschen boten an, die Lebensmittel zu verteilen ...  Ja, wir haben gesehen, wie eine Gemeinschaft von Menschen zusammenkam, um zu versuchen, für die Ärmsten der Armen zu sorgen. Eine Gemeinschaft, die sich zusammenfindet, um „Lebensmittel auf die Tische der von Armut betroffenen Häuser zu bringen“.

Aber abgesehen davon, dass für diese Grundbedürfnisse (bis zu einem gewissen Grad) gesorgt wurde, musste sich die Gemeinschaft auch der Realität stellen, in ihren Häusern zu bleiben. Zusammenkünfte untereinander waren nicht erlaubt. Meiner Erfahrung nach haben wir es aber geschafft (und versuchen es auch weiterhin), Essen auf den Tisch zu bringen - aber das Bedürfnis nach Gemeinschaft und  Austausch hat in den letzten Wochen zugenommen.
Die Kirchen haben mit verschiedenen technischen Mitteln versucht, die geistlichen Bedürfnisse der Menschen zu stillen. So sehr wir die Technologie auch schätzen (Whatsapp, Youtube, Zoom, Facebook usw.), so sehr schließt sie doch immer noch die Mehrheit der Bevölkerung aus, die keinen Zugang zu Daten, Smartphones oder Internet hat. Der Zugang zu Technologie ist in verarmten ländlichen Gemeinden nicht selbstverständlich. Und so sehr ich die Technologie und die Möglichkeiten, die sie uns in diesen Zeiten bietet, schätze, kann ich mich nicht von der quälenden Realität befreien, dass dies eine Lösung für die Mittelschicht, aber nicht für die Armen ist. Ich habe keine Lösung - nur ein trauriges Bewusstsein für diese Wahrheit.

ABER: Unsere Ortsgemeinden haben sich eine kleine Art der Zusammenkunft ausgedacht (da die Kirchen in Winterton ihre Kirchen noch nicht für den gemeinsamen Gottesdienst geöffnet haben). Um ein Gefühl von Gemeinschaft und Zugehörigkeit zu schaffen, laden sie als Zeichen der Hoffnung und Ermutigung jeden Sonntag von 8:00-9:00 Uhr zu Gebetsspaziergängen ein. Christ*innen aus verschiedenen Kirchen kommen zusammen, um in kleinen Gruppen durch die Straßen von Winterton und Khethani (die örtliche Township) zu gehen, zu beten und zu singen. Auf diese Weise versuchen wir, etwas Hoffnung und Licht in die Straßen unseres Ortes zu bringen. Dies ist ein Segen und eine Quelle der Ermutigung und Hoffnung.

COVID-19 ist zu einem Teil unseres Lebens geworden. Wir haben gelernt, in der Öffentlichkeit Masken zu tragen; wir haben den Wert und die Notwendigkeit der sozialen Distanz verstanden. Wir lernen, mit dem Virus als ständigem Begleiter und Bedrohung zu leben.
ABER wir leben! Ja, es hat Leben gestört; ja, es hat Unternehmen zerstört; ja, es hat die Gesundheit und die Lebensgrundlagen vieler Menschen bedroht; ja, es hat die Armen ärmer gemacht; ja, es hatte verheerende Auswirkungen auf Leben und Wirtschaft. Aber es hat auch Menschen aus verschiedenen Lebensbereichen die Möglichkeit eröffnet, gemeinsam  ihren Nachbar*innen zu unterstützen, Menschen zu versorgen und zu pflegen.  

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