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Corona Update Russland | Juli 2020

ELM-Mitarbeiter Bradn Buerkle,  Leiter der Fortbildung für Gemeindeleitende in der gesamten Russischen Föderation, schildert die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf seine Arbeit:

Russland begann später als fast jedes andere Land in Europa auf das Coronavirus zu reagieren. Von Anfang an hat Misstrauen gegenüber Behörden und das Fehlen an persönlicher Erfahrung mit COVID-19 dazu geführt, dass viele Menschen die Empfehlungen zur öffentlichen Sicherheit ignorierten. Da sich das Virus in den Großstädten schnell verbreitete und dort strenge Durchsetzungsmaßnahmen eingeführt wurden, wurde das Verhalten der Menschen positiv beeinflusst. Leider bedeutete dies kein Ende der Pandemie. Darum kennen nun die meisten Menschen in den Großstädten jemanden, der am Coronavirus erkrankt ist. Viele haben Angehörige durch die Krankheit verloren; auch in unseren Gemeinden in diesen Städten. 
In den meisten anderen Regionen des Landes hat jedoch eine niedrigere Infektionsrate in Verbindung mit einer langen Zeit der Unsicherheit dazu geführt, dass die Pandemie von der Öffentlichkeit nie sehr ernst genommen wurde. Viele Menschen waren davon überzeugt, dass das Coronavirus eine Verschwörung oder ein Schwindel ist. In einer Entwicklung, die mit einer Abstimmung am 1. Juli über Verfassungsänderungen (die unter anderem die Wahl von Präsident Putin zum Präsidenten bis 2036 ermöglicht) zusammenhängen mag oder auch nicht, sind die meisten Lebensbereiche wieder „normal“ geworden, mit Ausnahme öffentlicher Versammlungen mit einer großen Anzahl von Menschen. 

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Diese Situation im Land überhaupt hat natürlich viele Aspekte des kirchlichen Lebens verändert.  Mit wenigen Ausnahmen folgten die lutherischen Kirchen in Russland den Empfehlungen der nationalen und lokalen Regierungen bezüglich öffentlicher Versammlungen - für die meisten Orte bedeutete dies, dass die Türen der Kirchen im April und Mai geschlossen waren. Im Juni wurden die Beschränkungen in bestimmten Regionen aufgehoben, auch wenn es weiterhin Abstandsregeln und Begrenzungen für die Anzahl von Teilnehmer*innen bei Veranstaltungen gibt. In einigen Regionen (z. B. im Fernen Osten) gelten bis heute strenge Beschränkungen für öffentliche Versammlungen, während andere Gemeinden (z. B. Omsk) nun nicht nur den Gottesdienst, sondern auch Kleingruppenaktivitäten wieder aufnehmen können.

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Wie in vielen anderen Teilen der Welt gibt es auch hier in Russland eine Reihe von Gemeinden, die während der Zeit der Quarantäne und der Selbstisolierung eine Zunahme aktiver Teilnehmer*innen am Gemeindeleben erlebt haben. Die Gemeinden in Moskau, Tscheljabinsk und Omsk haben zum Beispiel eine hohe Zahl von Zuschauer*innen, die die Gottesdienste auf Youtube, Facebook live oder über das russischsprachige soziale Netzwerk VK verfolgen.
Wenn solches Engagement erfolgreich war, wird es mit Freude begrüßt. Oft mischt die sich mir der Befürchtung, dass die Online-Erfahrung das persönliche Gemeindeleben beeinträchtigt, sobald die Pandemiegefahr vorüber ist. Viele kleinere Gemeinden haben eine familienähnliche Atmosphäre, und viele ihrer Mitglieder zögern, die Technologie auch nur auszuprobieren, um ein spirituelles Leben zu entwickeln und die Gemeinschaft miteinander zu erhalten. Trotz dieser Herausforderungen sind in ELKUSFO insgesamt die Treffen des Konsistoriums und der Pastoren/Laienprediger*innen über Zoom besser als erwartet verlaufen, und diese Plattform wurde auch effektiv für Bibelstudien (im Fernen Osten), Gebetstreffen (Ural) und Konzerte (Sibirien) genutzt. Die Technologie hat neue, experimentelle Formen des kirchlichen Lebens ermöglicht (z. B. Jugendarbeit durch Whatsapp in Chakassien), auch wenn die allgemein konservative russische Denkweise hier gewisse Einschränkungen mit sich bringt (z. B. keine Online-Gottesdienste mit Abendmahl).
Ein besonderer Höhepunkt in dieser Zeit war für mich die Feier der Karwoche mit einer „Gemeinde“, der Teilnehmer*innen aus Berlin, St. Petersburg, Moskau, Tomsk, Irkutsk, Ussuriysk und Wladiwostok angehörten Diese Fähigkeit, geistlich zusammenzusein, hat unseren Sinn für Gemeinschaft untereinander gestärkt. Insgesamt hat diese Zeit als eine Zeit der Prüfung unserer Werte gewirkt: unserer Nachfolge und unserer Fähigkeit, für uns selbst und unsere Nachbarn zu sorgen.

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