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Aussetzung der Impfstoffe-Patente für die Zeit der Pandemie

Missionswerke fordern gerechte Verteilung von Impfstoffen

Für eine Aussetzung der Patentrechte auf Impfstoffe, die zur Bekämpfung der Pandemie nötig sind, setzen sich die Leitenden von zehn Missionswerken im Evangelischen Missionswerk in Deutschland (EMW) ein. Anlässlich der Verhandlungen mit der WTO fordern sie die deutsche Regierung und die Europäische Union auf, auch auf einer gerechten Verteilung von Vakzinen zu bestehen. 

 „Diese Ungerechtigkeit der Verteilung von Impfstoffen auf Kosten der Armen dürfen wir nicht hinnehmen.“, so die Leitenden der Missionswerke, deren Partner im Süden stark von der Ungleichheit betroffen sind.

Mit großer Sorge beobachten die Werke die Situation in den Ländern ihrer Partner- und Mitgliedskirchen im Pazifik, Asien, Afrika und Lateinamerika, in denen die medizinische Versorgung den Auswirkungen des Virus keinen Einhalt gebieten kann. Die Patente, die von den Industrienationen angemeldet wurden,   bedeuten für die Länder dieser Regionen eine große Benachteiligung beim Einkauf auf dem Weltmarkt. Es ist zu befürchten, so die Leitenden nach gemeinsamen Beratungen, dass unter den gegebenen Bedingungen es bis zu zwei  Jahre dauern könnte, bis in allen Ländern im globalen Süden genügend Impfungen durchgeführt werden können, um die Pandemie zu stoppen.

„Tausende Menschen werden an der Erkrankung, aber auch an den Folgen weltweiter Lockdown-Regelungen sterben, da dadurch die Armut und Hunger vervielfacht werden“, betont der EMW-Direktor Rainer Kiefer. Die Vertreter*innen der Missionswerke bekräftigten mit ihrer Forderung alle weltweiten Aufrufe zu einer gerechten Verteilung lebenserhaltender Impfstoffe, so Kiefer.

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Wie können Kirchen trotz Corona Bindung aufrechterhalten oder neu herstellen?

Das Format „Austausch unter Kirchen“ ist ein vom Ev.-luth. Missionswerk in Niedersachsen (ELM) moderiertes offenes Gesprächsformat zwischen Leitenden aus Partnerkirchen des ELM. Die Gesprächsteilnehmer verständigen sich gemeinsam darüber, an welchen Themen weitergearbeitet werden soll. Bei dem vierten Treffen dieser Art, ging es um

Veränderungen in den Kirchen, mit denen langfristig zu rechnen ist

Mit seiner Andacht zum Lehrtext für den 02. Februar 2021 (Apg. 4,29-30) gab Horst Müller, Bischof der Nordöstlichen Evangelisch-Lutherischen Kirche in Südafrika (NELCSA) die Richtung des Diskurses vor, nicht der Vergangenheit nachzutrauern, sondern den Blick nach vorne zu richten.

Im vierten Kapitel der Apostelgeschichte wird beschrieben, dass die erste christliche Gemeinde sich nach einer Phase des schnellen Wachstums in einer bedrängten Situation befindet:  Petrus und seine Begleiter wurden festgesetzt und verhört, weil sie die Juden im Tempel zur Bekehrung zu Christus aufriefen. Angesichts der Drohungen und Einschüchterungsversuche des Hohen Rates (der obersten religiösen und politischen Instanz der Juden und gleichzeitig das oberste Gericht) betet die Gemeinde: „Gib deinen Knechten, mit allem Freimut zu reden dein Wort. Strecke deine Hand aus zur Heilung und lass Zeichen und Wunder geschehen durch den Namen deines heiligen Knechtes Jesus.“ (Apg. 4, 29-30)
In dieser Lage, so legt Müller den Text aus, könnte die Gemeinde um die Änderung der Verhältnisse bitten, die sie bedrängen. Das tut sie aber nicht, sondern sie bittet unter den schwierigen Verhältnissen um den Mut, das zu tun, was Gottes Willen entspricht.
Müller zeichnet eine Parallele zur heutigen Situation, in der es darum gehen könnte, nicht darum zu bitten, dass Corona endlich vorbei ist, sondern dafür zu beten, dass wir unter den Bedingungen von Corona, Entscheidungen treffen und Dinge tun, die Gott gutheißen würde.

In dem sich anschließenden Gespräch erinnert Müller daran, dass sich in der jetzigen durch Corona geprägten Zeit, viele fragten: Wie lange dauert das noch? Stattdessen sollten sie, so Müller, fragen: Was ist jetzt dran?

Dirk Stelter, Oberkirchenrat der Landeskirche Hannovers, spricht sich ebenfalls entschieden für den Blick nach vorne aus: „Wir sollten nicht von einer „Rückkehr zur Normalität“ träumen. Wie in Jeremia 29, wo der Prophet die Verbannten aufruft, sich auf das Leben im Exil einzustellen und am neuen Lebensort „der Stadt Bestes“ zu suchen. In der Bibel spielt die Erinnerung an Gottes Handeln eine große Rolle, aber nicht als wehmütiger Blick in die Vergangenheit, sondern als Ermutigung zur Bewältigung der neuen Herausforderungen.“

Die Renaissance der Hauskreise?

Alexander Scheiermann, Bischof der Ev.-luth. Kirche Ural, Sibirien und Ferner Osten (ELKUSFO),  plädiert wie die anderen für den Blick nach vorn. Um zu eruieren, was heute zu tun sein könnte, blickt er in die Vergangenheit der russischen Kirche zur Zeit der Sowjetunion: „Damals spielte sich das Gemeindeleben in kleinen Gruppen ab, Hauskreisen. Es war viel persönlicher.“ Und er stellt sich die Frage, ob heute wo der Glaube in Russland frei gelebt werden könne, diese Gemeinschaft nicht verloren gegangen sei. Gleichzeitig fragt er sich, welche Konsequenzen eine Kirche tragen müsse, wenn sie stärker auf Hauskreise setzen würde: „Können sich nicht Hauskreise, etc. auch online treffen? Und was würde es für eine Kirche bedeuten, zu kleinen Gruppen zurückzugehen? Die Kirche hat ja Fixkosten. Sie muss Immobilien unterhalten und Mitarbeitende bezahlen.“

Auch Müller meint. „Wir sollten Menschen ermutigen, sich in Hauskreisen zu treffen; in Präsenzform, wo das möglich ist oder sonst virtuell.“
Er sieht die Gefahr, dass mit einem Christ sein, das sich ausschließlich in Gemeindekontexten und nicht in der Welt zeige, ein Verlust an Verbindlichkeit einhergehe: „Ich kann am Gemeindeleben rein passiv teilnehmen. Eigentlich ist aber der Ort, Christsein zu leben, der Alltag: im Beruf, im Freundeskreis, usw. Meine Verbindlichkeit gilt der Welt. Da bin ich verbindlich Christ.“

Digitalisierung als Heilsversprechen?

Von allen Teilnehmenden werden die Vorteile der Digitalisierung gesehen. Gleichzeitig wird deutlich, dass Digitalisierung auch Herausforderungen mit sich bringt und Konsequenzen hat.

Sonia Skupch, Generalsekretärin der Evangelischen Kirche am La Plata (IERP) und zuständig für Argentinien, Paraguay und Uruguay, geht für Argentinien davon aus, dass das institutionelle Leben der Kirche zwar weitergehen, aber sich verändern werde. Sie prognostiziert, dass es mehrtägige Anreisen zu einer einstündigen Sitzung in Zukunft kaum noch geben und alternativ Online-Treffen angeboten werden. Skupch geht davon aus, dass es auch in kirchlichen Einrichtungen verstärkt Homeoffice oder Mischformen von Büro- und Zuhause-Arbeit geben wird.
Sorge bereitet ihr das geistliche Leben in den Gemeinden: „Werden die Menschen wieder zurückkommen? Was werden sie vorfinden? Die Begeisterung für die virtuellen Formate (Gottesdienst, Bibelstunden) lässt nach. Viele Gemeinden wollen so bald wie möglich wieder Präsenzgottesdienste anbieten. Manche jedoch befinden sich in einer Art Winterschlaf, sie warten einfach ab.“

Marcos Bechert, der Generalsekretär der Evangelischen Kirche Lutherischen Bekenntnisses in Brasilien (IECLB), weist darauf hin, dass es bei aller Euphorie für Online-Formate auch die Erfahrung gebe, dass die Hemmschwelle sinke. Andere würden aggressiv beleidigt und beschimpft, wo man bei persönlicher Begegnung zurückhaltender sei. „Da macht sich die starke gesellschaftliche Spaltung Brasiliens auch in der Kirche bemerkbar. Die Erfahrung der Gegenwart Gottes in real erlebter Gemeinschaft, mit gemeinsamem Singen, Glaubensbekenntnis und Abendmahl fehlt doch.“

Droht mit der Digitalisierung die Entwicklung einer kirchlichen Konsumgesellschaft?

Gilbert Filter, Bischof der Ev.-luth. Kirche im Südlichen Afrika (ELCSA Cape Church) beschreibt die Situation seiner Gemeinden anschaulich: „Manche Gemeinden waren vor der Pandemie mit einem Minimalprogramm zufrieden – Sonntagsgottesdienst und ein Angebot für Senioren. Und sie sind auch jetzt noch mit einem Minimalprogramm zufrieden; die eigene Pfarrstelle ist vakant, aber es gibt ja den digitalen Gottesdienst, der von anderen Gemeinden ins Netz gestellt wird. Andere Gemeinden möchten Präsenz-Gottesdienste und daneben auch mehrere digitale Angebote. Droht hier nicht auch die Entwicklung einer kirchlichen Konsumgesellschaft? Wer sich sonntags geistlich ernährt, wird geistlich fett und faul, wenn er das nicht auch im Alltag in relevantes Handeln umsetzt.“

Filter machte einen Unterschied zwischen Gemeinschaft und Vertrauensbeziehungen (trust relationships). Während seiner Meinung nach, Gemeinschaft in virtuellen Beziehungen aufrechterhalten werden könne, könnten Vertrauensbeziehungen so nicht entwickelt werden. Das deckt sich mit den Erfahrungen von Skupch, die feststellt, dass Online-Treffen da leichter fielen, wo man sich schon vorher gekannt habe: „auf das Vertrautsein von vorher lässt sich aufbauen“. Außerdem betont sie die Wichtigkeit von Humor, der ihrer Erfahrung nach bei online-Sitzungen häufig auf der Strecke bleibe.

Alle Beteiligten freuen sich auf eine Fortsetzung der Diskussion, zu der - da waren sich alle einig - mit diesem Austausch nur einen Anfang gemacht sein kann. 

 

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Zum Tod von Bischof M.J.H. Ubane, leitender Bischof der ELCSA

Das ELM trauert Bischof Molwane Job Henock Ubane. Der Bischof der Evangelisch lutherischen Kirche im südlichen Afrika (ELCSA) verstarb am 28. Januar spät abends an den Folgen einer Coronavirus-Infektion. Er wurde nur 60 Jahre alt. Ubane hinterlässt seine Ehefrau und drei Töchter.

Sein Tod lässt uns im Ev.-luth. Missionswerk in Niedersachsen (ELM) fassungslos zurück. Job Ubane wurde im April 2017 zum Bischof der Westdiözese der Evangelisch lutherischen Kirche Südafrikas ernannt und bald darauf auch zum leitenden Bischof der Evangelisch lutherischen Kirche im südlichen Afrika.  Der Direktor des ELM, Michael Thiel, spricht für alle Mitarbeiter*innen, wenn er sagt: „Wir kannten Bischof Ubane als unermüdlichen Arbeiter für seine Kirche. Mit Respekt denken wir an seine Bemühungen, die ELCSA umzustrukturieren und Probleme aktiv und entschlossen anzugehen. Ubane arbeitete wie ein Manager und war gleichzeitig ein geistlicher Leiter. Er hatte seine Gesprächspartner immer im Blick und vergaß selbst bei ernsten Themen den Humor nicht. Vor wenigen Wochen war Ubane Referent beim ELM-Missionstag und sprach mit Bischof Ralf Meister aus Deutschland und Präsidentin SÍlvia Genz aus Brasilien über Rassismus. Unvergessen bleibt uns sein dort geäußertes Credo: "partnership is god in action" (Partnerschaft ist Gott in Aktion) und wir können hinzufügen: "Ja, da war der Geist Gottes, wann immer wir Bischof Ubane begegnet sind."  

Für uns im ELM war es ein Privileg, mit Bischof Ubane partnerschaftlich zusammenzuarbeiten. Wir verlieren mit ihm einen guten Freund, einen geistlichen Leiter und einen Kämpfer für eine gerechtere Welt. Möge Gott seiner Familie und seiner Kirche beistehen. 

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ELCSA: Deutliche Schritte zur Klärung der Finanzkrise

Die Ev.-Luth. Kirche im Südlichen Afrika (ELCSA) treibt die Aufklärung ihrer Finanzkrise voran: Auf der 145. Sitzung ihres Kirchenrates am 30. Juli in Bonaero Park wurden nach ausführlicher Diskussion der bisherige Generalsekretär der ELCSA, Pastor P. B. Mathe, und der Schatzmeister der Kirche, B.H. Zulu, mit sofortiger Wirkung von ihren Ämtern suspendiert. Das geht aus einer Stellungnahme der ELCSA vom 30. Juli hervor. Für den Übergang übernehmen der stellvertretende Generalsekretär Ashmeer Joseph (derzeit Direktor des Entwicklungsdienstes der ELCSA) und die stellvertretende Schatzmeisterin, Yvonne Masehlele (derzeit Buchhalterin in der Finanzabteilung der ELCSA) diese Funktionen. Gleichzeitig wurde eine Kommission eingesetzt, die die ungeklärten Sachverhalte untersuchen soll. „Wir begrüßen, dass unsere südafrikanische Partnerkirche bei der Klärung der Finanzkrise deutlich sichtbare Schritte unternimmt“, sagt der ELM-Referent für ökumenische Zusammenarbeit mit Südafrika, Botsuana und Eswatini (ehem. Swasiland), Michael Schultheiß, in einer ersten Reaktion. „Wir hoffen, dass die ergriffenen Maßnahmen die Aufarbeitung der Krise voranbringen werden und verloren gegangenes Vertrauen zurückgewonnen werden kann.“                 

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