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ELMinar Malawi: Die Alten – mehr als nur eine medizinische Risikogruppe

Während die meisten Menschen in Deutschland damit rechnen können, nach der Arbeitsphase eine Rente oder Pension zu erhalten, ist dies in anderen Ländern nicht so. Besonders in Afrika gilt das erst für knapp 30 % der Betroffenen, südlich der Sahara sogar nur für 22,7 %, wie Florian Jürgens vom Netzwerk HelpAge in London Ende Februar 2021 bei einem ELMinar mit knapp 25 Teilnehmenden aus Deutschland und Malawi berichtete.

Dabei zählt dies sowohl zu den sozialen Entwicklungszielen (SDG 1.3.1) als auch den Menschenrechten (Art. 22). Der Anteil von älteren Menschen mit chronischen Krankheiten ist in Malawi nicht viel anders: „In Deutschland erwartet aber niemand von einem 70-jährigen, seinen Unterhalt mit Feldarbeit zu verdienen“, beschreibt Jürgens die Herausforderung.
Nur etwa jeder 20. ältere Mensch in Malawi erhält Rente oder Pension, zumeist sind dies Regierungsangestellte oder solchen von Banken und Versicherungen.

Leider seien Systeme wie aus Deutschland nicht hilfreich für Länder wie Malawi, weil das auf Bismarck zurückgehende Rentensystem mit regelmäßigem Gehaltsbezug verbunden ist. Wenn der Lebensunterhalt aber durch informelle Arbeit gedeckt wird, funktioniert ein solches System nicht mehr.
Andere Systeme sind darauf ausgerichtet, Menschen aus Armut zu holen; diese haben deutliche Grenzen, wenn es um alte Menschen geht. Besonders in Zeiten einer Corona-Pandemie führt das aber zugleich zu erhöhten Risiken, wenn alte Menschen ihren Lebensunterhalt nur durch Verkauf auf Märkten bestreiten können, dort aber das Infektionsrisiko durch die Zahl von Menschen auf engem Raum deutlich erhöht ist.

Jürgens, der auch mehrere Jahre für die internationale Arbeitsorganisation ILO in Malawi gearbeitet hat, kritisierte auch die „überdesignten“ Systeme europäisch geprägten Denkens. Eine rein technische Analyse funktioniere nicht für die Identifikation von „armen“ Menschen in einem Land, wo entsprechend der Weltbankstandards 80% der Menschen von weniger als 1,90 US-Dollar pro Tag leben müssen. Sie bedeuten einen erheblichen Verwaltungsaufwand (mit vielen Fragen, die zur Bestimmung von Armut beantwortet werden müssen: Haben Sie einen Toaster? Haben Sie eine Ziege?).
Systems müssten verstanden werden und mit den Werten eines Landes übereinstimmen – dann wirken sie.

Andrew Kavala, Leiter von MANEPO, einer Mitgliedsorganisation von HelpAge in Malawi, zeigte dann, wie engagiert der Einsatz für alte Menschen in Malawi geschieht. Im Vorfeld der Wahlen im Juni 2020 wurden Politiker*innen angesprochen und dazu gebracht, die Altersrente in das Wahlprogramm aufzunehmen. Doch damit nicht genug: „Politiker*innen vergessen schnell!“, ist Kavala sicher und darum wurden sie gleich nach der Wahl deutlich an die Zusagen „erinnert“ und auf die große Zahl älterer Menschen hingewiesen, die sie mit Blick auf die Zusage der Altersrente gewählt hätten. Auch die Corona-Pandemie dürfe keine Ausrede sein, die Einführung zu verzögern.

Kavala ist darum froh, dass es gelungen ist, die Altersrente in den kommenden Haushalt für Malawi einzubringen. Auch ein Hirtenbrief der malawischen Bischöfe wird die Bemühungen zu Ostern noch einmal unterstützen.

Jürgens ist der Fokus besonders wichtig: Es solle nicht darum gehen, zu überlegen, wo das Geld zur Finanzierung zu finden sei, sondern wie viele Menschen überhaupt erst einmal eine Rente bekommen könnten. Es gelte, erst einmal anzufangen und dann nach und nach mehr Menschen einzubeziehen. Das finanzielle Ressourcen begrenzt sind, sei klar – doch sei die Frage zu stellen, was eigentlich wichtig ist.

Weil es in Malawi (noch) relativ wenig alte Menschen gibt, ist eine Altersrente nicht so teuer. Sie würde lediglich 0,5% des Bruttosozialprodukts kosten (zum Vergleich: Allein für die Bezuschussung von Düngemitteln gibt die malawische Regierung 5% des Bruttosozialprodukts aus).

Eine Altersrente müsse einfach sein – das Alter brauche keine große Anzahl Faktoren, die erhoben und belegt werden müssten. In Malawi solle daher mit allen Menschen über 70 gestartet werden, das wären etwa 2-3% der Bevölkerung des Landes mit einem Durchschnittsalter von 16 Jahren. Sie werden dann zwischen 15 und 20 Euro im Monat erhalten.
Andere Länder hätten mit hohem Alter begonnen – so zum Beispiel Myanmar mit 100 Jahren. Inzwischen sei dort das Alter nach und nach auf 80 gesenkt worden. Auf diese Weise blieben die Kosten aber handhabbar.

Zum Abschluss berichtete Mphatso Thole, Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der Ev.-luth. Kirche in Malawi (ELCM), zur Situation der Kirche und dem Umgang mit der Pandemie. Auch in der Kirche gab es mehrere Todesfälle durch COVID-19-Infektionen. Besonders gefährlich sei derzeit der zunehmend leichtsinnige Umgang mit Vorsichtsmaßnahmen. In den letzten beiden Wochen ist die Zahl von Infektionen zurückgegangen. Allerdings ist offenbar unklar, ob dies an der Anzahl von Testungen liegt und ob die Zahl tatsächlich sinkt.
Die ELCM hat das ELM daher um weitere Unterstützung für Aufklärungsmaßnahmen gebeten, damit Menschen die Gefährlichkeit einer Ansteckung verstehen und sich entsprechend schützen.

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Malawi: Zwischen Ruf nach Normalität und steigenden Infektionen, 29.05.2020

Uns erreichte eine E-Mail von Bischof J. P. Bvumbwe, in der er uns einen Zwischenbericht zur Situation in Malawi gibt: „Guten Abend aus Malawi. Ich komme gerade von einem Treffen mit der Taskforce des Präsidenten zu Covid-19 am Freitag zurück. Das Treffen dauerte den ganzen Tag. Ich leitete eine Delegation des Interreligiösen Forums für Frieden, Gerechtigkeit und Dialog, zu dem wir reisten, um unsere Besorgnis darüber zum Ausdruck zu bringen, wie das Land mit Fragen des Covid-19 umgeht. Malawi registrierte in nur 24 Stunden über 100 neue Fälle aufgrund der unerwarteten Rückkehr von Malawiern, die sich in Südafrika aufhielten. Die Zahl der bestätigten Fälle ist nun von 102 am vergangenen Montag (25.05.) auf 173 am Ende des heutigen Tages (29.05.) sprunghaft angestiegen. Wir empfinden dies als sehr alarmierend. Die Abriegelung wurde durch die gerichtliche Verfügung gestoppt, und jetzt wird über alle von der Regierung eingeführten Sicherheitsmaßnahmen weitgehend verhandelt, da die Menschen sehen, wie Politiker, die für die bevorstehenden, vom Gericht angeordneten Präsidentschaftswahlen werben, Wahlkampf betreiben.“

Da Unternehmen, Schulen, Hochschulen und der Sportsektor eine Rückkehr zur Normalität und diesbezüglich sofortige Maßnahmen forderten, so der Bischof, sei dies eine sehr schwierige Situation für die Taskforce. Für diese Woche sei ein Folgetreffen der Taskforce geplant, zu dem er wieder eingeladen sei.  

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Situation in Malawi nach Gesprächen mit Partner*innen vor Ort, 23.04.2020

Von 2 bekannten Infektionen Ende März ist die Zahl der Infizierten in Malawi Ende April auf 19 angestiegen, 2 Menschen sind infolge einer Erkrankung verstorben. Es muss davon ausgegangen werden, dass die Zahl der unregistriert Infizierten wesentlich höher liegt. Insgesamt 4 Testzentren gibt es in den größeren Städten Lilongwe, Blantyre und Mzuzu.

Ab Montag war in Malawi eine 3-wöchige Ausgangssperre verhängt worden, diese Entscheidung der Regierung wurde allerdings umgehend juristisch angefochten und von einem Gericht ausgesetzt. Es gibt keine parteiübergreifende Linie im Umgang mit der Covid-19-Pandemie. Vielmehr werden die notwendigen gesundheitspolitischen Diskussionen vom Wahlkampf der anstehenden Wiederholung der Präsidentschaftswahlen vereinnahmt.

Entsprechend wird die Ausgangssperre nicht wirklich durchgesetzt, das Leben auf den Straßen und Märkten geht wie gewohnt weiter. Das Risiko einer Ansteckung wird überwiegend auf aus dem Ausland Einreisende verengt. COVID-19 gilt als Problem der Grenzgebiete und Städte, dabei findet nach wie vor Reiseverkehr im Inland und mutmaßlich auch Handelsverkehr mit Nachbarländern statt. Arbeiter, Tagelöhner und Händler bangen um ihren Lohn und halten das Risiko von Hunger leiden für bedrohlicher als die Pandemie. Die Kirche versucht, das Angebot regelmäßiger warmer Mahlzeiten (Ernährungszentren) für Kinder aus armen Familien aufrechtzuerhalten. Auch hier droht existenzielle Not, sollten die Maßnahmen etwa die Lebensmittelbeschaffung und Verteilung erschweren.

Gottesdienste finden nach wie vor statt. Die ELCM teilt die Gemeindeglieder auf unterschiedliche Gebäude und Zeiten auf, damit nicht mehr als 50 Menschen zusammenkommen. Einige Gemeindemitglieder entschließen sich jedoch alternativ zu eigenen kleinen Hausgottesdiensten im Familienkreis. Die traditionelle Karfreitags-Prozession hat in verkleinerter Runde im Freien ebenfalls stattgefunden. 

Tobias Schäfer-Sell, ELM-Referent Ökumenische Zusammenarbeit Malawi

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Situation in Bezug auf COVID-19 in Malawi, 24.03.2020, 13:39

Unsere Partner Bischof J P Bvumbwe, Mabel Madinga, Generalsekretärin, beide ELCM,  und Dickens Mtonga, ELDS Direktor schreiben uns übereinstimmend:

Offiziell gibt es in Malawi bis jetzt niemanden, der positive auf Corona getestet ist. Aber es gibt einige Verdachtsfälle, die an den Grenzen und Flughäfen in Quarantäne sind. Die Bedrohung ist sehr real und wir sind nicht sicher, ob wir als Land bereits jetzt für Corona gerüstet sind. Sie wissen, wie wir in der malawischen Gesellschaft unseren Alltag leben: wir sind sehr auf Gemeinschaft ausgerichtet, sehr hilfsbereit und einladend. Unsere Grenzen sind noch offen und wir hören von einigen Menschen, die aus betroffenen Ländern kommen, dass sie immer noch einreisen können, was unser Land immer noch sehr verwundbar für den Virus macht.

Die Regierung hat angeordnet, dass Schulen schließen müssen und Zusammenkünfte die Zahl von 100 Personen nicht übersteigen dürfen, das schließt Gottesdienste ein. Sie können sich vorstellen, wie hart es wird, diese Maßnahmen umzusetzen, einschließlich der Wahrung sozialer Distanz in unseren Städten und Dörfern.

Wir beraten bereits darüber, wie Gottesdienste im Fall eines Regierungsverbots stattfinden können. Zurzeit wissen wir nicht, wie wir darauf reagieren sollen, aber wir beten und hoffen, dass der Herr, unser Gott, uns einen Weg aufzeigen wird in dieser schwierigen Zeit.

Menschen leben in Angst und wir können nur beten, dass der Herr, unser Gott, uns leitet wenn wir Antworten auf die schwierige Situation finden müssen, zumal es sehr sicher ist, dass das Schlimmste noch kommt. 

Wir müssen weiter im Gebet zusammenstehen und uns weiter ermutigen. Wir sind solidarisch miteinander und müssen das weiter sein.

Seien Sie so gut und überbringen Sie unsere besten Wünsche für eine schnelle Überwindung dieser globalen Epidemie.  Gerade im Moment, sind wir besorgter um euch, Brüder und Schwestern in Deutschland, als um uns.

Wir beten, wie nie zuvor, während wir versuchen die Präventionsmaßnahmen einzuhalten: Möge der Herr unser Gott, Schöpfer und Erhalter des Lebens, uns vor diesem tödlichen Virus schützen!

Text in Englisch - English version

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Zyklon Idai: In Malawi tausende Menschen betroffen

ELM beteiligt sich an Soforthilfe für Malawi und ruft zu Spenden auf

Hermannsburg. Angesichts der Flutkatastrophe in Malawi unterstützt das Ev.-luth. Missionswerk in Niedersachsen (ELM) seine malawischen Partner mit einer Soforthilfe in Höhe von 25.000 Euro. Gleichzeitig ruft es zu weiteren Spenden auf.

„Malawi ist infolge der anhaltenden Regenfälle von den Fluten stark getroffen“, schreibt Dickens Mtonga, Direktor des Ev.-luth. Entwicklungsdienstes in Malawi (Evangelical Lutheran Development Service, ELDS). Die am härtesten betroffenen Gebiete lägen in den südlichen Distrikten Malawis, wo auch ELDS und die Kirche tätig seien. „Aktuell sind mehr  als 150.000 Haushalte betroffen ... weiterlesen

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