Brasilien - ein gespaltenes Land

Hannover/Hermannsburg (epd). Nach der Wahl von Jair Bolsonaro zum Präsidenten in Brasilien ist das Land nach Angaben der brasilianischen Kirchenpräsidentin Silvia Genz tief gespalten. Bolsonaro habe einerseits eine große Zustimmung in der Bevölkerung, sagte die Präsidentin der Evangelischen Kirche Lutherischen Bekenntnisses in Brasilien (IECLB) anlässlich eines Besuches in Niedersachsen dem epd. Kritiker seien dagegen besorgt, dass er den Schutz von Minderheiten zurückfahren und durch die industrielle Erschließung des Amazonasgebietes große Umweltschäden verantworten könnte. Ihre Kirche befürchte, dass sich die Lage von Kleinbauern und Indigenen im Land verschlechtern könnte.

Die brasilianischen Lutheraner unterstützen gemeinsam mit deutschen Partnern wie dem Evangelisch-lutherischen Missionswerk in Niedersachsen den Indigenenmissionsrat COMIN im Kampf um das Recht der Indigenen am eigenen Land. Vor allem im Süden des Landes gebe es dadurch aber auch innerhalb der Kirche Konflikte, sagte Genz. Zum Teil lebten Kleinbauern, die das Land vom Staat gekauft hätten, seit Generationen dort. Dem rechtmäßigen Anspruch der Indigenen stehe gegenüber, dass diese Bauern ohne Ausgleich die Flächen abgeben müssten. Zahlreiche Bauern seien Mitglied in der lutherischen Kirche. „Es ist für uns alle sehr schwer.“

Die Lage der Kleinbauern könnte sich Genz zufolge noch verschlechtern, wenn die Bolsonaro-Regierung ihre Ankündigung wahr mache und ihre Botschaft in Israel von Tel Aviv nach Jerusalem verlege. „Das ist ein Problem, weil viele Kleinbauern von der Hühnerzucht leben und arabische Länder mit Boykott drohen.“ Schon die Ankündigung des möglichen Importstopps habe dafür gesorgt, dass Konzerne den Bauern weniger für die Hühner zahlten.

Angesichts von Kriminalität und Korruption finde Bolsonaro aber bei vielen Zustimmung etwa für eine Liberalisierung der Waffengesetze. Auch die Unruhen im Nachbarland Venezuela wirkten sich auf Brasilien aus, sagte Genz. So kämen zunehmend Flüchtlinge aus Venezuela nach Boa Vista im Norden des Landes. „Tausende wandern da täglich ein.“  Ihre kleine Kirche mit rund 644.000 Mitglieder setze auf Bildungsarbeit und offene Türen angesichts der Entwicklungen, erläuterte die Kirchenpräsidentin.

Die von deutschsprachigen Einwanderern gegründete Kirche habe inzwischen auch afrikanisch stämmige Mitglieder und auch solche mit japanischen, russlanddeutschen oder eben venezolanischen Wurzeln. „Wir haben verschiedene Hintergründe im Glauben, aber wir sind uns einig darin, anderen entgegenzugehen.“

 

 

 

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