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Amnesty sieht Äthiopien am Rand einer Menschenrechtskatastrophe.

Darüber berichten am 5. November 2021 die epd-Nachrichten.

Frankfurt a.M. (epd). Nach der Ausrufung des Notstands steuert Äthiopien Amnesty International zufolge auf eine menschenrechtliche und humanitäre Katastrophe zu. Der Ausnahmezustand sei unverhältnismäßig, da er für das ganze Land gelte und Menschenrechte einschränke, die laut internationalem Recht unter keinen Umständen beschränkt oder außer Kraft gesetzt werden dürften, erklärte die Organisation am Freitag. Die Notstandsregelungen seien derart umfassend und pauschal, dass sie zunehmenden Menschenrechtsverletzungen Tür und Tor öffneten, kritisierte der Amnesty-Direktor für das östliche und südliche Afrika, Deprose Muchena. Besonders gefährdet seien Menschenrechtsaktivistinnen und -aktivisten, Medienschaffende, Angehörige von Minderheiten und Oppositionelle.

Am Donnerstag hatte das Parlament den von Ministerpräsident Abiy Ahmed vorgeschlagenen Notstandsregelungen zugestimmt. Sie gelten für sechs Monate und erlauben der Regierung unter anderem, das Militär einzusetzen, Bürger zum Militärdienst einzuberufen, Personen ohne Gerichtsentscheidung zu inhaftieren und Medien, nichtstaatliche Organisationen sowie lokale Verwaltungen aufzulösen. Für die Umsetzung des Notstands zuständig ist eine neue Kommandozentrale der Streitkräfte, die Ministerpräsiden Abiy untersteht.

Hintergrund ist ein Machtkampf zwischen Abiys Zentralregierung und der Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) in der nördlichen Region, der vor einem Jahr eskalierte und in einem bewaffneten Konflikt mündete. Tausende Menschen sind seither getötet, Hunderttausende vertrieben worden. UN-Schätzungen zufolge leben in Tigray 400.000 Menschen im Zustand einer Hungersnot. Inzwischen hat sich die Krise auf andere Regionen ausgeweitet und droht, den Vielvölkerstaat in einen Bürgerkrieg zu stürzen.

Schon vor Ausrufung des Notstands seien Menschen massenhaft willkürlich inhaftiert worden, vor allem Journalisten und Menschenrechtsaktivisten aus Tigray, die beschuldigt wurden, Verbindungen zur TPLF zu haben, erklärte Amnesty. Die Regierung stuft die TPLF als Terrororganisation ein und jede Äußerung zu deren Gunsten als Verbrechen ein. Seitdem Regierungsbeamte zu Waffengewalt gegen die TPLF und die Befreiungsarmee der Oromo (OLA) aufgerufen habe, zeige sich in den sozialen Netzwerken ein alarmierender Anstieg von Aufrufen zu Gewalt.

TPLF und OLA hatten sich jüngst im Kampf gegen die Zentralregierung verbündet. Allen Konfliktparteien werden schwere Menschenrechtsverbrechen wie Massaker, außergerichtliche Hinrichtungen von Gefangenen und sexuelle Gewalt vorgeworfen.

epd nam tz

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Fragen und Antworten zum Konflikt in Äthiopien

Wir stellen Ihnen hier Informationen des Ev. Pressedienstes vom 2.11.2021 zusammen. Die derzeitige Lage ist komplex. Eine Einschätzung unserer Äthiopien-Referentin folgt zu einem späteren Zeitpunkt.

Frankfurt a.M./Addis Abeba (epd). Kurz vor Mitternacht am 3. November 2020 fuhr eine kleine Gruppe von Kämpfern der Regionalregierung von Tigray auf ein Lager der äthiopischen Streitkräfte in der Gegend zu. Beim Aufeinandertreffen kam es zu Schusswechseln, die den Beginn eines blutigen Bürgerkriegs markierten. Am 4. November 2020 begannen die äthiopischen Truppen eine große Offensive, der Notstand wurde verhängt, die Region im Norden des Landes von der Außenwelt abgeschnitten.

Ein Jahr ist der Beginn des Kriegs in Tigray her. Tausende Menschen wurden seither getötet, Hunderttausende vertrieben. Hilfsorganisationen warnen vor einer Hungersnot, Menschenrechtler vor ethnischen Säuberungen, massiver sexualisierter Gewalt und einem Zerfall des Vielvölkerstaats Äthiopien. Was als regionaler Machtstreit begann, weitete sich aus. Ein Ende der Gewalt ist nicht in Sicht - die wichtigsten Informationen zum Krieg in Tigray:

Warum kam es zum Krieg?

Hintergrund ist ein Streit um die Macht über Tigray und den Einfluss der dort lange regierenden Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF). Auch landesweit hatte die TPLF lange Zeit eine führende Stellung in Politik und Militär, wurde jedoch nach dem Amtsantritt von Ministerpräsident Abiy Ahmed 2018 in ihrem Einfluss zurückgedrängt. Als Abiy im September 2020 Regionalwahlen in Tigray wegen der Corona-Pandemie auf unbestimmte Zeit verschob, organisierte die TPLF trotzdem eine Abstimmung. Die wiederum erklärte Abiy für ungültig. Danach nahmen die Spannungen zwischen der TPLF und der Zentralregierung weiter zu und eskalierten nach dem Zusammenstoß Anfang November in einen militärischen Konflikt.

Wer kämpft gegen wen?

An dem Konflikt sind inzwischen weitere Parteien beteiligt. Die äthiopische Armee wird von Truppen aus dem Nachbarland Eritrea unterstützt. Auch paramilitärische Einheiten aus anderen äthiopischen Regionen, darunter Amhara und Afar - seit langem in angespanntem Verhältnis mit Tigray - kämpfen an der Seite der Zentralregierung. Ihnen gegenüber stehen Paramilitärs der TPLF und Rebellen aus Tigray, die von verschiedenen äthiopischen Oppositionsgruppierungen unterstützt werden.

Wie verlaufen die Kämpfe?

In den ersten Wochen marschierten die Regierungstruppen so schnell voran, dass Ministerpräsident Abiy die Kämpfe bereits nach vier Wochen für beendet erklärte. Die regionalen Kämpfer eroberten jedoch große Teile Tigrays zurück, und inzwischen scheint keine der Seiten mehr einen klaren militärischen Sieg erreichen zu können. Im Oktober verstärkte das äthiopische Militär seine Luftangriffe.

Wie ist die humanitäre Lage in der Region?

Schätzungen der Vereinten Nationen zufolge leben in Tigray 400.000 Menschen im Zustand einer Hungersnot. Rund 5,2 Millionen Menschen brauchen humanitäre Hilfe, um zu überleben. Der geschäftsführende UN-Koordinator für humanitäre Hilfe in Äthiopien, Grant Leaity, erklärte im September, in der Region drohe die schwerste Hungersnot der Welt in Jahrzehnten. In den Regionen Afar und Amhara, auf die sich die Kämpfe ausgeweitet haben, haben demnach 1,7 Millionen Menschen nicht genug zu essen. Hilfsorganisationen beklagen immer wieder, dass die Zentralregierung Lieferungen blockiere. Ende September hatte die Regierung sieben teils hochrangige UN-Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ausgewiesen, weil diese sich in interne Angelegenheiten eingemischt hätten.

Welchen Ausweg gibt es?

Weil offenbar keine Seite militärisch gewinnen kann, scheinen Verhandlungen die einzige Möglichkeit, die Kämpfe zu beenden. Die Afrikanische Union (AU) hat den früheren nigerianischen Präsidenten Olusegun Obasanjo zum Gesandten ernannt, der für eine Deeskalation sorgen soll. Die International Crisis Group erklärte Ende Oktober, wie ein möglicher erster Deal aussehen könnte: Die Kämpfer in Tigray würden ihre Angriffe beenden, die Zentralregierung würde die Blockade von Hilfslieferungen in die Region aufheben.

epd bdr mih

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Fürbitte für Äthiopien

+++ English version below +++

Äthiopien ist gemessen an der Bevölkerung das zweitgrößte Land Afrikas mit über 100 Millionen Einwohnern. Nachdem vor drei Jahren Abiy Ahmed Ali zum Premier ernannt wurde, weckten anfängliche Reformen große Hoffnungen. Doch die Spannungen zwischen den verschiedenen ethnischen Gruppen und mit der Zentralregierung haben wieder zugenommen und in den im November 2020 begonnenen bewaffneten Auseinandersetzungen in der Region Tigray, im Norden des Landes, ihren vorläufigen Höhepunkt erlebt. Die Situation birgt ein hohes Risiko, in eine langanhaltende Destabilisierung des Staates und der gesamten Region zu münden. Millionen Menschen leiden unter den schrecklichen Auswirkungen des Krieges und der Gewalt, auch in anderen Teilen des Landes.

Aus Anlass des orthodoxen Osterfestes, das in Äthiopien am 2. Mai gefeiert wird, schließen wir das Land und seine Menschen in unsere Fürbitte ein:

Du Gott des Lebens, der Du bei uns bist und bleibst, der Du unser Leben aushältst und mitträgst, wir bitten Dich für die Menschen in Äthiopien, ganz besonders in der Region Tigray,

die unter Gewalt und Waffeneinsatz leiden,

die sich gegeneinander aufstacheln und deren Würde und Rechte mit Füßen getreten werden,

die im eigenen Land vertrieben werden

deren reiche Ernten vernichtet wurden und die nun bitterer Hunger quält,

die mit mangelnder medizinischer und humanitärer Versorgung leben müssen.

Du Gott des Lebens, der du es nicht bei Leid und Tod belässt, der du uns vorangehst und Zukunft auch da eröffnest, wo wir an Grenzen stoßen. Gib den Menschen in Äthiopien die Kraft,

die Kreisläufe der Gewalt zu unterbrechen,

das unermessliche Leid zu beenden,

die traumatischen Erfahrungen zu verarbeiten,

die Wunden zu heilen,

Wege der Versöhnung zu beschreiten

und wirklichen Frieden wiederherzustellen.

Du Gott des Lebens, der du durch die Auferweckung deines Sohnes Hoffnung schenkst, die erneuert und belebt, verändere

diejenigen, die politisch und gesellschaftlich Verantwortung tragen, dass sie sich auf gewaltfreie Lösungen besinnen,

die, die keine Wahrheit außerhalb der eigenen Gruppe mehr erkennen, dass sie aufeinander zugehen und vertrauen lernen

die, die über Äthiopien hinaus für Frieden sorgen können, dass sie ins Handeln kommen.

 

Verändere und erneuere, lass es Ostern werden in Äthiopien und in aller Welt.

Amen

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Intercession for Ethiopia

Ethiopia is the second largest country in Africa in terms of population, with over 100 million inhabitants. After Abiy Ahmed Ali was appointed prime minister three years ago, initial reforms raised significant hopes. But tensions between the various ethnic groups and with the central government have increased again, having reached a temporary peak in the armed clashes that began in November 2020 in the Tigray region, in the north of the country. The situation bears a high risk of turning into a long-lasting destabilization of the state and the entire region. Millions of people are experiencing the terrible effects of war and violence, also in other parts of the country.

On the occasion of the Orthodox Easter, which is celebrated in Ethiopia on May 2, we include the country and its people in our intercession:

God of life, who is and remains with us, who endures and carries our lives, we pray for the people of Ethiopia, especially in the Tigray region,

suffering from violence and the use of weapons,

who incite each other and whose dignity and rights are trampled upon,

who are displaced in their own country,

whose rich harvests were destroyed and who are now tortured by bitter hunger,

who have to live with a lack of medical and humanitarian care.

God of life, who does not leave it at suffering and death, who goes ahead of us and opens up the future even where we reach our limits. Strengthen the people of Ethiopia,

to break the cycles of violence,

to end the immense suffering,

to overcome the traumatic experiences,

to heal the wounds,

to tread paths of reconciliation

and to restore real peace.

God of life, through the resurrection of your Son you give hope that renews and revives, change

those who bear political and social responsibility to reflect on non-violent solutions,

those who no longer recognize any truth existing outside their own group, that they approach each other and learn to trust each other

those who can bring peace to the world beyond Ethiopia, that they come into action.

Change and renew, let it be Easter in Ethiopia and all over the world.

Amen

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Äthiopien heute: „Die sechste allgemeine Wahl in Äthiopien: Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.“

Großes Interesse an ELMinar zur Demokratisierung und der aktuellen Situation in Äthiopien Mitte Januar.

Bei einem Onlineseminar des ELM zur Demokratisierung Äthiopiens Mitte Januar erfuhren die knapp 60 Teilnehmer*innen, dass viel Geduld und Ausdauer nötig sind, um Chancen für ein selbstbestimmtes Leben und Perspektiven für ein friedliches Miteinander verschiedener Kulturen, Volks- und Interessensgruppen zu entwickeln.
Die Referentin Jalale Getachew Birru, eine äthiopische Doktorandin an der Universität in Erfurt, zeigte detailliert, welche Aspekte für demokratische Prozesse und Wahlen notwendig sind. Sie beschrieb aber auch die Herausforderung, die diesen Prozess in Äthiopien begleiten.

„Für eine funktionierende Demokratie muss die Struktur der verschiedenen staatlichen Einrichtungen funktionieren“, stellte sie fest. Wenn z. B. Polizei oder Gerichte nicht schützen und Gewalt herrsche, gebe es kein Vertrauen.
Alle Interessensgruppen müssen ihre Rechte und die zuständigen Gremien, Verfahren und Gerichte kennen und respektieren: „Mit Blick auf die kommenden Wahlen bin ich in dieser Hinsicht sehr beunruhigt“, stellt Birru fest.

Das Vertrauen ist gerade aktuell eine große Herausforderung, weil eigentlich 2020 landesweite Wahlen angesetzt waren. Schon im Vorfeld gab es etliche Anfragen an das Verfahren – bis dann die Wahl mit Hinweis auf die Corona-Pandemie zunächst auf unbestimmte Zeit verschoben wurde. Das Parlament verlängerte dazu die Regierungszeit entsprechend.

Am 8. Januar 2021 wurde dann aber der 5. Juni 2021 als neuer Wahltermin bekanntgegeben. Überschattet wird der Prozess durch die Situation in der nördlichen Provinz Tigray. Die dortige Befreiungsfront (TPLF) war mit der Verschiebung der Wahlen, bei der auch die Regionalparlamente neu bestimmt werden sollten, nicht einverstanden und veranstaltete Anfang September gegen den Willen der Zentralregierung dennoch Wahlen. Die TPLF ging daraus mit 98,5% der Stimmen hervor.
Als Reaktion darauf wurde die TPLF am 18. Januar 2021 dann von der Teilnahme an den von der Regierung anberaumten Wahlen ausgeschlossen. So verbleiben 54 Parteien, die sich um Sitze in den Länder- und im Bundesparlament bewerben.

Auch mit Blick auf die gewalttätigen Auseinandersetzungen sowohl im Norden wie im Westen (dort mit der Oromo-Befreiungsfront) und anderen Teilen des Landes bleibt die Frage, wie es friedliche und freie Wahlen geben und – noch wichtiger – Ergebnisse anerkannt und gewalttätige Auseinandersetzungen vermieden werden können.

Wie unterschiedlich das Verständnis davon ist, zeigte auch die Diskussion im Onlineseminar: Ist Demokratie die Herrschaft der Menschen, die in einem Land leben, wie Birru dies skizziert? Was ist mit den Menschen, die aus verschiedenen Gründen nicht mehr im Land leben (dürfen)? Welche Maßstäbe politischer Kultur sind hilfreich, welche nicht? In der äthiopischen Partnerkirche zum Beispiel müsse jede*r Präsident*in (anders als im Land) nach acht Jahren zurücktreten und Platz für jemand anderes machen.
Dem schließt Birru sich an: „Die Stärkung der verschiedenen Einrichtungen des Staates sorgt dafür, dass nicht nur eine Person im Mittelpunkt steht. Das ist der Weg zu einem friedlichen Land!“

Eine Wertung der Auseinandersetzungen sieht sie als verfrüht an, weil einige Definitionen erst ab einer gewissen Dauer militärischer Operationen greifen. Aber; „Wir sollten ernsthaft besorgt sein, wenn über 1.000 Menschen sterben!“ So bleibt offen, wohin Äthiopien sich entwickeln wird.
Das wurde auch im Chat während des ELMinars lebhaft und engagiert diskutiert.

Foto:Terje Skjerdal |Flickr 
www.flickr.com/photos/65498764@N00

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„Betet für uns!“

... bitten uns unsere äthiopischen Partner in der Mekane Yesus Kirche.

„Für Niemanden bringt Krieg etwas Gutes.“ sagt uns Solomon und sieht die Ereignisse in der Tigray Region mit großer Sorge und im Zusammenhang mit anderen regionalen gewaltsamen Konflikten in Äthiopien.
Im letzten Jahr wurde Dr. Abiy Ahmed, dem im April 2018 ersten oromischen Ministerpräsidenten Äthiopiens, der Friedensnobelpreis verliehen. Ausschlaggebend war der Friedensvertrag mit dem Nachbarland Eritrea. Nach 25 Jahren Unabhängigkeit und Jahrzehnten des Bürgerkriegs und geschlossenen Grenzen, war dies ein historischer Moment. Sofort kam es zu Besuchen von Familienmitgliedern, die sich Jahrzehnte nicht mehr gesehen hatten und bei der nächsten Jahresversammlung der Mekane Yesus Kirche wurde die Delegation der Eritreischen Lutherischen aufs Herzlichste begrüßt.

Mutiger Reformkurs

Dr. Abiy wurde in den Medien als Hoffnungsträger gehandelt und stand für einen mutigen Reformkurs.
Doch die Reformen gingen manchen nicht schnell genug. Die hohe Arbeitslosigkeit konnte nicht gesenkt werden. Und der Ruf nach einem unabhängigen Oromia wurde immer lauter. Die Hauptstadt Addis Abeba inmitten dieses Bundesstaates wird nun auch in offiziellen Texten „Finfinne“ genannt, so wie die Oromo diese Stadt damit für sich beanspruchen.

Es bröckelt

Auch in anderen Bundesstaaten bröckelt es und es gibt separatistische Tendenzen vor allem an den Außengrenzen Oromias. Insgesamt gibt es in Äthiopien mehr als 2 Millionen Binnengeflüchtete.
Die Demokratisierungsbestrebungen, wozu auch die Rehabilitierung ehemaliger als terroristisch eingestufter oppositioneller Gruppierungen wie die OLF (Oromo Liberation Front) gehörte, die Freilassung vieler politischer Gefangener, fordern die Stabilität des Nationalstaats sehr heraus.

Widerstand im Westen

Nach Widerstand vor Allem im Westen Äthiopiens, im Wollega, folgten Ereignisse in der Amhara Region und nun spitzt sich innerhalb dieser Woche der Konflikt in der Tigray Region im Norden Äthiopiens zu. Die EU- Kommission warnt vor einer humanitären Katastrophe und laut Amnesty International soll es bei einem Massaker zu über Hundert Toten gekommen sein. Betroffen sind -wie immer- vor allem Zivilisten. Die Menschen sind zu Tausenden auf der Flucht und der Sudan hat seine Grenzen geschlossen.
Das ELM hat zwei Projekte in dieser Region und plant gerade ein drittes. Zwei Projekte versuchen Waisen und Kinder alleinerziehender Mütter in ihrer schulischen Ausbildung und Nachmittagsbetreuung zu unterstützen. Sie sind in Mekelle,der Regionalhauptstadt der Tigray Region, und in Rama, an der Grenze zu Eritrea, angesiedelt.

Ausgerufener Ausnahmezustand

Durch den ausgerufenen Ausnahmezustand sind Telefon- und Internetverbindungen zu den lokalen Projektverantwortlichen abgebrochen. Das ELM hat bisher von dort direkt seit dieser Woche noch keine Nachricht erhalten, versucht aber weiterhin in Kontakt zu kommen.
Die Menschen dort wünschen Unterstützung auf vielfältige Weise. „Betet für uns! Bleibt mit uns!“  Sie hoffen darauf, nicht vergessen zu werden.
Also beten wir. Lassen Sie uns beten für die Menschen in Äthiopien, im Wollega, in Oromia, in Gambella und in Tigray!

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EECMY: Kirche sein in Zeiten von COVID-19

Kirchenpräsident Yonas Yigezu dankt ausländischen Partnern für Anteilnahme und Unterstützung I Juli 2020

Pastor Yonas Yigezu Dibisa, Präsident der Äthiopischen Evangelischen Kirche Mekane Yesus (EECMY), sagt Dank: „Es ist tröstlich und ermutigend zu wissen, dass Sie in Solidarität und Gebet als christliche Geschwister an unserer Seite stehen.“ Damit reagierte er auf die große Anteilnahme der ausländischen Partnerorganisationen anlässlich seiner jüngsten Botschaft zur COVID-19-Pandemie.

Unter der Überschrift „,Being Church‘ in times of COVID-19“ (Kirche sein in Zeiten von COVID-19) hatte Yigezu auf die prekäre Situation seiner Kirche infolge der Pandemie  und der damit verbundenen staatlichen Restriktionen hingewiesen. Gleichzeitig betonte er, dass die EECMY ihre Mitglieder dazu ermutige, für die Partner im Ausland zu beten. Man lobe Gott dafür, dass man in Europa langsam das gesellschaftliche Leben wieder öffnen könne, höre aber auch von der Situation in Nord- und Südamerika, wo die Zahl der Neuinfektionen jeden Tag höher seien als am Tag zuvor.

„Hier in Äthiopien bereiten wir uns auf weitere Monate mit Restriktionen und eingeschränkten Aktivitäten vor“, so Yigezu vor dem Hintergrund steigender Infektionszahlen in Südafrika und der Erwartung, dass sich das Epizentrum der Pandemie in den kommenden Monaten von Amerika nach Afrika verlagere. „Wir beten, dass Gott barmherzig sein möge mit Afrika und Äthiopien. Das Gesundheitssystem und die finanziellen Ressourcen sind begrenzt und durch die Folgen der Restriktionen der vergangenen Monate ist die Bevölkerung sogar noch anfälliger gegenüber der COVID-19-Pandemie.“

Alle Einrichtungen und Plätze der EECMY seien seit 3 Monaten geschlossen und die Mitglieder würden darunter leiden, sich nicht zum Gebet oder Gottesdienst treffen zu können, beschreibt Yigezu die Situation seiner Kirche. Die finanzielle Lage sei schwierig, da nur wenige Mitglieder ihren Zehnten oder ihre Beiträge leisteten aufgrund finanzieller Engpässe und der Anordnung, zuhause zu bleiben.                              

In der Zeit der Kirchenschließungen hätten sich die Gottesdienste in die Häuser und ins Umfeld von Familien verlagert, wo ungewohnte und neue technische Formate ausprobiert worden seien, um Gottes Wort durch Predigt, Gottesdienst und Gebete in die Häuser und das Leben der Mitglieder zu bringen. „Auf gewisse Weise sind wir zurückgekehrt zu einer Form von Gottesdiensten wie zu Zeiten der Verfolgung, als Hauskirchen und kleine Gemeinschaften die einzige Möglichkeit darstellten, sich als Christen zu treffen“, so der Kirchenpräsident. „Und gleichzeitig sind wir in die Zukunft mit ihren Herausforderungen und Segnungen gezwungen worden.“

Das Angebot der Kirche werde durch den Mekane Yesus TV-Kanal, soziale Medien, Nachrichten-Apps und Video-Konferenzen übertragen, um die Menschen zusammenzubringen, so Yigezu. „Wir treffen uns auf neuen Wegen und lernen so, die Herausforderungen sozialer Distanzierung, um unser Bestes für unsere Sicherheit zu tun.“ Gleichzeitig erlebe man, wie schwer es sei, alle zu erreichen, „wegen der Unterschiede zwischen dem Leben der Menschen in ländlichen Gebieten und denen in den Städten, zwischen Arm und Reich, denen die Zugang zu TV und Internet haben und den vielen Menschen ohne Strom.“      

Angesichts des vergleichsweise langsamen Anstiegs der COVID-19-Neuinfektionen in Äthiopien, sei man ermutigt, eventuell Sonntagsgottesdienste mit bis zu 50 Menschen unter Beachtung der vom Gesundheitsministerium erlassenen Hygienevorschriften durchzuführen. „Wir hoffen, dass die Möglichkeit, sich sonntags zum Gottesdienst treffen zu können, unsere Mitglieder spirituell und sozial stärken und auch die Gemeinden bei ihren finanziellen Herausforderungen unterstützen wird“, so Yonas Yigezu.

Zusätzlich zu den Herausforderungen durch die Pandemie und den ökonomischen Schwierigkeiten als Folge der Präventivmaßnahmen, sehe man aber auch die Herausforderungen durch die politischen Unruhen und Unsicherheiten, die die Verschiebung der Wahlen und der Konflikt mit Ägypten wegen des großen äthiopischen Staudammes hervorgerufen hätten. „Als Kirche möchten wir zu Frieden und Einheit beitragen, und wir unterstützen diejenigen, deren Arbeit für Versöhnung und eine friedliche Entwicklung dem äthiopischen Volk ganzheitlich dient.“

Gleichzeitig bittet Yonas Yigezu seine ausländischen Partner um Verständnis, dass durch die politischen Unruhen und infolgedessen der Sperrung des Internets die Möglichkeiten zur Kommunikation z. B. über E-Mails sehr begrenzt seien.

„Wir hoffen, dass Sie im Gebet bei uns sind“, schließt der Kirchenpräsident seine Botschaft an die Partner. „Wir brauchen Gottes Gnade und Barmherzigkeit in Zeiten wie diesen, und Zeugnis  und, um auch in der Krise die Gute Nachricht miteinander zu teilen.“

Mit einem Hinweis auf Epheser 3,16 schließt Kirchenpräsident Yigezu in seiner Dankesbotschaft an die Partner mit einem Aufruf, auch weiterhin füreinander zu beten. „Es ist unsere Hoffnung und unser Gebet, dass wir alle gestärkt werden, auch in Krisen- und schwierigen Zeiten zu Seinem Ruhm zu arbeiten.“    

Lesen Sie die Botschaft und den Dankesbrief von Kirchenpräsident Yonas Yigezu im Original.                                  

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Einsatz für Corona-Prävention: Mekane-Yesus-Kirche setzt sich ein für gefährdete Menschen

Die ELM-Partnerkirche in Äthiopien (Äthiopische Evangelische Kirche Mekane Yesus kurz: EECMY) sieht die Gefahr einer drohenden Ausbreitung von COVID-19. Das Gesundheitssystem im Land hat zwar große Schritte nach vorn gemacht, ist aber vor allem in ländlichen Regionen immer noch schwach ausgeprägt. Besonders geschlossene Einrichtungen wie Gefängnisse bergen eine hohe Gefahr, sich mit dem Corona-Virus zu infizieren. Dazu kommt, dass Menschen in Gefängnissen oftmals leichter erkranken und einen schlechteren Gesundheitszustand als die Allgemeinbevölkerung haben. Sie gehören oft zu Risikogruppen. Viele rauchen, die Hygiene ist oft mangelhaft und der durch die Enge hervorgerufene Stress schwächt die Immunabwehr. Häufig leiden Gefangene in Äthiopien an Vorerkrankungen wie Tuberkulose und Folgeschäden des Drogenkonsums.

Erste Hilfsmaßnahmen in zwei großen Gefängnissen sind bereits angelaufen: In den Gefängnissen in Ambo und Adama (beide in der Region Oromia) werden von der EEMCY Materialien zur Infektionsprävention und persönliche Schutzausrüstung bereitgestellt: 4.000 Seifenstücke, Desinfektionsmittel, Handschuhe und Masken sowie zusätzliche mobile Waschbecken. Diese Maßnahmen der EECMY werden mit Spenden des ELM finanziert. Für 55,00 Euro können zum Beispiel 100 Stück Seife zu den Gefangenen gebracht werden. Das reicht für die Gefangenen in einer typischen überfüllten Gefängniszelle.

Zembaba D. arbeitet im Ambo-Gefängnis als diensthabender Gefängniswärter und begrüßt die Maßnahmen der Mekane-Yesus-Kirche: „Zunächst möchte ich mich bei der Mekane-Yesus-Kirche bedanken. Wir waschen uns so oft wie möglich die Hände, um uns zu schützen.“ Gleichzeitig sieht er aber bei aller Dankbarkeit das Problem der fehlenden Möglichkeit, sich räumlich zu distanzieren: „Es gibt keine soziale Distanz zwischen uns hier im Ambo-Gefängnis. Hier leben 70 bis 100 Gefangene in einem Raum. Es ist schier unmöglich, dass wir die Pandemie verhindern können, wenn so viele Insassen in einem Raum leben.“ Deshalb fordert er eine politische Lösung des Problems. „Die Regierung sollte eine Lösung finden, denn die Pandemie braucht soziale Distanz. Wir sind einfach zu viele Menschen auf zu engem Raum. Die Menschen, die entlassen werden, sind Kurzzeithäftlinge mit Haftstrafen bis zu zwei Jahren, aber es gibt auch Gefangene mit Haftstrafen von sieben oder mehr Jahren, die noch nicht entlassen wurden.“

Auch Markos O., der in Ambo inhaftiert ist, sieht in den Hygienepaketen eine Voraussetzung für die Gesunderhaltung der Inhaftierten: „Ich möchte der EECMY im Namen aller Gefangenen für diese Geschenke danken. Wir versuchen, unsere persönliche Hygiene aufrecht zu erhalten, nachdem wir von der Pandemie erfahren und die dafür nötigen Desinfektionsmittel, Seifen und Masken bekommen haben. Und wir achten sehr auf Sauberkeit.“ 

Aber auch er fordert weitergehende Maßnahmen. Die EECMY sieht im Umgang mit Menschen in Gefängnissen den Bedarf eines regierungsweiten und gesamtgesellschaftlichen Ansatzes. Es gelte, die Einschleppung des Erregers zu verhindern, die Ausbreitung innerhalb des Gefängnisses zu begrenzen und die Möglichkeit einer Ausbreitung aus dem Gefängnis in die Außenwelt zu verringern.

Neben ganz konkreter Hilfe setzt die EECMY im ersten Schritt vor allem auf Aufklärungsarbeit. Das bedarf bei Gefangenen, die durch die Haft bereits mit vielen Einschränkungen ihrer persönlichen Freiheit leben müssen, einer hohen Sensibilität. Denn sie reagieren auf weitere restriktive Maßnahmen eher mit deutlich mehr Unmut als Menschen, die nicht inhaftiert sind.

Mitarbeitende in Gefängnissen, zuständige Gesundheitseinrichtungen und Ehrenamtliche sollen geschult werden, geeignete Vorsorgemaßnahmen zu treffen und zu kommunizieren, ohne Angst oder Panik zu verbreiten. Außerdem müssen sie auf Krankheitsfälle angemessen reagieren können. Dabei kann die Partnerkirche auf gute Erfahrungen mit Projekten zu Aufklärung und Konfliktbewältigung zurückgreifen.

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„Kirche sein“ in Zeiten von COVID-19, Botschaft aus Äthiopien 23.03.2020, 10:07 Uhr

Botschaft des Präsidenten der äthiopischen evangelischen Kirche Mekane Yesus (EECMY)

Am Freitag, den 13. März  2020, wurde bekannt gegeben, dass der erste Corona-Fall in Äthiopien diagnostiziert wurde. Bis zu diesem Tag haben wir nur über die Medien beobachtet, mit welchen Schwierigkeiten andere Länder zu kämpfen haben. Aber seitdem wurden auch wir Teil der weltweiten Gemeinschaft, die Krieg gegen dieses ansteckende Virus führt. Die Pandemie hat unser Land erreicht. Das beschäftigt und beunruhigt uns und die Mitglieder unserer Kirche und Gemeinden.

In Zeiten wie diesen sollte unser erster Impuls sein, uns als Christen Gott im Gebet zuzuwenden und für unser Land und die ganze Welt zu fasten. Die EECMY hat bereits ein einmonatiges landesweites Gebet und Fasten angekündigt, es soll vom 9. März bis zum 8. April gehen. Das sollte fortgeführt werden mit noch größerer Beteiligung und Hingabe aber wir empfehlen, dass es jetzt von zu Hause aus stattfinden soll oder in kleinen Gruppen und nicht in großen Zusammenkünften.

Als Kirche sieht die Äthiopische Evangelische Kirche Mekane Yesus (EECMY) ihre Verantwortung, alle zu ermutigen, nach den Richtlinien zu handeln, die von den äthiopischen Gesundheitsbehörden herausgegeben wurden und den Empfehlungen zum Schutz von uns allen zu folgen.

Das sollten wir in die Tat umsetzen:

  • Soziale Distanz wahren – halten Sie einen Abstand von 1-2 Metern zu anderen Personen ein
  • Treffen nur in kleineren Gruppen von 15-20 Personen – vermeiden Sie größere Zusammenkünfte
  • Unsere Hände oft waschen und hohe Hygiene-Standards einhalten

Zusätzlich fordern wir unsere Mitglieder auf bei der Begrüßung, beim Gebet, in Bibelkreisen und häuslichen Gottesdiensten, physischen Kontakt zu vermeiden und sich in kleineren Gruppen zu treffen. Schließlich fordern wir Sie auf, für alle Ein- und Austretenden bei sich zu Hause und auf dem Kirchengelände ausreichend Wasser und Seife verfügbar zu haben.

Als Christen ist es wichtig, ein vorbildliches Leben zu führen, so können wir auch in Zeiten von Corona Kirche sein. Indem wir einander lieben und unserem Nachbarn dienen, indem wir es vermeiden, die Krankheit weiter zu verbreiten und es zu unserem größten Anliegen machen, dass es unseren Mitbürgern gut geht.

Bei all dem wollen wir auch unsere Solidarität mit der weltweiten Kirche zeigen und als Brüder und Schwestern in Christus füreinander beten, besonders für die am meisten betroffenen Länder.

Römer 12, 12 sagt: „Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet.“ Damit ermutigen wir euch alle, an der Hoffnung auf den Herrn Jesus festzuhalten und geduldig und beharrlich im Gebet zu sein, während wir weiter Kirche, geeint in Christus, sind.

In Christus
Pastor Yonas Yigezu Dibisa, EECMY-Präsident

Text im englischen Original - English version

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