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„Betet für uns!“

... bitten uns unsere äthiopischen Partner in der Mekane Yesus Kirche.

„Für Niemanden bringt Krieg etwas Gutes.“ sagt uns Solomon und sieht die Ereignisse in der Tigray Region mit großer Sorge und im Zusammenhang mit anderen regionalen gewaltsamen Konflikten in Äthiopien.
Im letzten Jahr wurde Dr. Abiy Ahmed, dem im April 2018 ersten oromischen Ministerpräsidenten Äthiopiens, der Friedensnobelpreis verliehen. Ausschlaggebend war der Friedensvertrag mit dem Nachbarland Eritrea. Nach 25 Jahren Unabhängigkeit und Jahrzehnten des Bürgerkriegs und geschlossenen Grenzen, war dies ein historischer Moment. Sofort kam es zu Besuchen von Familienmitgliedern, die sich Jahrzehnte nicht mehr gesehen hatten und bei der nächsten Jahresversammlung der Mekane Yesus Kirche wurde die Delegation der Eritreischen Lutherischen aufs Herzlichste begrüßt.

Mutiger Reformkurs

Dr. Abiy wurde in den Medien als Hoffnungsträger gehandelt und stand für einen mutigen Reformkurs.
Doch die Reformen gingen manchen nicht schnell genug. Die hohe Arbeitslosigkeit konnte nicht gesenkt werden. Und der Ruf nach einem unabhängigen Oromia wurde immer lauter. Die Hauptstadt Addis Abeba inmitten dieses Bundesstaates wird nun auch in offiziellen Texten „Finfinne“ genannt, so wie die Oromo diese Stadt damit für sich beanspruchen.

Es bröckelt

Auch in anderen Bundesstaaten bröckelt es und es gibt separatistische Tendenzen vor allem an den Außengrenzen Oromias. Insgesamt gibt es in Äthiopien mehr als 2 Millionen Binnengeflüchtete.
Die Demokratisierungsbestrebungen, wozu auch die Rehabilitierung ehemaliger als terroristisch eingestufter oppositioneller Gruppierungen wie die OLF (Oromo Liberation Front) gehörte, die Freilassung vieler politischer Gefangener, fordern die Stabilität des Nationalstaats sehr heraus.

Widerstand im Westen

Nach Widerstand vor Allem im Westen Äthiopiens, im Wollega, folgten Ereignisse in der Amhara Region und nun spitzt sich innerhalb dieser Woche der Konflikt in der Tigray Region im Norden Äthiopiens zu. Die EU- Kommission warnt vor einer humanitären Katastrophe und laut Amnesty International soll es bei einem Massaker zu über Hundert Toten gekommen sein. Betroffen sind -wie immer- vor allem Zivilisten. Die Menschen sind zu Tausenden auf der Flucht und der Sudan hat seine Grenzen geschlossen.
Das ELM hat zwei Projekte in dieser Region und plant gerade ein drittes. Zwei Projekte versuchen Waisen und Kinder alleinerziehender Mütter in ihrer schulischen Ausbildung und Nachmittagsbetreuung zu unterstützen. Sie sind in Mekelle,der Regionalhauptstadt der Tigray Region, und in Rama, an der Grenze zu Eritrea, angesiedelt.

Ausgerufener Ausnahmezustand

Durch den ausgerufenen Ausnahmezustand sind Telefon- und Internetverbindungen zu den lokalen Projektverantwortlichen abgebrochen. Das ELM hat bisher von dort direkt seit dieser Woche noch keine Nachricht erhalten, versucht aber weiterhin in Kontakt zu kommen.
Die Menschen dort wünschen Unterstützung auf vielfältige Weise. „Betet für uns! Bleibt mit uns!“  Sie hoffen darauf, nicht vergessen zu werden.
Also beten wir. Lassen Sie uns beten für die Menschen in Äthiopien, im Wollega, in Oromia, in Gambella und in Tigray!

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EECMY: Kirche sein in Zeiten von COVID-19

Kirchenpräsident Yonas Yigezu dankt ausländischen Partnern für Anteilnahme und Unterstützung I Juli 2020

Pastor Yonas Yigezu Dibisa, Präsident der Äthiopischen Evangelischen Kirche Mekane Yesus (EECMY), sagt Dank: „Es ist tröstlich und ermutigend zu wissen, dass Sie in Solidarität und Gebet als christliche Geschwister an unserer Seite stehen.“ Damit reagierte er auf die große Anteilnahme der ausländischen Partnerorganisationen anlässlich seiner jüngsten Botschaft zur COVID-19-Pandemie.

Unter der Überschrift „,Being Church‘ in times of COVID-19“ (Kirche sein in Zeiten von COVID-19) hatte Yigezu auf die prekäre Situation seiner Kirche infolge der Pandemie  und der damit verbundenen staatlichen Restriktionen hingewiesen. Gleichzeitig betonte er, dass die EECMY ihre Mitglieder dazu ermutige, für die Partner im Ausland zu beten. Man lobe Gott dafür, dass man in Europa langsam das gesellschaftliche Leben wieder öffnen könne, höre aber auch von der Situation in Nord- und Südamerika, wo die Zahl der Neuinfektionen jeden Tag höher seien als am Tag zuvor.

„Hier in Äthiopien bereiten wir uns auf weitere Monate mit Restriktionen und eingeschränkten Aktivitäten vor“, so Yigezu vor dem Hintergrund steigender Infektionszahlen in Südafrika und der Erwartung, dass sich das Epizentrum der Pandemie in den kommenden Monaten von Amerika nach Afrika verlagere. „Wir beten, dass Gott barmherzig sein möge mit Afrika und Äthiopien. Das Gesundheitssystem und die finanziellen Ressourcen sind begrenzt und durch die Folgen der Restriktionen der vergangenen Monate ist die Bevölkerung sogar noch anfälliger gegenüber der COVID-19-Pandemie.“

Alle Einrichtungen und Plätze der EECMY seien seit 3 Monaten geschlossen und die Mitglieder würden darunter leiden, sich nicht zum Gebet oder Gottesdienst treffen zu können, beschreibt Yigezu die Situation seiner Kirche. Die finanzielle Lage sei schwierig, da nur wenige Mitglieder ihren Zehnten oder ihre Beiträge leisteten aufgrund finanzieller Engpässe und der Anordnung, zuhause zu bleiben.                              

In der Zeit der Kirchenschließungen hätten sich die Gottesdienste in die Häuser und ins Umfeld von Familien verlagert, wo ungewohnte und neue technische Formate ausprobiert worden seien, um Gottes Wort durch Predigt, Gottesdienst und Gebete in die Häuser und das Leben der Mitglieder zu bringen. „Auf gewisse Weise sind wir zurückgekehrt zu einer Form von Gottesdiensten wie zu Zeiten der Verfolgung, als Hauskirchen und kleine Gemeinschaften die einzige Möglichkeit darstellten, sich als Christen zu treffen“, so der Kirchenpräsident. „Und gleichzeitig sind wir in die Zukunft mit ihren Herausforderungen und Segnungen gezwungen worden.“

Das Angebot der Kirche werde durch den Mekane Yesus TV-Kanal, soziale Medien, Nachrichten-Apps und Video-Konferenzen übertragen, um die Menschen zusammenzubringen, so Yigezu. „Wir treffen uns auf neuen Wegen und lernen so, die Herausforderungen sozialer Distanzierung, um unser Bestes für unsere Sicherheit zu tun.“ Gleichzeitig erlebe man, wie schwer es sei, alle zu erreichen, „wegen der Unterschiede zwischen dem Leben der Menschen in ländlichen Gebieten und denen in den Städten, zwischen Arm und Reich, denen die Zugang zu TV und Internet haben und den vielen Menschen ohne Strom.“      

Angesichts des vergleichsweise langsamen Anstiegs der COVID-19-Neuinfektionen in Äthiopien, sei man ermutigt, eventuell Sonntagsgottesdienste mit bis zu 50 Menschen unter Beachtung der vom Gesundheitsministerium erlassenen Hygienevorschriften durchzuführen. „Wir hoffen, dass die Möglichkeit, sich sonntags zum Gottesdienst treffen zu können, unsere Mitglieder spirituell und sozial stärken und auch die Gemeinden bei ihren finanziellen Herausforderungen unterstützen wird“, so Yonas Yigezu.

Zusätzlich zu den Herausforderungen durch die Pandemie und den ökonomischen Schwierigkeiten als Folge der Präventivmaßnahmen, sehe man aber auch die Herausforderungen durch die politischen Unruhen und Unsicherheiten, die die Verschiebung der Wahlen und der Konflikt mit Ägypten wegen des großen äthiopischen Staudammes hervorgerufen hätten. „Als Kirche möchten wir zu Frieden und Einheit beitragen, und wir unterstützen diejenigen, deren Arbeit für Versöhnung und eine friedliche Entwicklung dem äthiopischen Volk ganzheitlich dient.“

Gleichzeitig bittet Yonas Yigezu seine ausländischen Partner um Verständnis, dass durch die politischen Unruhen und infolgedessen der Sperrung des Internets die Möglichkeiten zur Kommunikation z. B. über E-Mails sehr begrenzt seien.

„Wir hoffen, dass Sie im Gebet bei uns sind“, schließt der Kirchenpräsident seine Botschaft an die Partner. „Wir brauchen Gottes Gnade und Barmherzigkeit in Zeiten wie diesen, und Zeugnis  und, um auch in der Krise die Gute Nachricht miteinander zu teilen.“

Mit einem Hinweis auf Epheser 3,16 schließt Kirchenpräsident Yigezu in seiner Dankesbotschaft an die Partner mit einem Aufruf, auch weiterhin füreinander zu beten. „Es ist unsere Hoffnung und unser Gebet, dass wir alle gestärkt werden, auch in Krisen- und schwierigen Zeiten zu Seinem Ruhm zu arbeiten.“    

Lesen Sie die Botschaft und den Dankesbrief von Kirchenpräsident Yonas Yigezu im Original.                                  

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Einsatz für Corona-Prävention: Mekane-Yesus-Kirche setzt sich ein für gefährdete Menschen

Die ELM-Partnerkirche in Äthiopien (Äthiopische Evangelische Kirche Mekane Yesus kurz: EECMY) sieht die Gefahr einer drohenden Ausbreitung von COVID-19. Das Gesundheitssystem im Land hat zwar große Schritte nach vorn gemacht, ist aber vor allem in ländlichen Regionen immer noch schwach ausgeprägt. Besonders geschlossene Einrichtungen wie Gefängnisse bergen eine hohe Gefahr, sich mit dem Corona-Virus zu infizieren. Dazu kommt, dass Menschen in Gefängnissen oftmals leichter erkranken und einen schlechteren Gesundheitszustand als die Allgemeinbevölkerung haben. Sie gehören oft zu Risikogruppen. Viele rauchen, die Hygiene ist oft mangelhaft und der durch die Enge hervorgerufene Stress schwächt die Immunabwehr. Häufig leiden Gefangene in Äthiopien an Vorerkrankungen wie Tuberkulose und Folgeschäden des Drogenkonsums.

Erste Hilfsmaßnahmen in zwei großen Gefängnissen sind bereits angelaufen: In den Gefängnissen in Ambo und Adama (beide in der Region Oromia) werden von der EEMCY Materialien zur Infektionsprävention und persönliche Schutzausrüstung bereitgestellt: 4.000 Seifenstücke, Desinfektionsmittel, Handschuhe und Masken sowie zusätzliche mobile Waschbecken. Diese Maßnahmen der EECMY werden mit Spenden des ELM finanziert. Für 55,00 Euro können zum Beispiel 100 Stück Seife zu den Gefangenen gebracht werden. Das reicht für die Gefangenen in einer typischen überfüllten Gefängniszelle.

Zembaba D. arbeitet im Ambo-Gefängnis als diensthabender Gefängniswärter und begrüßt die Maßnahmen der Mekane-Yesus-Kirche: „Zunächst möchte ich mich bei der Mekane-Yesus-Kirche bedanken. Wir waschen uns so oft wie möglich die Hände, um uns zu schützen.“ Gleichzeitig sieht er aber bei aller Dankbarkeit das Problem der fehlenden Möglichkeit, sich räumlich zu distanzieren: „Es gibt keine soziale Distanz zwischen uns hier im Ambo-Gefängnis. Hier leben 70 bis 100 Gefangene in einem Raum. Es ist schier unmöglich, dass wir die Pandemie verhindern können, wenn so viele Insassen in einem Raum leben.“ Deshalb fordert er eine politische Lösung des Problems. „Die Regierung sollte eine Lösung finden, denn die Pandemie braucht soziale Distanz. Wir sind einfach zu viele Menschen auf zu engem Raum. Die Menschen, die entlassen werden, sind Kurzzeithäftlinge mit Haftstrafen bis zu zwei Jahren, aber es gibt auch Gefangene mit Haftstrafen von sieben oder mehr Jahren, die noch nicht entlassen wurden.“

Auch Markos O., der in Ambo inhaftiert ist, sieht in den Hygienepaketen eine Voraussetzung für die Gesunderhaltung der Inhaftierten: „Ich möchte der EECMY im Namen aller Gefangenen für diese Geschenke danken. Wir versuchen, unsere persönliche Hygiene aufrecht zu erhalten, nachdem wir von der Pandemie erfahren und die dafür nötigen Desinfektionsmittel, Seifen und Masken bekommen haben. Und wir achten sehr auf Sauberkeit.“ 

Aber auch er fordert weitergehende Maßnahmen. Die EECMY sieht im Umgang mit Menschen in Gefängnissen den Bedarf eines regierungsweiten und gesamtgesellschaftlichen Ansatzes. Es gelte, die Einschleppung des Erregers zu verhindern, die Ausbreitung innerhalb des Gefängnisses zu begrenzen und die Möglichkeit einer Ausbreitung aus dem Gefängnis in die Außenwelt zu verringern.

Neben ganz konkreter Hilfe setzt die EECMY im ersten Schritt vor allem auf Aufklärungsarbeit. Das bedarf bei Gefangenen, die durch die Haft bereits mit vielen Einschränkungen ihrer persönlichen Freiheit leben müssen, einer hohen Sensibilität. Denn sie reagieren auf weitere restriktive Maßnahmen eher mit deutlich mehr Unmut als Menschen, die nicht inhaftiert sind.

Mitarbeitende in Gefängnissen, zuständige Gesundheitseinrichtungen und Ehrenamtliche sollen geschult werden, geeignete Vorsorgemaßnahmen zu treffen und zu kommunizieren, ohne Angst oder Panik zu verbreiten. Außerdem müssen sie auf Krankheitsfälle angemessen reagieren können. Dabei kann die Partnerkirche auf gute Erfahrungen mit Projekten zu Aufklärung und Konfliktbewältigung zurückgreifen.

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„Kirche sein“ in Zeiten von COVID-19, Botschaft aus Äthiopien 23.03.2020, 10:07 Uhr

Botschaft des Präsidenten der äthiopischen evangelischen Kirche Mekane Yesus (EECMY)

Am Freitag, den 13. März  2020, wurde bekannt gegeben, dass der erste Corona-Fall in Äthiopien diagnostiziert wurde. Bis zu diesem Tag haben wir nur über die Medien beobachtet, mit welchen Schwierigkeiten andere Länder zu kämpfen haben. Aber seitdem wurden auch wir Teil der weltweiten Gemeinschaft, die Krieg gegen dieses ansteckende Virus führt. Die Pandemie hat unser Land erreicht. Das beschäftigt und beunruhigt uns und die Mitglieder unserer Kirche und Gemeinden.

In Zeiten wie diesen sollte unser erster Impuls sein, uns als Christen Gott im Gebet zuzuwenden und für unser Land und die ganze Welt zu fasten. Die EECMY hat bereits ein einmonatiges landesweites Gebet und Fasten angekündigt, es soll vom 9. März bis zum 8. April gehen. Das sollte fortgeführt werden mit noch größerer Beteiligung und Hingabe aber wir empfehlen, dass es jetzt von zu Hause aus stattfinden soll oder in kleinen Gruppen und nicht in großen Zusammenkünften.

Als Kirche sieht die Äthiopische Evangelische Kirche Mekane Yesus (EECMY) ihre Verantwortung, alle zu ermutigen, nach den Richtlinien zu handeln, die von den äthiopischen Gesundheitsbehörden herausgegeben wurden und den Empfehlungen zum Schutz von uns allen zu folgen.

Das sollten wir in die Tat umsetzen:

  • Soziale Distanz wahren – halten Sie einen Abstand von 1-2 Metern zu anderen Personen ein
  • Treffen nur in kleineren Gruppen von 15-20 Personen – vermeiden Sie größere Zusammenkünfte
  • Unsere Hände oft waschen und hohe Hygiene-Standards einhalten

Zusätzlich fordern wir unsere Mitglieder auf bei der Begrüßung, beim Gebet, in Bibelkreisen und häuslichen Gottesdiensten, physischen Kontakt zu vermeiden und sich in kleineren Gruppen zu treffen. Schließlich fordern wir Sie auf, für alle Ein- und Austretenden bei sich zu Hause und auf dem Kirchengelände ausreichend Wasser und Seife verfügbar zu haben.

Als Christen ist es wichtig, ein vorbildliches Leben zu führen, so können wir auch in Zeiten von Corona Kirche sein. Indem wir einander lieben und unserem Nachbarn dienen, indem wir es vermeiden, die Krankheit weiter zu verbreiten und es zu unserem größten Anliegen machen, dass es unseren Mitbürgern gut geht.

Bei all dem wollen wir auch unsere Solidarität mit der weltweiten Kirche zeigen und als Brüder und Schwestern in Christus füreinander beten, besonders für die am meisten betroffenen Länder.

Römer 12, 12 sagt: „Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, beharrlich im Gebet.“ Damit ermutigen wir euch alle, an der Hoffnung auf den Herrn Jesus festzuhalten und geduldig und beharrlich im Gebet zu sein, während wir weiter Kirche, geeint in Christus, sind.

In Christus
Pastor Yonas Yigezu Dibisa, EECMY-Präsident

Text im englischen Original - English version

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