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Lehrkräfteforum Hannover - Dezember 2019

Jetzt anders leben

Das vergangene Lehrer*innen-Forum der Landeskirche Hannovers nahm kurz vor Weihnachten 2019 diesen Appell der Jüngeren an die Älteren als Thema auf und fand einen prominenten Fürsprecher.

„Jetzt. Anders. Leben. Globale Verantwortung teilen“ lautete das Motto. In Gesprächsrunden und Workshops setzten sich die Lehrer*innen mit Themen wie Demokratie, Geschlechtergerechtigkeit, kulturelle Vielfalt, fairer Konsum oder Digitalisierung auseinander.

In seinem einleitenden Impulsreferat zum Thema, wies Prof. Dr. Martin Junge, Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes darauf hin, dass es eine Illusion sei, zu glauben lokale Zusammenhänge ließen sich von globalen Zusammenhängen isolieren. Weil lokales Handeln globale Konsequenzen hat, sieht Junge auch die Verantwortung von Lehrenden: Auch wenn wir kontextuell handeln sind wir aufgefordert, dieses Handeln global einzuordnen.

Junge konzentrierte sich auf zwei exemplarische Herausforderungen, was es bedeuten könnte, verantwortlich zu leben: die Flüchtlingsbewegungen und die Klimakatastrophe. In diesem Artikel werden seine eindringlichen Ausführungen zum Thema Flucht referiert. Die gesamte Rede können Sie auf der Webseite der Landeskirche Hannovers nachlesen.

Bei der Frage des Umgangs mit Geflüchteten verweist Junge auf die Gründungsgeschichte des Lutherischen Weltbundes. Beim Lutherischen Weltbund handelt es sich um eine globale Gemeinschaft von 148 Mitgliedskirchen in 99 verschiedenen Ländern der Welt. 1947 in einer Trümmerlandschaft gegründet, ging es dem LWB zentral um die Frage, wie ein Zusammenleben nach solch einer Gewalt möglich sein, und wie ein moralischer Kompass, der so völlig verrückt gespielt hatte, wieder seine Nordung finden würde.

Dies war die Situation, in der lutherische Kirchen zusammen kamen, um sich zu fragen:

„Wer wollen wir sein, was wollen wir sein inmitten dieser gegenwärtigen Herausforderungen? Welches Zeugnis können wir anbieten, welches wird unser Beitrag sein in einer Welt, die sich neu aufstellen muss?“

Hilfsprogramme für Geflüchtete in diakonischer Ausrichtung wurden aufgelegt. Kirchen bekannten sich offensiv zur Zusammenarbeit in konkreter Verantwortungsübernahme weltweit.

In der gegenwärtigen Situation sieht Junge, dass die Arbeit im Einsatz für Geflüchtete schwieriger geworden ist und erinnert daran, dass nicht der Nachname, die Herkunft oder die Religionszugehörigkeit definieren, wer ein Flüchtling ist, sondern die Schutzbedürftigkeit der Person:

„Es macht mir große Sorge, wie der humanitäre Gedanke zur Zeit stark erodiert. Es ist nicht mehr so selbstverständlich, dass Menschen auf der Flucht geschützt werden sollen. Wenn in einer kaputten Welt nach dem Zweiten Weltkrieg 50 Millionen Flüchtlinge geschützt werden konnten, wieso bloß ist es heute so schwierig, in einer Welt, die ihre finanziellen und technischen Möglichkeiten vervielfacht hat, den ca. 75 Millionen Flüchtlingen und Binnenvertriebenen Schutz zu gewähren?

Ich nehme mit Trauer wahr, dass es – fast über Nacht – möglich gewesen ist, milliardenschwere Rettungsschirme über kollabierende Banken aufzuspannen, doch die benötigten Rettungsboote auf dem Mittelmeer zu einem riesigen, ungelösten Problem werden, ja, deren Existenz sogar kriminalisiert wird. Ich kann durchaus nachvollziehen, dass Banken, weil sie systemrelevant sind, gerettet werden mussten. Doch wenn Banken, warum dann nicht Menschen? Etwa weil sie nicht systemrelevant sind? Das meine ich, wenn ich von einer Erosion des humanitären Gedankens spreche.“

Anette Makus

 

 

Dr. Martin Junge, seit 2009 Generalsekretär des Lutherischen Weltbundes, ist Sohn einer österreichischen Mutter und eines chilenischen Vaters. Er studierte Theologie in Göttingen und absolvierte ein Gastvikariat in Hannover, bevor er 1989 zum Pfarrer der Ev.-Luth. Kirche in Chile (Iglesia Evangélica Luterana en Chile – IELCH) ordiniert wurde. Von 1989 bis 2000 arbeitete Junge als Pfarrer in Gemeinden in Santiago de Chile und war von 1996 bis 2000 Präsident der IELCH. Seit 2000 ist er Gebietsreferent für Lateinamerika und die Karibik in der Abteilung für Mission und Entwicklung des Lutherischen Weltbundes. 

 

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