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Abschlussbericht Rev. I.M. Charles Isaac Raj

Rev. I.M. Charles Isaac Raj lässt uns Teil haben an seinen Erfahrungen, die er in Deutschland und mit Deutschen gemacht hat. Wir veröffentlichen hier seinen bearbeiteten und gekürzten Abschlussbericht:


Liebe Schwestern und Brüder in Christus!


Zunächst bedanke ich mich bei unserem Herrn Jesus Christus für die Gelegenheit nach Deutschland zu kommen, um als Ökumenischer Mitarbeiter/Pastor arbeiten zu dürfen.
Die Anfangsphase in Deutschland war sehr schwierig, obwohl wir schnell eine gemütliche Wohnung  und nette Nachbarn gefunden  haben. Alles in Deutschland war für mich neu. Die Landschaft, das Klima, die Sprache, das Essen, die Gesellschaft, die Menschen, die Kultur, die Regeln. Zum Beispiel war es für mich zunächst befremdlich, dass sich junge Menschen in der Öffentlichkeit küssen und auch Frauen öffentlich rauchen. Am Anfang hatte ich einen regelrechten Kulturschock. Trotzdem habe ich mich aber gut eingelebt und sehe jetzt einiges anders als zu Beginn meines Aufenthalts. Bevor ich nach Deutschland reiste dachte ich zum Beispiel, dass Deutschland ein durch und durch christliches Land sei. Tatsächlich ist Deutschland längst nicht so vom christlichen Glauben durchdrungen wie ich dachte, stattdessen stelle ich fest, dass Deutschland ein  außerordentlich demokratisches Land ist.
Innerhalb „meiner“ deutschen Kirchengemeinde fällt mir auf, dass sowohl Gott, als auch Pastor*innen und  Älteren oft mit Du und ihrem Vornamen angesprochen werden, in Indien ist das undenkbar.
Ich bin erstaunt über die riesengroße und schöne Architektur der Kirchengebäude, der Glocken und Pfeifenorgeln. Gleichzeitig bin ich besorgt über die geringe Besucherzahl der Erwachsenen und Jugendlichen in den Gottesdiensten.
Es ist wirklich eine Überraschung für mich, dass der Wein und die Hostien von Laien während des Abendmahlsgottesdienstes verteilt werden. In Indien sind die Pastor*innen die einzigen maßgeblichen Personen, die den Wein und die Hostien verteilen.
Es fällt mir sehr leicht, die deutschen Lieder in den Gottesdiensten zu singen. Denn viele deutsche Lieder mit den Melodien sind bereits in meine Muttersprache Tamil übersetzt.
Ich finde es sinnvoll, dass die Kinder mit einem Licht vom Gottesdienst zu ihrem Kindergottesdienst hinausgehen. Ich habe dieses schöne Element bereits in meiner ehemaligen Gemeinde in Palladam, TELC, Tamilnadu, Südindien eingeführt.
Aufgefallen ist mir, dass sowohl Pastor*innen als auch kirchliche Ämter keine großen Hemmschwellen aufbauen, sondern einen unkomplizierten Kontakt zulassen.


Was mir insgesamt in Deutschland auffällt:

Ich hatte in Indien schon gehört, dass  Terminvereinbarungen in Deutschland sehr wichtig seien. Dieser Eindruck hat sich in meiner Zeit in Deutschland bestätigt. Ich finde das aber gut. In Deutschland wird viel Wert auf Pünktlichkeit gelegt und alles ist geregelt - so habe ich das zumindest erlebt. Völlig ungewohnt waren auch die Planungsmethoden von Deutschen, die ich kenennegelernt habe. Zum Beispiel planen sie mindestens ein Jahr vorher und machen einen  A-Plan und einen B-Plan. Das kenne ich aus meiner Zeit in Indien nicht.
Ich freue mich über die Freiheiten der Frauen in Deutschland, sie sind gleichberechtigt. Indische Frauen haben in der Regle viel weniger  Freiheiten in der Familie und der Gesellschaft. Manchen gelten sie gar als  Bürger zweiter Klasse. Außerdem begrüße ich sehr, dass es in Deutschland kein Kastensystem gibt.
Menschen in Deutschland können ein sicheres und hochwertiges Leben führen. Die Armutsquote ist in Deutschland im Vergleich zu Indien sehr niedrig. Und das Abfallentsorgungssystem und das Gesundheitssystem in Deutschland finde ich fantastisch.


Was ich in Deutschland gemacht habe (Beispiele):

In der Nordstädter Kirchengemeinde habe ich Gottesdienste und Abendmahlsgottesdienste, eine Konfirmation, Bibelarbeiten und Bibelstunden mit Senioren (mit)gestaltet. Weiter gehörte zu meinen Aufgaben: Besuchsdienste zu machen, Gemeindebriefe auszutragen und  Gemeindefeste zu unterstützen. In der Vesperkirche habe ich mit meiner Frau Indra als Freiwilliger mitgearbeitet. Ich habe in dieses Programm das tamilische Pongal Fest zusammen mit der katholisch-tamilischen Gemeinde und dem Hindu-Priester integriert und gefeiert. Von meinen weiteren Tätigkeiten seien nur einige genannt: Mitglied im Gottesdienstausschuss, Teilnahme, am Alfakurs und Taufvorbereitungskurs für  Flüchtlinge,  Abendmahlsandachten  in einem Seniorenpflegeheim,  Bildvorträge über Indien, Teilnahme am Männerkreis. Meine Frau Indra hat regelmäßig beim Frauenfrühstück und im Bastelkreis mitgearbeitet.
Für das Ev.-luth. Missionswerk in Niedersachsen habe ich regelmäßig Missionsfestgottesdienste in verschiedenen Gemeinden in der Hannoverschen Landeskirche gehalten. In verschiedenen Gemeinden der Hannoverschen Landeskirche habe ich Bildvorträge über meine Pastoralarbeit in der TELC gezeigt. Mitarbeit bei Konfirmandenfreizeiten, Studientagen, Partnerschaftsgruppentreffen und Indien-Studientagen. Auf den Indienstudientagen habe ich beispielsweise Vorträge über das indische Familiensystem, das Leben und die Arbeit des deutschen Missionars Rev. Bartholomäus Ziegenbalg im BiKZ gehalten. Meine Frau Indra und meine Tochter Nancy haben einen Bildvortrag über das Leben und die Arbeit der indischen Frauen bei einer Frauen- Konferenz in Hermannsburg gehalten. Außerdem war ich sehr froh, dass ich als Mitglied im Bewilligungsausschuss des ELM arbeiten dufte.
 

Welche Anregungen nehme ich mit nach Indien?

  • Krankenversicherung für die Pastor*innen und die Mitarbeitenden in der TELC. Es gibt keine Krankenversicherung für die Pastor*innen und die Mitarbeitende in der TELC.
  • Urlaub - Gesetzlich haben wir den Anspruch auf Urlaub, wir nutzen ihn aber selten
  • Weggemeinschaft - Hauskreis und die Bibelarbeit
  • Pünktlichkeit, Gleichberechtigung, Einfachheit und Transparenz
  • Kinderfreizeit, Konfirmandenfreizeit, Seniorenfreizeit
  • Schulanfänger- und Einschulungsgottesdienste
  • Tauferinnerung, Konfirmationsjubiläum und Christi Himmelfahrt open air Gottesdienste
  • Ich würde gerne die Deutsche Sprache meinen Gemeindegliedern in Tamilnadu beibringen.
  • Adventskranz
  • Ostereier-Dekoration

Herausgehoben Ereignisse während meines Deutschlandaufenthalts:

Ich bin wirklich glücklich und gesegnet, dass ich bei den 500 Jahr-Jubiläumsfeierlichkeiten der Reformation im Jahr 2017 mitarbeiten zu dürfen. Während dieser Zeit kamen zwei Gruppen aus der TELC. Eine Gruppe war ein Spezialchor und die andere eine Volkstanzgruppe. Zusammen mit dem Spezialchor und Frau Ute Penzel habe ich einen ökumenischen Liedgottesdienst in der katholischen Kirche organisiert. Mit der Volkstanzgruppe habe ich eine Tanzveranstaltung in der Christuskirche in Hannover organisiert.
Im Jahr 2019 hatte ich die Gelegenheit, den Bischof der TELC beim Einweihungsgottesdienst des Bischofs Herrn Kremer in Magdeburg und in der EKD-Synode in Dresden zu vertreten. Ich hatte ebenfalls die Gelegenheit, eine Trauerfeier für einen Mann der tamilisch-katholischen Kirche auf dem städtischen Friedhof in Hannover abzuhalten und am 31. Oktober 2019 habe ich, zusammen mit Pastorin Indra Grasekamp und der tamilisch-katholischen Kirche, einen Reformationsgottesdienst in der Lutherkirche Hannover durchgeführt.
Während meiner Arbeit hier möchte ich mich auf das Gebiet der Ökumene konzentrieren. Durch die Gnade Gottes hatte ich die Möglichkeit, die Tamilisch-katholische Gemeinde in Hannover kennenzulernen. Die Gemeindeglieder sind aus Sri Lanka ausgewandert. Unsere Muttersprache ist tamilisch. Das ermutigte mich, eine ökumenische Beziehung zwischen den Lutheranern und den Katholiken aufzubauen. In meiner Freizeit begleitete ich sie als Gitarrist in ihrem Chor und in den Gottesdiensten. Im Jahr 2017 besuchte ein Spezialchor von TELC Deutschland. Mit dieser Gruppe haben wir, in Zusammenarbeit mit der Pfingstgemeinde, im Mai in der katholischen Kirche in Hannover einen ökumenischen Liedgottesdienst gefeiert.
Während der Zeit der Vesperkirche habe ich ein tamilisches Erntedankfest namens PONGAL, in Zusammenarbeit mit der Tamilischen-katholischen Gemeinde, geplant. Das Pongalfest hat keine religiösen Grenzen. Es ist ein Fest für alle Tamilen. Dazu haben wir den hinduistischen Priester in Hannover zu einem Interview eingeladen. Das war sehr erfolgreich.


Welche Anregungen habe ich für die Landeskirche Hannovers?

Ich persönlich finde, dass die Gottesdienste in unseren lutherischen Kirchen recht stereotyp sind. Ich bin besorgt über die geringe Zahl der Gottesdienstbesucher. Es ist dringend notwendig, unsere Gottesdienste lebendig zu gestalten. Deshalb sollten wir es zulassen, dass in den Gottesdiensten verschiedene Musikinstrumente gespielt werden. Zum Beispiel die Trommel, die Damarine und die Gitarre. Schön wäre auch die Erlaubnis, dass unsere Gemeindeglieder ihre Lebenszeugnisse während des Gottesdienstes mitteilen dürften. Und wir sollten unsere Gemeindeglieder ermutigen, ihre Bibel zum Mitlesen in den Gottesdienst mitzubringen. Wir könnten auch unsere Kirchen für die Durchführung internationaler Gottesdienste öffnen. Zumindest für die europäischen Sprachen. Und es könnten einige Sonderprogramme arrangiert werden, um die Jugend für die Teilnahme an den Gottesdiensten zu gewinnen.
Ich wünsche mir, dass das Austauschprogramm fortgesetzt wird, um die Beziehung zwischen den Partnerkirchen zu stärken. Darüberhinaus wünsche ich mir, dass auch eine*n Pfarrer*in aus Deutschland als Austauschpastor*in in die Partnerkirche entsandt wird.

Zusammenfassung:

Die Zeit ist schnell vergangen. Obwohl der Anfang schwierig war, haben wir uns Schritt für Schritt an die Situation in Deutschland gewöhnt. Die Lebenszeit, die wir hier verbracht haben, war sehr angenehm. Ich habe so viele Erfahrungen und Eindrücke gesammelt und Freunde in Deutschland gewonnen. Ich preise Gott für diese einzigartige Gelegenheit. Es ist eine unvergessliche Zeit in meinem Leben. Ich habe als Hannoveraner gelebt. An dieser Stelle würde ich sagen: Indien ist mein Mutterland und Deutschland ist mein Vaterland. Ich habe mich persönlich davon überzeugt, dass die Liebe Gottes mich hierher gebracht hat, um unter Ihnen und Euch zu arbeiten. Deshalb würde ich sagen,
Gottes Liebe ist so wunderbar ...
So wunderbar groß ...
Meine Frau und ich verabschieden uns mit schwerem Herzen und unter Tränen von Ihnen und Euch allen. Denken Sie bitte in Ihren Gebeten an uns. Wenn Gott will, werden wir uns wiedersehen.
Möge Gott Sie alle segnen.


Rev. I.M.CHARLES ISAAC RAJ
Pastor, Nordstädter Kirchengemeinde, Hannover.
Ökumenischer Mitarbeiter, ELM.

 

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