Sibirien: Eine Vision für die Gemeinde Novosibirsk
Ob es an der Verpackung liegt, dass es so mühsam ist, in Russland Menschen für Gottes Wort zu interessieren? Als wäre Gottes Wort eine alte Konservendose, die nur noch tote Worte beinhaltet, das Haltbarkeitsdatum längst überschritten?
„Der Glaube ist nicht jedermanns Ding“. Manche sibirischen Gemeinden halten an alten Traditionen so stark fest, dass andere, die vom Glauben keine Ahnung haben, abgeschreckt werden: „So steht´s geschrieben, so haben es uns die Väter und Mütter erklärt, so machen wir weiter“, auf deutsch, mit Kopftuch und Rock (letzteres gilt aber nur für die Frauen). Der Glaube ist nicht jedermanns Ding – so kommt die Jugend nicht nach, so werden die Bethäuser immer leerer, so erstarrt Gottes Wort und reicht nicht in das Leben der Menschen.
Seit einem Jahr leben Stefanie und Michael Fendler in Novosibirsk und setzen sich dafür ein, die Gemeinde mitzunehmen auf einen Weg in die Zukunft – so berichteten sie auf dem Missionsfest im Juni. Dessen Motto gilt auch für die Gemeinde in Novosibirsk: „Ihr sollt leben!“
Dazu ist sehr viel Geduld und Fürbitte nötig. „Es hat keiner wirklich auf uns gewartet“, stellt Stefanie Fendler im Nachhinein fest: „Der leitende Bruder ist 83 Jahre und wünschte einen Nachfolger. Als wir kamen, sollte sich aber nichts ändern und die Kirche dennoch wieder voll werden.“
Doch es müssen sich in der Gemeinde viele Dinge ändern. Ein russischsprachiger, zeitgenössischer Gottesdienst, nachgehende Seelsorge und das Knüpfen neuer Kontakte sind ausschlaggebend für die Zukunft. Fendler will den vielen russlanddeutschen und andere Menschen in Novosibirsk deutlich machen, dass lutherische Gemeinde nicht nur etwas Deutsches für die Oma ist. „Besonders die mittlere und junge Generation hat keine Vorstellung, wer wir Lutheraner wirklich sind“, stellt Fendler fest. „So bemühen wir uns also darum, bekannt zu werden, indem wir einladen und für die Gemeinde werben“.
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