Brasilien: Dialog auf der Palmrinde - Ein Kakawade für die Kulina

„Eine etablierte christliche Kulina-Gemeinde gibt es nicht“, so Missionar Frank Tiss, "auch halte ich keine sonntäglichen Predigten. Dennoch bin ich ihnen Pastor geworden: Jedenfalls bezeichnen mich viele als ihren Kakawadé: das ist einer, der sich um etwas oder jemanden kümmert; einer, der aufmerksam ist für Bedürfnisse. In Bezug auf Tiere ist er ein Hirte, lateinisch „Pastor“.
Der Kakawadé ist in geduldiger Fürsorge für einen da, bis man wieder allein weiterkommt.“
Tiss ist gerne solch ein Kakawadé – er steht den Kulina geduldig zur Seite, wo sie allein zeitweilig nicht mehr weiterkommen.

Das Reden über den Glauben beginnt bei Tiss auf dem aus Palmrinde gefertigten Fußboden einer Hütte: „Wir befragen uns gegenseitig, antworten, erzählen. Im hier populären Christentum kommt viel Christus, der gekreuzigte und auferstandene, aber fast nie Jesus, der Mensch aus Nazareth, vor. Ich erzähle gern, wie er mit Armen und am Rande ihrer Gesellschaft Stehenden umgegangen ist.“
Dafür erntet er oft Staunen: „Dieser Jesus ist doch bei den Reichen in der Stadt!“ Jesus, ein Freund der Armen – das ist „Frohe Botschaft“, die die Kulina durch das gemeinsame Leben mit Familie Tiss erleben.

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