Christen und Muslime in Äthiopien – Wahrnehmungsmuster verändern

Von den ca. 73,9 Mio Äthiopiern gehören 43,5% den Orthodoxen Christen, 18,6% den Protestanten, 0,7% den Katholiken, und 33,9% den Muslimen an (offizielle Statistik 2008).

Seit dem siebten Jahrhundert, in dem eine vom Propheten Muhammad gesandte Gruppe von Verfolgten Exil beim christlichen Herrscher gefunden hat, leben Christen und Muslime in Äthiopien mit wenigen Ausnahmen friedlich zusammen.

Hin und wieder kommt es vereinzelt zum Aufeinanderprallen. Eine provokative Handlung tritt in eine von stereotypen Denkmustern geprägte Wahrnehmung des jeweils Anderen, und löst zumeist bei Jüngeren (die leichter zu gewaltsamen Handlungen zu animieren sind) eine Reaktion aus, die zu Gewalt und in einen Konflikt führt. Die Denkmuster werden oft von „fundamentalistischen“ und „extremistischen“ Gruppierungen und Individuen gefüttert, die jedoch von der Gesamtbevölkerung strikt abgelehnt werden. So gibt es von Seiten der Regierung des Öfteren Verlautbarungen zusammen mit den religiösen Leitenden, die sich deutlich gegen Extremismus äußern.

Es ist bekannt, dass im Horn von Afrika gerade innerhalb des extremistischen Islam vermehrt Aufrufe zu gewaltsamen Aktionen gegen Christen erfolgen (zuletzt in Somalia). Haggai Erlich, ein in diesem Gebiet bekannter Historiker, schreibt in seinem Buch „Saudi Arabia & Ethiopia“ (S. 7): „the main confrontation today is not Christian-Islamic, but Islamic-Islamic“. Er weist damit hin auf eine innerislamische Debatte zwischen der Saudi-Arabischen Doktrin (Wahhabismus), die als puritanisch beschrieben werden kann (Islam in der, „reinen“ Form, d.h. mit anderen kulturellen Elementen unvermischt), und Äthiopiens populären, mystisch geprägten und milden, orthodoxen Form, die mit traditionell-religiösen und kulturellen Elementen vermischt ist. Dieser innerislamisch geführte Dialog hat Auswirkungen für Christlich-Muslimische Beziehungen.

Mit dem Projekt „Christlich-Muslimische Beziehungen“, für das ich als Berater arbeite, versucht die Äthiopische-Evangelische Kirche Mekane Yesus, an der Basis festgefahrene Wahrnehmungsmuster zu verändern (Römer 12,2), um den hauptsächlichen Bekehrungswillen der eifrigen Christen, der selbst Teil des Konfliktkreislaufs sein kann, so zu gestalten, dass der Friede Christi im Vordergrund steht. Dann kann Zeugnis so abgelegt werden, dass Muslime authentisch den christlichen Glauben erfahren können. Zu diesem Glauben aber führt Gott durch seine Mittel und Wege. Hierzu gehören oft Auditionen, Visionen, Träume und Heilungswunder.

Jürgen Klein, Addis Abeba, 17. Mai 2010 für "Eglise Missionaire"

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