Indien-Partnerschaftstagung mit großer Resonanz
„Kinderheime in Indien – noch sinnvoll???“ – unter diesem Titel fand im April 2010 die diesjährige vom ELM veranstaltete Indien-Tagung im Ludwig-Harms-Haus statt.
Das ansprechende Thema und die angekündigten Referenten sorgten für die hohe Teilnahme, sogar für Delegierte aus anderen Missionswerken.
Später bei der Auswertungsrunde stellte sich heraus, dass eine Reihe der Teilnehmenden mit Zweifeln und auch Wut zu der Tagung gekommen waren. Schon der Titel mit seinen drei Fragezeichen bestätigte für viele den generellen Verdacht, dass das ELM und auch die Kindernothilfe die Heime fallen lassen wollen. Dieser Eindruck konnte jedoch ausgeräumt werden.
Ute Penzel vom Leipziger Missionswerk referierte über die Kinder- heime der Tamil Kirche in Indien (TELC) und plädierte eindeutig für die Heime, machte aber auf Mängel und Verbesserungsmöglichkeiten aufmerksam.
Guido Falkenberg von der Kindernothilfe (KNH) referierte über die Programmerweiterungen der Kindernothilfe seit 2000. Falkenberg machte deutlich, dass unter dem Gesichtspunkt der Armuts- reduzierung die Schülerwohnheime nicht die effizienteste Art der Arbeit sind. Noch ärmere und noch gefährdetere Kinder und Jugend- liche werden so nicht erreicht. Deshalb widmet sich die KNH vermehrt der Arbeit mit Kindern in ihrem Umfeld. Besonders gefährdete Kinder und Jugendliche, wie zum Beispiel ausgesetzte Vollwaisen oder Kinder aus dem Prostitutionsmilieu werden durch- aus noch bedacht. Auch gibt es ein spezielles Heim für begabte Adivasi Kinder (Kinder der Ureinwohner Indiens), wie Falkenberg erwähnt.
Den Teilnehmenden machte er aber deutlich, dass die KNH diese sich aufdrängenden neuen Aufgaben nicht zusätzlich umsetzen konnte. Das Engagement im Bereich der Schülerwohnheime musste reduziert werden. Laufende Projekte wurden aber nicht einfach aufgegeben oder gar abgebrochen! Diese Veränderung wurde mit den Partnern in Indien langfristig geplant und abgesprochen. Betroffen macht Falkenberg deutlich, dass dieser Prozess von den Partnern in Indien oft anders dargestellt wird. Interessant war auch die Information, dass Partnerkirchen freiwerdende Gelände oder Gebäude nicht für Programme der neuen Art zur Verfügung stellen wollen.
Mirjam Laaser vom ELM berichtete mit Bildern von ihrer gerade durchgeführten Indienreise und plädierte ebenfalls für eine Weitung des Blicks über die reine Betreuung der Kinder in Heimen hinaus.
Im Anschluss an die Vorträge haben die Referierenden gemeinsam mit den Teilnehmenden nach Lösungen gesucht, die zur Verbesse- rung der Zusammenarbeit mit den Partnern und Kinderheimen in Indien hilfreich sein können. Eine Vielzahl an Ideen wurde zusammengetragen die sich zum Teil überschneiden oder ergänzen.
Für die Zukunft ist zum Beispiel denkbar, dass die Förderung von Kinderheimen in die Förderung von Kindertagesstätten, bzw. Kindergärten verlagert wird, damit die Kinder in der Familie ver- bleiben können. Die Einbeziehung der Eltern ist zu stärken und die Mitwirkung der Kinder zu fördern.
Ein umfassendes Evaluierungsprogramm plant Guido Falkenberg. Er bereitet den Prozess vor und wird noch vor dem Sommer die Partner zur Beteiligung und Mitgestaltung (und Mitfinanzierung) einladen. Mit Spannung werden dieser Prozess und seine Auswirkung von den Gästen der Tagung erwartet.
Helmut Grimmsmann, Asienreferent des ELM





