Zwischen den Stühlen - zwischen den Kulturen

Sonderausstellung im Ludwig-Harms-Haus Hermannsburg

Hermannsburg. „Ihr verändert das Gesicht der Mission und das ist gut so!“ Mit diesen Worten würdigte Pastor Thomas Wojciechowski die Arbeit und die Erfahrungen ehemaliger Freiwilliger, die im Sommer 2008 vom ELM zu einem einjährigen sozialdiakonischen Dienst ins außereuropäische Ausland entsandt worden waren. des ELM-Freiwilligenprogramms eröffnete Wojciechowski nun eine Ausstellung unter dem Titel „Zwischen den Stühlen – zwischen den Kulturen“ im Hermannsburger Ludwig-Harms-Haus. Sie zeigt als Ergebnis eines Auswertungsseminares die künstlerische Auseinandersetzung der jungen Erwachsenen mit ihrem Dienst in einer ihnen zuvor fremden Kultur.  Sinnbildlich dokumentiert sie dabei das „Zwischen-den-Stühlen-Sitzen“ der Freiwilligen sowohl im Ausland als auch nach ihrer Rückkehr in Deutschland.

„Eure Erfahrungen sind für uns von unschätzbarem Wert“, betonte Thomas Wojciechowski vor rund 100 Gästen und bescheinigte den ehemaligen Freiwilligen, seit ihrem Dienst „unheimlich gereift“ zu sein. „Ihr tut der Mission, den Missionswerken und den Kirchen gut“, bekräftigte er und dankte ihnen, zwischen den Stühlen und den Kulturen Platz genommen zu haben.

„Zwischen den Stühlen zu sitzen ist der anständigste Platz für uns alle“, meinte ELM-Direktorin, Martina Helmer-Pham Xuan. Man könne nicht auf einem Stuhl bleiben, wenn man sich in die Welt begebe.

So wie sie unterstrichen auch der Dezernet für Mission und Ökumene, Oberlandeskirchenrat Rainer Kiefer, und Landesjugendpastorin Cornelia Dassler als Vertreter der Ev.-luth. Landeskirche Hannovers die Bedeutung des Programms. So bezeichneten sie die Freiwilligen als „Brückenbauer“ und „Botschafter“ sowie als „neugierige junge Menschen, die sich auf den Weg machen und nicht nachlassen, Fragen zu stellen“.

Und diese Fragen spiegeln auch die ausgestellten Exponaten wider. Dabei handelt es sich um ausgediente Stühle, die die ehemaligen Freiwilligen auf unterschiedlichste Weise umgearbeitet haben, um in ihnen ihre Erfahrungen und Wahrnehmungen sowie zwiespältigen Gefühle wie Ängste und Hoffnungen während ihres Auslandseinsatzes und danach in Deutschland zum Ausdruck zu bringen. Aus einer spontanen Idee von ELM-Jugendreferentin Ingrid Höse während des Auswertungsseminars entstanden, ist nun eine Ausstellung im Ludwig-Harms-Haus zu sehen, die mit jedem künstlerisch umgestalteten Stuhl höchst anschaulich die Gefühls- und Gedankenwelt der ehemaligen Freiwilligen nachvollziehbar macht.

Bisher entsendet das ELM jedes Jahr 25 Freiwillige zwischen 18 und 27 Jahren in seine Partnerkirchen. Geplant ist diese Zahl auf 40 aufzustocken. Denn die Nachfrage ist weit größer. So bewerben sich Jahr für Jahr einige Hundert allein beim ELM für einen solchen Dienst, auch wenn sie, die eigene Kultur im Gepäck, mit bis dahin unbekannten Welten, Ansichten, Lebensstilen konfrontiert werden – ein Balanceakt zwischen Anpassung an das Fremde und Bewahren des Eigenen, des Vertrauten. Ein Balanceakt, der sich nach ihrer Rückkehr fortsetzt.

Sie können nicht mehr anknüpfen an das, was sie vor dem Jahr verlassen haben. Das oftmals provinzielle Denken wird eingebunden in einen globalen Kontext. Das stößt nicht immer auf Verständnis. Das Sein zwischen den Kulturen, das „Sitzen zwischen den Stühlen“ muss erneut gelernt werden.

Bis zum 10. Januar 2010 wird die Ausstellung zu sehen sein. Dann endet auch die Angebotsfrist für die Einzelexponate, die man gegen Höchstgebot erwerben kann.

Öffnungszeiten: Montag bis Samstag von 8:30 bis 18:00 Uhr und sonntags von 14:00 bis 18:00 Uhr. Führungen sind nach Vereinbarung möglich. Weitere Informationen erhalten Sie beim Ludwig-Harms-Haus, Harmsstraße 2, 29320 Hermannsburg, Telefon (05052) 69-270, info(at)ludwig-harms-haus.de oder www.ludwig-harms-haus.de

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